Das Jesusgesicht

Der Mythos vom Turiner Grabtuch

Es ist die rätselhafteste Reliquie der Christenheit: das Grabtuch von Turin. Auf ihm ist das geisterhafte Abbild eines bärtigen Mannes zu sehen. Nacken, Rücken und Beine tragen Zeichen der Folter - offenbar einer römischen Kreuzigung.

Barg dieses Laken einst den Leichnam Jesu? Hat Gottes Sohn hier vor über 2.000 Jahren sein Blut und Abbild hinterlassen? Mit Hilfe moderner Technik ist es erstmals möglich, das Gesicht des Mannes auf dem Turiner Grabtuch in einer 3-D-Simulation zu rekonstruieren. "ZDF-History" unternimmt eine faszinierende Spurensuche zwischen Glaubensfragen und den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft.

Geheimnisvolle Geschichte

Unbestreitbar läßt sich die Existenz des Grabtuches bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen: 1353 errichtete Geoffroy de Charny eine Stiftskirche in Lirey bei Troyes, wo das Grabtuch Pilgern präsentiert wurde. Davor verlieren sich die Spuren im Dunkeln. Hundert Jahre später gelangte das Tuch in den Besitz des Hauses Savoyen. 1506 widmete Papst Julius II. dem "Heiligen Grabtuch" einen Feiertag, den 4. Mai. 1578 gelangte es nach Turin, der neuen Residenzstadt des Hauses Savoyen, wo es bis heute in der Johannes-Kathedrale aufbewahrt wird. Seit dem Tod Umberto II. von Savoyen 1983 ist die berühmte Reliquie Eigentum der katholischen Kirche.

Viele glauben, auf dem 4,41 Meter langen und 1,13 Meter breiten Tuch das Abbild des gekreuzigten Jesus zu erkennen. Das Abbild zeigt tatsächlich Spuren einer qualvollen Kreuzigungsprozedur. 1898 wurde das Turiner Grabtuch erstmals fotografiert. Das Ergebnis bleibt rätselhaft: Die Haut des Portraits wirkt dunkler, während die Schatten, beispielsweise die Wangenknochen heller erscheinen - so wirkt das Foto des Grabtuchs wie ein Negativ. Bisher konnte dieses Phänomen nicht geklärt werden.

Fälschung aus dem Mittelalter?

Erst vor kurzem gelang es einem italienischen Forscher mit einfachen und im Mittelalter bekannten und gebräuchlichen Mitteln, ein Grabtuch zu fälschen. Das Ergebnis war verblüffend; es zeigte große Ähnlichkeiten mit dem Turiner Grabtuch. Natürlich ist das kein Beweis, aber es zeigt die Möglichkeit einer professionellen Fälschung auf. Zudem ist bekannt, dass im Mittelalter häufig Reliquien verschiedenster Art gefälscht wurden, um viele Kirchen für gläubige Pilger attraktiver zu machen.


1988 wollte die katholische Kirche Klarheit über das Alter schaffen. Drei unabhängige Institute wurden beauftragt, mittels Radiokarbonmethode das Alter des Gewebes zu bestimmen: die Universitäten von Arizona, von Oxford und die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich. Das Ergebnis: Demnach stammt der Stoff etwa von 1325, also kurz bevor die ersten Überlieferungen vom Grabtuch berichten.

"Spiegel des Evangeliums"

Die Authentizität des Grabtuchs behauptet auch der Vatikan nicht. Papst Johannes Paul II. hat das Grabtuch als "Spiegel des Evangeliums" bezeichnet. Papst Benedikt XVI. würdigte im Mai bei seinem Gebet in Turin die Symbolkraft des Tuches. Für die Kirche gilt es nicht als Gottesbeweis, sondern als symbolische Glaubensstütze.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet