Zügellose Raffgier

Ostindien-Kompanie kämpft für ein Muskat-Monopol

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts floriert der Gewürzhandel der VOC in Ostindien. Die Anteilseigner machen hohe Gewinne, indem sie die feinen Leute Europas mit Gewürzen versorgen. Doch die Profitgier der Vereinigten Ostindischen Compagnie kennt keine Grenze - sie strebt nach einem Monopol auf den Muskathandel.

Das VOC-Logo am Amsterdamer Hauptsitz Quelle: ZDF

Die Niederländer sind nicht die Einzigen, die vom Handel im heutigen Indonesien profitieren wollen. Engländer haben sich gerade niedergelassen und Portugiesen sind sogar schon seit Jahrzehnten vor Ort. Die Einheimischen wollen ihre Gewürze an diejenigen verkaufen, die den höchsten Preis zahlen. Ein Monopol lehnen sie ab.

Rücksichtsloses Durchgreifen

Statue Jan Pieterszoon Coens Quelle: ZDF


Die nüchternen Geschäftsleute wissen, dass ein Monopol der VOC nur mit Gewalt durchzusetzen ist - gegen die Interessen der Einheimischen und gegen die der europäischen Konkurrenten. Deshalb setzen sie vor Ort einen Mann ein, der ihre Interessen skrupellos durchsetzen soll: Jan Pieterszoon Coen. Ein intelligenter Haudegen, der heute als Architekt des niederländischen Kolonialreichs und visionärer Wirtschaftsstratege gilt.

Coen organisiert den Ausbau des Handelsimperiums der VOC mit eisernem Willen und stellt seine Auftraggeber, wie seine penible Buchhaltung zeigt, über die Maßen zufrieden. Immer mehr Waren aus Ostindien erreichen Holland. Dank Coen ist der Gewinn, den sie erzielen, im Grunde ein Reingewinn. Denn nebenbei steigt er auch in den innerasiatischen Markt ein und beliefert unter anderem China, Indien, Japan. Aufgrund der Gewinne aus dem Binnenmarkt kosten die Waren, die nach den Niederlanden transportiert werden, die Investoren praktisch nichts.

Die östlichste Siedlung der Niederländer

Coen ist es auch, der im Westen der Insel Java ein Handelskontor gründet. Er nennt den Stützpunkt Batavia, die alte lateinische Bezeichnung für Holland. Die Siedlung, die sich um die Lagerhäuser entwickelt, ist die erste niederländische in Indonesien und bei Seeleuten wegen ihres ungesunden Klimas und seiner stinkenden Gewässer berüchtigt. Heute wohnen im alten Batavia 20 Millionen Menschen - die Stadt heißt nun Jakarta.

Mauern des Handelskontors Batavia Quelle: ZDF

Von Batavia aus fahren die holländischen Segler weiter zu den Inseln der Molukken. Darunter ist auch das Juwel in der Sammlung der holländisch besetzten Inseln: Der Banda-Archipel. Abertausende von Muskatbäumen wachsen hier.

Unter der Oberfläche brodelt es

Mit einer Politik aus Zuckerbrot und Peitsche gelingt es der VOC auf den Inseln Fuß zu fassen und die Einheimischen zu zwingen, ihr Monopol auf den Muskathandel anzuerkennen. Doch unter den Bewohnern der Inseln gärt es. Die Verträge, die ihnen die Holländer aufgezwungen haben, sind zu ihrem Nachteil. Denn mit dem Monopol der VOC sind auch die Preise für die Muskatnüsse drastisch gesunken.

Auf See lauern immer noch die Konkurrenten der Amsterdamer Kaufleute. Nur strengste Aufsicht kann verhindern, dass die Muskaternte heimlich an britische Schiffe verkauft wird, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Archipel anlaufen. Einer englischen Crew gelingt es, sich auf einer Nachbarinsel festzusetzen. Die niederländischen Händler wissen, dass die Bewohner von Banda Kontakt zu den Briten aufgenommen haben. Die Lage spitzt sich zu.

Schluss mit lustig

Der Coup der Engländer stärkt das Selbstbewusstsein der Einheimischen.1621 kommt es zur offenen Rebellion. Im Vertrauen auf Unterstützung durch die Feinde der Holländer fallen die Bandanesen über Beamte der VOC her. Ein verhängnisvoller Fehler. Coen will ein für allemal den Widerstand der Bandanesen brechen und schickt von Batavia aus seine Flotte. Was folgt, ist der schwärzeste Tag in der Geschichte der Banda-Inseln. Nach dem Sieg lässt Coen 45 Häuptlinge von Banda hinrichten. Die Leichen werden gevierteilt und zur Abschreckung auf Bambusstangen gepflanzt. Nach und nach lässt er die gesamte Bevölkerung der Inseln töten oder deportieren und ersetzt sie durch Sklaven. Erst als die VOC später zunehmend einen Ausgleich mit den Briten sucht, wird der brutale Coen abgesetzt.

Der neue Global Player England setzt den Holländern nicht nur in Asien zu, sondern auch in der Neuen Welt. Immer mehr Briten siedeln seit Beginn des 17. Jahrhunderts an der Ostküste der heutigen USA. Eine Bedrohung für die kleine florierende niederländische Kolonie Neu-Amsterdam, die sich als Handelsplatz für in Europa sehr beliebte Pelze entwickelt hat.

Zeitgenössische Karte von Neu-Amsterdam Quelle: ZDF

Neu-Amsterdam am Ende

Im September 1664 sind die Tage der holländischen Kolonie gezählt. Aus dem Konflikt mit den Briten ist offener Krieg geworden und die isolierte Siedlung ist ein ideales Ziel für einen englischen Anschlag. Vor Neu-Amsterdam tauchen feindliche Kriegsschiffe auf. Die Händler und Kaufleute Neu-Amsterdams wollen die Beschießung der Stadt durch die englischen Kriegsschiffe verhindern. Der Gouverneur Peter Stuyvesant muss kapitulieren.

Die Eroberung Neu-Amsterdams ist der Auftakt zu einem gewaltigen Seekrieg zwischen Briten und Niederländern, der auf allen Weltmeeren geführt wird. Ein Krieg ohne wirklichen Sieger. Beide Kontrahenten sind erschöpft und erkennen, dass Friede für den Handel einträglicher ist als Krieg. Denn obwohl sich die VOC in Ostindien im Grunde wie ein Staat verhält, ist sie ein Handelsunternehmen mit Aktionären und Investoren - und die haben wenig Interesse ihr Geld für Waffen auszugeben und ziehen Verhandlungen vor.

Gemälde der Friedenverhandlungen von Breda Quelle: ZDF

Verhängnisvoller Kuhhandel

Als die Gegner endlich Frieden schließen, einigen sie sich auf einen Tausch: Die Niederländer verzichten auf Neu-Amsterdam und die Briten auf den Muskathandel in den Molukken. Später wird die Kolonie Neu-Amsterdam umbenannt - in New York. Doch während es mit New York bergauf geht, geht es mit der VOC, dem größten Unternehmen der Welt, bergab.

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