Bilder der Katastrophe gingen um die Welt

Kameraleute filmten den Absturz der "Hindenburg" 1937

Seine öffentliche Wirkung konnte der Absturz der "Hindenburg" 1937 nur entfalten, weil moderne Wochenschaukameras die Katastrophe einfingen und die bewegenden Bilder um die Welt gingen. Mit dem Inferno von Lakehurst geriet ein Unglück zum Medienereignis - das war ein Novum.

Am 6. Mai 1937 explodierte in Lakehurst bei New York das Luftschiff "Hindenburg" - damals das angeblich modernste Verkehrsmittel der Welt. Eine Katastrophe, die sich tief in das kollektive Gedächtnis diesseits und jenseits des Atlantiks einprägte.

Denn zum einen ging in Lakehurst der Traum von einer "transatlantischen Brücke" vorerst in Flammen auf. Der Glaube an die Beherrschbarkeit moderner und revolutionärer Luftfahrttechnik hatte die Verheißung gebracht, die Welt ein Stück kleiner werden zu lassen: Nicht mehr eine Woche dauerte die Reise über den Atlantik, sondern nur noch zweieinhalb Tage. In luxuriösen Verhältnissen zwischen der neuen und alten Welt hin und her zu pendeln, schien eine neue Dimension des Reisens zu eröffnen. Diese Träume verglühten binnen 34 Sekunden in einem Meer von Flammen.

Bilder des Infernos gingen um die Welt

Doch seine öffentliche Wirkung konnte das Inferno nur entfalten, weil eine andere verheißungsvolle Technik - die moderne Wochenschaukamera - die Katastrophe einfing und jene bewegten und bewegenden Bilder in wenigen Wochen um die Welt gingen. Mit dem Absturz der "Hindenburg" geriet ein Unglück zum Medienereignis - das war damals ein Novum.

1937 waren hoch dramatische, live gefilmte Bilder eine Seltenheit in den Kinosälen. Wer diese Aufnahmen sah, sollte sie nie wieder vergessen. Der auf Zelluloid gebannte Feuertod der "Hindenburg" konnte auch nicht von der Bilderflut des Zweiten Weltkrieges überlagert werden - nur wenige Ereignisse der Vorkriegszeit blieben auf ähnliche Weise präsent wie die Katastrophe von Lakehurst.

"Titanic" der Lüfte

Die "Hindenburg" entsprach in ihren Abmessungen nahezu der Größe der "Titanic". Und auch in der Bedeutung für die Technikgeschichte hat der Absturz der "Hindenburg" eine Dimension, die an den Untergang der "Titanic" heranreicht. Es zeigt sich, dass nicht nur die Zahl der Opfer die Bedeutung einer Katastrophe definiert, sondern auch die Umstände und der Zeitpunkt des Geschehens.

Wie die "Titanic" galt die "Hindenburg" als ein Verkehrsmittel, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Die "Titanic" wurde als Wunderwerk der Technik gerühmt, vereinte sie doch Luxus mit dem Versprechen der Unsinkbarkeit.

Unbedingter Fortschrittsglaube

Der Glaube an die absolute Beherrschbarkeit von Maschinen war Ausdruck einer Mentalität, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts pragmatischen Fortschrittsglauben und menschliche Hybris auf bis dato nie gekannte Weise miteinander verknüpfte.


Der Untergang des Luxusliners versetzte diesem Glauben einen Dämpfer, der bis heute nachwirkt. Und nur Jahre später zeigte der Erste Weltkrieg, welchen Schrecken die moderne Technik und Maschinen verbreiten können.

NS-Führung nutzte Renommee

Nach diesem Krieg und der Niederlage des Kaiserreichs schwang sich die deutsche Luftschiffentwicklung zu einer weltweit führenden Rolle auf. Der geschlagenen Nation tat es gut, der Welt zu zeigen, dass man zu friedlichen technischen Höchstleistungen im Stande war. Einen regelmäßigen zivilen Verkehr rund um den Globus boten nur deutsche Luftschiffe.

So wundert es nicht, das die NS-Führung nach 1933 dieses Renommee für propagandistische Zwecke nutzen wollte. Und eben diese Rolle, die das Luftschiff "Hindenburg" für die Machthaber spielte, verlieh dem tragischen Geschehen in Lakehurst eine zusätzliche Dimension: Konnte es sich um Sabotage handeln, um einen Akt des Widerstandes gegen die NS-Machthaber, gerichtet gegen ein Symbol angeblicher deutscher Größe?

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