Zu heiß, zu hell, zu grün

Von den Schwierigkeiten, einen Roboter zu filmen

Noch steht er völlig regungslos im Offenbacher Forschungslabor von Honda: Asimo, der weltweit fortschrittlichste zweibeinige Roboter. Ein ZDF-Team will für die Doku "Unser Leben in der Zukunft" Asimos neueste Fähigkeiten mit der Kamera einfangen. Gar nicht so leicht, denn mit der hochsensiblen Technik funktioniert nicht immer alles nach Plan.

Roboter Asimo greift nach einer grünen Flasche

Der humanoide Roboter von Honda hat Kulleraugen, sieht freundlich aus und erinnert ein bisschen an einen Astronauten. In 50 Jahren - so das Ziel von Honda - könnte Asimo ein ständiger Begleiter des Menschen sein, der im Haushalt hilft und den Hund ausführt. Doch schon heute kann der kleine Zweibeiner einiges vorweisen: Er kann laufen, Treppen steigen, Kaffee bringen, Hände schütteln, kann Personen und Gegenstände erkennen und sich autonom in einer bekannten Umgebung bewegen.

Selbst erzeugte Bewegungen

Für die Kamera soll Asimo nach einem bekannten Gegenstand greifen - nach einer mit grünem Krepppapier umwickelten Flasche. Er hat dafür vier Verhaltensvarianten, aus denen er wählen kann. Das besondere daran: Asimo ist nicht programmiert, d.h. er führt keine vorprogrammierten Bewegungen aus. Nur das Ziel - die grüne Flasche - ist vorgegeben. Seine Bewegungen, die dieses Ziel verfolgen, erzeugt er selbst.

Laut Edgar Körner, Präsident des europäischen Honda-Forschungsinstituts in Offenbach, sind das aber erst die Anfänge eines interaktiven, flexiblen Verhaltens. Wenn Roboter anspruchsvollere Fähigkeiten ausüben sollen, wie z.B. Einkaufen gehen oder eine Straße überqueren, müssen sie ein weitaus größeres Verhaltensrepertoire haben und in der Lage sein, nicht nur auf Befehle zu warten, sondern selbst Probleme zu sehen.

Asimo sieht grün

Die Kamera läuft, es geht los: Hinter großen Bildschirmen sitzen Edgar Körner und sein Team. Konzentriert überwachen sie jede Bewegung von Asimo. Christian Goerick, ebenfalls Mitglied des Forschungsteams, bewegt die grüne Flasche hin und her. Asimo greift mit seiner Hand danach, mal mit der linken, mal mit der rechten. Tritt Goerick ein paar Schritte zurück, geht auch Asimo los und folgt ihm mit ausgestreckter Hand.

Doch plötzlich tritt Asimo hektisch auf der Stelle. Für kurze Zeit wissen die Ingenieure nicht, was los ist. Doch schnell ist Asimos rätselhaftes Verhalten geklärt: Autorin Meike Hemschemeier, die ein grünes T-Shirt trägt, muss in Asimos Sichtfeld gekommen sein. Die grüne Farbe hat ihn abgelenkt, so dass sein Ziel nicht mehr eindeutig war. Bevor weiter gedreht werden kann, heißt es also Umziehen. Einer der Kollegen hat auch gleich ein Hemd parat - ein ungefährliches, blaues.

Vom Scheinwerfer geblendet

Kaum ist diese Gefahr gebannt, taucht ein weiteres Problem auf. Die vielen Scheinwerfer, die das Forschungslabor ausleuchten, machen Asimo zu schaffen. Es ist schwierig, sie so einzurichten, dass der Kameramann genügend Licht zum filmen hat, Asimo von den grellen Strahlen aber nicht abgelenkt wird. Nach langem Herumprobieren sind auch die Scheinwerfer optimal postiert und es kann weitergehen.

Da fürs Fernsehen mehrere Einstellungen gebraucht werden, von vorn, von hinten, von der Seite ..., ist Asimo eine ganze Weile in Betrieb. Eine solche Dauerbelastung ist der sensible Roboter nicht gewohnt. Und dann streikt er auch. Die Maschinen sind zu warm gelaufen. Hinzu kommt, dass die Raumtemperatur im Forschungslabor weit über 30 Grad beträgt.

Hitze und ohrenbetäubender Lärm

Nicht nur für Asimo, auch für das Drehteam und die Ingenieure ist die Hitze eine große Belastung. Einer der Ingenieure von Honda versucht Abhilfe zu schaffen und rückt mit einem schweren Ventilator an, der kühlere Luft in den Raum wehen soll. Außer Wind verbreitet er leider auch ohrenbetäubenden Lärm. Alle Anweisungen des Drehteams erfolgen daher ab jetzt nur noch per Handzeichen. Ehe die Kamera wieder läuft, muss der laute Ventilator wieder abgestellt werden. Und irgendwie weiß man nicht so recht, was schlimmer ist - die Hitze oder der Lärm.

Nach einem anstrengendem Tag sind am Abend endlich alle Aufnahmen im Kasten. Alle sind zufrieden. Das ZDF-Team, weil alles gedreht ist und die Ingenieure, weil ihr Roboter bis zum Schluss durchgehalten hat. Jetzt darf sich auch Asimo endlich ausruhen. Verdient hat er es!

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