Zurück zur Krone

Politischer Meilenstein für Karl VII.

Von Jeanne d'Arc existiert keine bildliche Darstellung aus ihrer Zeit. Jede Epoche hat sich ein eigenes Bild gemacht. Doch wie auch immer sie aussah, ihre Erscheinung als Gottes Kriegerin zeigte Wirkung.

Wie im Rausch ziehen die französischen Truppen jetzt von einer Eroberung zur nächsten. Jeanne d'Arc hat die Wende im Hundertjährigen Krieg eingeleitet.

Strategische Pulsader

Der Ruf der Jungfrau von Orléans verbreitet sich in ganz Europa. Ihr nächstes Ziel ist das Tal der Loire - die strategische wichtige Region des französischen Königreichs ist schon lange an die Engländer verloren. Eine Woche nach der Befreiung von Orléans formiert Jeanne d'Arc hier erneut ihre Truppen. Die Huren und Marketenderinnen hat sie aus dem Tross vertrieben. Beichten, Beten und Kämpfen stehen für die Soldaten auf der Tagesordnung.



Die Ursache für Jeanne d'Arcs militärische Erfolge ist in der Forschung umstritten. Sehen die einen in ihr eine geniale Strategin, gestehen die anderen ihr nur den Status eines Truppenmaskottchens zu. Der Herzog von Alencon, einer der Heerführer, der mit Jeanne d'Arc den Loirefeldzug bestritten hat, sagt im Zeugenstand später aus:"Jeanne war einfach und jung, aber das Kriegshandwerk verstand sie: Sie wusste ebenso gut, die Lanze zu führen wie die Armee zu formieren und einen Schlachtplan zu entwickeln ... so, als hätte sie bereits seit 20 Jahren Krieg geführt."

Tour de force im Namen Gottes

Zug um Zug werden die besetzten Loire-Städte befreit und die Engländer immer weiter in den Norden zurückgedrängt. Jargeau, vorbei an Orléans, dann Meung, Beaugency, schließlich Patay. Eine "Tour de force" im Namen Gottes.

Höhepunkt der Karriere

Der Heiligenschein auf der Spitze eines Schwertes? Von sich selbst hat Jeanne d'Arc gesagt, sie habe niemals einen Menschen getötet. Ist die Jungfrau in martialischer Pose nur der Phantasie der Nachwelt entsprungen?
In der Kathedrale von Reims wurden seit Alters her die französischen Könige geweiht. Erst die Salbung mit dem heiligen Öl Chlodwigs erhob sie in den Stand "König von Gottes Gnaden".


Fünf Monate nach seiner ersten Begegnung mit Jeanne d'Arc ist für Karl VII. der Weg zur Krone frei. Das "Unternehmen Jungfrau" war im Kampf gegen die Engländer ein voller Erfolg. Keiner zweifelt mehr daran, dass Gott auf der Seite der Franzosen steht. Am 17. Juli 1429 findet die Krönungszeremonie statt. Für Karl VII. ist es ein politischer Meilenstein, für Jeanne d'Arc der Höhepunkt ihrer Karriere. Eigentlich hat sie jetzt alles erreicht. Die Geschichte hätte hier ihr ruhmreiches Ende nehmen können. Doch Jeanne d'Arc sieht ihre Mission noch nicht als erfüllt an.

Sie drängt weiter auf Eroberung. Noch ist Frankreich nicht von den Engländern befreit. Stur beharrt sie auf der Durchsetzung ihres Willens. Karl will und kann nicht aufs Ganze gehen. Er setzt auf Waffenstillstands-Verhandlungen mit seinen Gegnern. Sie will Kampf und die Rückeroberung der Hauptstadt Paris. Die Interessen der Feldherrin und die des Königs lassen sich nicht mehr vereinbaren. Es schwelt der Konflikt zwischen der Visionärin und dem Realpolitiker.




Krieg als einziges Mittel

Jeanne d'Arc brennt darauf, wieder in den Kampf zu ziehen. In ihrer göttlichen Mission haben Verhandlungen keinen Platz. Für sie ist Krieg das einzige Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele. Sie will die als uneinnehmbar geltende Hauptstadt zurückerobern. Siegessicher schlägt sie alle Warnungen in den Wind - und ihr Untergang nimmt seinen Lauf.

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