Der Fall Rohwedder

Seit 20 Jahren unaufgeklärt

Ostermontag 1991: Detlev Karsten Rohwedder, Chef der größten Holding der Welt, wird im Arbeitszimmer seines Düsseldorfer Wohnhauses erschossen. Wer der oder die Täter waren, ist bis heute nicht bekannt.

Abtransport der Leiche von Detlev Karsten Rohwedder
Abtransport der Leiche von Detlev Karsten Rohwedder Quelle: ap

Rohwedder war zum Zeitpunkt seines Todes Chef der Treuhandgesellschaft in Berlin, deren Aufgabe darin bestand, die rund 8000 DDR-Betriebe nach der Deutschen Einheit zu privatisieren. Die Hintergründe der Tat liegen bis heute im Dunkeln. Der Film von Anne Kauth und Bernd Reufels rollt den "Fall Rohwedder" noch einmal neu auf - untersucht die Hintergründe des Attentats, wertet geheime Akten aus und spürt den möglichen Tätern nach.

Wenige Anhaltspunkte

Die Mörder Rohwedders wurden bis heute nicht gefasst, nicht einmal die Namen der Täter sind bekannt. Vieles ist ungereimt an diesem Verbrechen: So war ausgerechnet das Arbeitszimmer des Treuhandchefs nicht mit schussfestem Glas gesichert worden. Klare Hinweise, die im Vorfeld des Anschlags auf ein bevorstehendes Attentat hätten aufmerksam machen können, wurden ignoriert.


Noch kurz vor dem Attentat wurde die Sicherheitsstufe, in der sich Rohwedder zu diesem Zeitpunkt befand, sogar herabgesetzt. Und dann die Spurenlage: keine Fingerabdrücke, keine Reifenspuren, kein Fluchtfahrzeug. Es gibt so gut wie keine Anhaltspunkte, wer hinter der Tat stehen könnte.

RAF-Bekennerschreiben

Am Tatort findet die Polizei ein Bekennerschreiben der "Rote Armee Fraktion". Darin wird der Treuhandchef als brutaler Sanierer beschimpft. Als einer, der tagtäglich über Leichen gehe und mit seiner Brutalität und Arroganz Millionen von Arbeitsplätzen im Osten vernichte. Auch eine weitere Spur führt zur RAF: Als ein am Tatort gefundenes Haar - zehn Jahre nach der Tat - kriminaltechnisch auf DNA-Spuren untersucht werden kann, lässt sich eine Übereinstimmung mit der DNA von Wolfgang Grams feststellen.


Grams gehörte zu den führenden Mitgliedern der dritten Generation der RAF. Die Ermittler stellen sich die Frage: War Grams in der Lage, einen solchen Präzisionsschuss auszuführen wie den, der Rohwedder tödlich traf? Oder wurde am Tatort eine falsche Spur gelegt? War vielleicht etwa die Staatssicherheit der ehemaligen DDR in den Fall verwickelt?

Demos verstummen


Sollte es der Plan der Attentäter gewesen sein, die Arbeit der Treuhand zu stoppen, so schlägt dieser fehl. An Rohwedders Stelle tritt mit Birgit Breuel eine überzeugte Marktliberale, die Privatisierung der DDR-Betriebe wird zum obersten Gebot der Treuhand. Schon nach wenigen Wochen verdoppelt sich die Zahl der verkauften Firmen.


Nach Rohwedders Tod weicht in der Bevölkerung der Ärger über die Privatisierungspolitik der Treuhand dem Entsetzen über die Tat. Der Protest und die Demonstrationen verstummen.


Sollte Wolfgang Grams das Rohwedderattentat begangen haben, so ist es wahrscheinlich, dass es Mittäter gab. In der RAF wurden Taten meist in der Gruppe durchgeführt. Beim BKA lagern DNA-Spuren, die bis heute nicht zuzuordnen sind. Die Ermittler treibt deshalb die Hoffnung, eines Tages doch noch den Mörder Rohwedders zu fassen.

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