Zufallsfund

Tauchfahrt in die Vergangenheit - Die Korsaren von Saint-Malo

Die einst sehr wohlhabende Handelsstadt Saint-Malo war früher eine schillernde Festung der Seemacht Frankreich, mit einer Geschichte voller Mythen und Geheimnisse. Saint-Malo gilt als eines der Zentren der berüchtigten Kaperschiffahrt.

Spektakuläre Entdeckung

In den Küstengewässern finden sich kaum Zeugnisse aus der legendären Zeit der Korsaren. Doch nahe der alten Hafeneinfahrt entdeckten 1994 zwei Freizeittaucher in nur zehn Meter Tiefe eine Kanone, etwas weiter entfernt stießen sie auf ein weiteres Geschütz, nur wenige Meter daneben lag ein Anker. Hatten sie die Überreste eines gesunkenen Korsarenschiffs gefunden? Arbeiten an der Fahrtrinne vor Saint-Malo und heftige Winterstürme hatten den Meeresboden im Hafen aufgewühlt. Die spektakuläre Entdeckung erregte Aufsehen, die französischen Behörden stellten die Fundstelle unter Denkmalschutz, private Tauchgänge wurden verboten.

Extreme Bedingungen

Mit der wissenschaftlichen Untersuchung werden Elisabeth Veyrat und Michael L'Hour beauftragt. Die beiden renommierten Unterwasser-Archäologen organisieren eine erste Expedition. Sollte auf dem Grund des Hafens wirklich ein Korsarenschiff liegen, wäre die Entdeckung eine Sensation - und die ersehnte Chance, mehr über die Freibeuter zu erfahren. Nur bei sehr ruhigem Wetter sind Tauchgänge wegen des Gezeitenwechsels für eine Stunde möglich. Die vor Saint-Malo herrschenden Strömungen zählen zu den stärksten der Welt und innerhalb von wenigen Minuten können sich die Strömungsverhältnisse ändern. Die aufgewühlte See an der Küste birgt eine weitere Schwierigkeit: die Sicht beträgt nur wenige Meter. Zunächst wollen die Wissenschaftler Probebohrungen vornehmen, um die Größe der Fundstelle zu erfassen. Die Anzahl der Kanonen und die Ausmaße des Ankers lassen vermuten, dass unter dem Sandboden ein großes Schiff begraben liegt.

Umfangreiche Vorbereitungen

Die Taucher bestimmen die ungefähre Lage des Fundes, dann beginnen sie mit ihren Grabungen. Das Unternehmen verlangt umfangreiche Vorbereitungen: Mit Hilfe von speziellen Absauggeräten müssen zunächst tausende Tonnen Sand weggeräumt werden. Mühsam arbeiten sich die Archäologen im trüben Wasser Schicht für Schicht durch die Ablagerungen. Dann taucht unter dem Sand eine Holzstruktur auf. Dem Expeditionsteam offenbart sich ein Schatz, der selbst ihre kühnsten Erwartungen übersteigt. Das versunkene Schiff ist auch nach drei Jahrhunderten am Meeresgrund in außergewöhnlich gutem Zustand. Ein beinahe intaktes Zeugnis der Vergangenheit.

Archäologisches Langzeitprojekt

Unter den Händen der Taucher kommen immer mehr Details zum Vorschein. Viele der alten Taue sind erhalten - als sei die Zeit spurlos an ihnen vorübergegangen. Es scheint, als habe der Untergang die Seeleute blitzschnell überrascht: Sogar das Geschirr befindet sich noch in dem Zustand, in dem es damals zurückgelassen wurde. Die Ausmaße der Grabungsstätte sind mit einem Feld von fast tausend Quadratmetern ungewöhnlich groß: die Arbeit vor der Küste der Bretagne wird etliche Jahre in Anspruch nehmen - ein archäologisches Langzeitprojekt. Erste Holzproben ergeben, dass das Wrack kein Boot der königlichen Flotte mit seinen typischen 74 Kanonen gewesen sein kann, es ist vermutlich noch länger. Die vielen Kanonen deuten darauf hin, dass es wahrscheinlich ein stark bewaffnetes Handelsschiff war. Es könnte eine der Malouiner Fregatten sein, die Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts auf Kaperfahrt waren.

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