Zheng Hes letzte Reise

Siebte Expedition erst nach Bewilligung durch neuen Kaiser

Im Jahr 1421 fällt die Ankunft der Flotte mit der Eröffnungsfeier des neuen Kaiserpalastes in Peking zusammen. Mehr als 100 Abgesandte aus 30 Ländern bringt Zheng He von seiner fünften Reise mit. Eine Vielfalt an Kulturen und Menschen: Die Expeditionen der Flotte öffnen Chinas Blick nach außen.

Selbst eine Giraffe ist unter den Geschenken. Die Chinesen halten es für das Fabeltier Quilin. Es erscheine nur, wenn sich die Welt in Harmonie befinde und der Herrscher eine weise Regierung führe.

Schwerer Schlag für Zheng He

Doch nicht alle halten Yongle für weise. Gegen Ende seiner Regierung ist er zunehmend von Kritikern seiner Projekte umgeben. Drei Jahre nach der Eröffnungsfeier verzeichnet die Chronik im Jahr 1424 den Tod des 65-jährigen Kaisers. Sein Leichnam wird 100 Tage in der Verbotenen Stadt aufgebahrt.


Für Zheng He ist der Tod des Kaisers ein schwerer Schlag. Mit ihm stirbt sein größter Gönner. Am Hof tobt ein erbitterter Machtkampf um die Nachfolge Yongles. Es gibt massive Kritik an der kostspieligen Flotte und dem Einfluss der Eunuchen. Mit dem bevorstehenden Machtwechsel steht nicht nur Zheng Hes persönliche Zukunft auf dem Spiel - auch die der Flotte.

Einstellung des Flottenprogramms

In der Verbotenen Stadt gibt es einen neuen Kaiser. Auf dem Drachenthron sitzt nun Zhu Gaoxu. Von konservativen Beamten beeinflusst, ändert er die Politik seines Vorgängers: Noch am Tag seiner Thronbesteigung verkündet er die Einstellung des Flottenprogramms. Der neue Kaiser entlässt Zheng He aus seinen Pflichten als oberster Befehlshaber der Flotte. Zheng He wird Militärkommandant von Nanking. Ein wichtiger Posten, der für seine Bedeutung am kaiserlichen Hof spricht. Dennoch hofft er auf ein Dekret, das eine neue Expedition anordnet.



Unterdessen zerfällt die Flotte. Laut kaiserlichem Erlass dürfen beschädigte Schiffe nicht repariert und neue erst gar nicht gebaut werden. Das Lebenswerk von Zheng He verrottet am Strand. Eine Gedenktafel soll die Reisen der Flotte unvergesslich machen. Denn der ehemalige Kommandant ist sich der Opposition am Hofe bewusst. Er fürchtet, staatliche Chroniken könnten die Expeditionen verschweigen.

Machtkampf am Hof

Offiziell ist die Gedenktafel eine Danksagung an Tianfei, der Göttin der Meere. Aber für Zheng He ist sie auch die Möglichkeit, die Expeditionen für die Nachwelt festzuhalten: "Wir reisten bis nach Java, Malaysia, Vietnam, Sri Lanka und an die Südspitze Indiens. Von da aus fuhren wir nach Hormuz, Aden und sogar Mogadischu. Mehr als 30 Königreiche, große und kleine, haben wir bereist."


Doch die Regentschaft des neuen Kaisers ist nur von kurzer Dauer. Zhu Zhanji, ein Enkel Yongles folgt ihm. Er möchte an die gewaltigen Taten seines Großvaters anknüpfen. Doch er muss sich gedulden. Noch tobt der Machtkampf am Hof zwischen den Gegnern und Befürwortern der Flotte. Erst Jahre später lässt er das Verbot seines Vorgängers aufheben. Besorgt über den schwindenden Einfluss Chinas, will er das Ansehen der Ming-Dynastie in der Welt wieder vergrößern. Zhu Zhanji befiehlt die siebte Reise.

Beginn der Isolation

Mit fast 300 Schiffen und 30.000 Mann Besatzung, ist es die größte Expedition der Flotte. Das kaiserliche Dekret von 1430 lässt keine Zweifel an den Absichten: "Mit diesem Befehl sende ich den Eunuchen Zheng He aus, um die Länder jenseits des Ozeans anzuweisen, dem himmlischen Reich ihre Ehrerbietung zu erweisen."



Zheng He soll die alten Handelskontakte neu beleben. Doch er ist mittlerweile 62 Jahre alt. In der Chronik der Ming-Dynastie ist sein Tod vor der Küste Indiens im Jahr 1433 eingetragen. Mit Zheng He stirbt die große Ära der chinesischen Seefahrt. Das chinesische Reich beginnt sich zu isolieren.

Ironie der Geschichte

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sich China genau in der Zeit von den Weltmeeren zurückzieht, als die Europäer beginnen, sie zu erkunden. Wer weiß, ob es den Europäern gelungen wäre, den Globus politisch, militärisch und kulturell zu erobern, hätte China seine Präsenz auf den Weltmeeren ausgebaut. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, in der China das Tor zur Weltherrschaft offen stand.

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