Zivile Radarforschung in Deutschland

Nazi-Regime verlangt militärische Nutzung

In Deutschland ist Admiral Raeder, der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsflotte, auf dem Weg zu einem geheimen Experiment. Der Kurs zweier Schiffe soll durch eine neue Wundertechnologie überwacht werden. Von Willisen und Erbslöh haben den Admiral zu dem Experiment eingeladen. Dieser Tag wird über die Zukunft ihrer Firma entscheiden.

Gespannt beobachten die deutschen Militärs den Bildschirm. Tatsächlich gelingt es, die Position der Schiffe in acht Kilometer Entfernung exakt zu orten. Von Willisen und Erbslöh sehen sich am Ziel ihrer Träume: Mit ihrer Technik wollen sie Schiffsunglücke verhindern. Doch Admiral Raeder hat sofort den strategisch-militärischen Wert dieses Instruments erkannt - er weiß von Hitlers Plänen.

Streng geheimes Projekt

Watson-Watt richtet 1935 in England auf einer abseits gelegenen Insel sein Labor ein. Den wenigen Einheimischen wird erzählt, es handele sich um meteorologische Experimente. Das Projekt ist streng geheim. Fieberhaft arbeiten sie an der Weiterentwicklung seines Ortungssystems. Es soll zumindest grob erfassen, ob sich Angreifer seiner Heimat nähern. Schon nach kurzer Zeit gelingt es, Flugzeuge auf eine Entfernung von 70 Kilometern zu orten. Doch die Anlage fällt häufig aus, und die Signale weichen mitunter Kilometer weit von der tatsächlichen Position ab.

Währenddessen sind in Berlin auch Von Willisen und Erbslöh dabei, ihr System zu verbessern. Mit den Fördergeldern der Marine haben sie über 50 Ingenieure eingestellt. Die Entwicklungsarbeit wirft bereits Gewinne ab. Doch gleichzeitig sind sie von ihrem militärischen Auftraggeber abhängig geworden. Die Marine hat klare Vorstellungen: Sie verlangt ein Feuerleitsystem für ihre Schiffsartillerie. Sie will ein offensives Instrument in den Händen halten, mit dem sie den Gegner frühzeitig erfassen und die eigene Artillerie zielsicher steuern kann. Sie drängen Von Willisen mit immer kürzeren Wellen zu arbeiten, um exaktere Entfernungsangaben zu erhalten.

Ausschließlich fürs Militär

Von Willisen sieht vielfältigere Anwendungsmöglichkeiten für seine Erfindung: für die zivile Luftfahrt, für den Küstenschutz, für die Handelsschifffahrt. Selbstsicher präsentiert er seine Pläne und versucht, seine Auftraggeber von seinen Ideen zu überzeugen. Doch die Marine beharrt auf ihren Zielen, befiehlt gemäß der vertraglichen Abmachung und den gezahlten Fördergeldern, dass die Firma ausschließlich für sie arbeitet. Die Offiziere drohen, ihnen das streng geheime Projekt zu entziehen, falls sie sich nicht an die Order halten. Nie hat Von Willisen daran gedacht, dass seine Erfindung ausschließlich Bestandteil der Militärmaschinerie werden sollte.

Noch nicht für den Ernstfall

Währenddessen erprobt die deutsche Luftwaffe neue Einsatztaktiken. Sturzkampfbomber greifen mit verheerender Wirkung in den Spanischen Bürgerkrieg ein. Den Engländern wird immer deutlicher, wie bedrohlich auch für sie deutsche Flugzeuge werden können. Die Überwachung des eigenen Luftraums wird Tag für Tag dringlicher.


Im englischen Landgut Bawdsey Manor werden jetzt unter der Leitung von Watson-Watt die besten Ingenieure des Landes zusammengezogen, um mit allen Kräften das britische Radarsystem zu perfektionieren. Innerhalb weniger Wochen verbessert Watson-Watt die Reichweite auf 100 Kilometer. Auch eine Reihe technischer Probleme können die Ingenieure beheben. Aber für den Ernstfall taugt das System noch immer nicht. Watson-Watt braucht dringend weitere Mittel. Im Juni 1936 reist er nach London, um einen besonders einflussreichen Mann zu treffen.

Winston Churchill ist fasziniert von der neuen Technik, erkennt sofort die nationale Bedeutung der Erfindung und wird ein mächtiger Verbündeter von Wattson-Watt. Die Royal Air Force beginnt mit der geheimen Erprobung. Abfangjäger werden mit Hilfe der in Bawdsey Manor empfangenen Radardaten zielsicher an zivile Linienmaschinen herangeführt. Für die Luftwaffen-Piloten ein Rätsel, denn sie wissen nicht, woher die Informationen stammen.




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