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Zum Greifen nah

26. Mai 1953: Bourdillon und Evans scheitern knapp

Im Mai 1953 beginnt die Besteigung des Mount Everest unter John Hunt. Doch zunächst ist nicht der Gipfel die Herausforderung, sondern die steil aufragende, eisige Felswand, die den Everest mit dem benachbarten Lhotse verbindet.

Eine halbe Tonne Ausrüstung und Proviant sollen die Träger in das geplante Hochlager auf dem Südsattel bringen, die Voraussetzung für den Gipfelversuch. Doch die Lhotse-Wand bringt die Alpinisten von der Insel an ihre Leistungsgrenze.

Permanent schlechtes Wetter

George Lowe, Mike Westmacott und vier Sherpas bekommen fünf Tage Zeit, Stufen in die vereiste Felswand hineinzuschlagen - zur Sicherheit der schwer beladenen Träger. Eine ermüdende Arbeit, erschwert durch das permanent schlechte Wetter. Zudem dringt die Expedition inzwischen in spürbar sauerstoffärmere Höhen vor, die ihren Tribut fordern. Nach drei Tagen macht sich John Hunt auf, um den Fortschritt zu begutachten.

Die speziellen Wettervorhersagen heitern das Team nur wenig auf. Der Monsun wird für Ende Mai erwartet, aber was, wenn er früher einsetzt? Hunt wird unruhig. Am 15. Mai befindet sich Lowe noch immer im selben Lager auf halber Höhe der Lhotse-Wand und der kranke Westmacott ist gezwungen, den Rückzug anzutreten. Mike Ward soll Lowe unterstützen. Als sie nach drei Tagen den Südsattel noch nicht erreicht haben, muss Hunt aus Zeitnot ein großes Wagnis eingehen. Lowe und Ward werden ins vorgeschobene Basislager zurückgerufen, und das erste Trägerteam nach oben geschickt, bevor die endgültige Route gesichert ist. Auf halber Strecke, mitten in der Lhotse-Wand, bleiben die Sherpa in ungespurtem Gelände stecken. Deshalb schickt Hunt am nächsten Tag Hillary und Tensing als Unterstützung hinauf. Er wollte sie eigentlich in Reserve halten, aber jetzt bleibt dem Expeditionsleiter keine Wahl.

Beginn der Todeszone

Am 22. Mai erreicht die Expedition den Südsattel. Ein windgepeitschter, trostloser Ort - der Beginn der Todeszone. Die Luft enthält - verglichen mit dem Meeresniveau - nur noch ein Drittel Sauerstoff. Über 7900 Meter Höhe erholt sich der Körper nicht mehr, selbst wenn er schläft. Weiter unten bereiten sich Tom Bourdillon und Charles Evans auf ihren Gipfelversuch vor. Sie werden ein neu entwickeltes Atemgerät benutzen.

Am 24. Mai machen sich Bourdillon und Evans auf den Weg ins Lager 8 auf dem Südsattel. Am 26. Mai starten sie um 7.30 Uhr in Richtung Gipfel - jeder mit zwei Sauerstoffflaschen. Um 9.00 Uhr verschnaufen sie in der Nähe der zerfetzten Überreste des letzten Schweizer Lagers, in einer Höhe von 8310 Meter. Um 11.00 Uhr pausieren sie bei 8565 Meter. Bald darauf stehen sie auf dem Südgipfel, knapp einhundert Höhenmeter und 350 Meter Luftlinie trennen sie vom Ziel. Bourdillon und Evans schießen ein paar Fotos, doch aus dem Moment des Triumphes wird ein Moment der Krise.

Rückkehr ohne Sauerstoff?

Bourdillon und Evans überprüfen ihren Sauerstoffvorrat und errechnen, dass er nur noch für drei Stunden ausreicht. Genau drei Stunden würden sie aber brauchen, um den Gipfel zu erklimmen. Das bedeutet, dass ihnen exakt am höchsten Punkt der Erde das Atemgas ausgehen wird, eine Rückkehr wäre unmöglich. Beim Wechseln der Kanister friert Charles Evans das Sauerstoffgerät ein. Er ist zuvor schon kaum in der Lage gewesen, den Südgipfel zu erreichen.

Schwacher Trost

Bourdillons Atemgerät funktioniert einwandfrei, und der Gipfel des Mount Everest liegt weniger als hundert Höhenmeter über ihm, scheinbar zum Greifen nah. Bourdillon geht den schmalen Grat entlang, um einen besseren Blick zu haben. Dann kehrt er um. Drei Stunden später taumeln Evans und Bourdillon völlig ausgepumpt den Südsattel hinunter. Schwacher Trost: Sie haben einen neuen Höhenrekord aufgestellt, doch als Erstbesteiger des Everest werden sie nicht in die Geschichtsbücher eingehen.

In Katmandu häufen sich unterdessen die Spekulationen. Jede Wolke am Himmel wird als Hinweis gedeutet, dass der Monsun einsetzt. Die Stadt ist voller Journalisten, die nach einer Story lechzen. James Morris jedoch, der einzige Reporter am Berg, berichtet exklusiv für die Times. Die anderen verbreiten bereits Gerüchte, dass die Expedition gescheitert sei.

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