Deserteur!

Soldaten auf der Flucht vorm Krieg

Bis heute gilt Fahnenflucht als eines der schwersten militärischen Verbrechen. Dennoch gab und gibt es immer wieder Soldaten, die desertieren. Welche Motive treibt sie an und warum gelten manche Deserteure heute als Vorbilder - und andere als Verräter?

US-Soldaten in Vietnam, 1965 (c) ap
Wehrmachtssoldaten legen den Treueid ab.


"Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben!" Hitlers mörderischer Parole folgend wurden im Zweiten Weltkrieg 15.000 deutsche Soldaten als "Kriegsverräter" hingerichtet. Erst im Mai 2002 rehabilitierte der Bundestag die Wehrmachtsdeserteure - ein Indiz dafür, wie heikel das Thema Desertion bis heute ist. Im Nazi-Regime gab es für die deutschen Soldaten legitime Gründe für ihren Ungehorsam. Aber was, wenn sich Soldaten einem vermeintlich gerechten Krieg verweigern? Sind die Motive eines Deserteurs der US-Armee im Zweiten Weltkrieg weniger plausibel als die eines Vietnam-Deserteurs?

Der Deserteur und der Staat

Über das Thema Desertion schweigen die meisten Geschichtsbücher. Schließlich handelt es sich hierbei um ein Tabu, das nicht nur das Ansehen von Armeen berührt, sondern noch viel größere Kreise zieht: Der Deserteur stellt den Staat selbst in Frage. Denn der Staat nimmt für sich in Anspruch, legitim Gewalt auszuüben, also auch äußere Feinde zu bekämpfen und hierfür Menschen lebensgefährlichen Situationen auszusetzen.

Die Diskussion um Deserteure ist auch immer eine Diskussion um das Militär. Jede Armee ist mit dem Problem der Fahnenflucht konfrontiert. Wie das Militär mit Deserteuren umgeht, lässt nicht nur Rückschlüsse auf die Armee selbst zu, sondern auch auf den Staat, der über die Armee Menschen für sich in den Dienst stellt.

Wie bestraft man Deserteure?

Bis heute gibt es in vielen Armeen harte Strafen für die Fahnenflucht. Die US-Armee droht gar mit der Todesstrafe, wenn ein Soldat im Kriegseinsatz desertiert. Tatsächlich vollstreckt wurde sie nur einmal während des Zweiten Weltkrieges. In Russland gibt es zwar kein besonderes Strafmaß für Wehrdienstverweigerer in Kriegszeiten, nach Angaben von Amnesty International wurden aber während des Tschetschenienkrieges 1995/1996 Deserteure durch das Militär hingerichtet. Bis heute sind diese Fälle nicht aufgeklärt.

Laut dem deutschen Grundgesetz darf niemand zum Kriegseinsatz gezwungen werden. Deshalb können Bundeswehrsoldaten vergleichsweise einfach ihren Dienst quittieren. Wer trotzdem im Kriegseinsatz desertiert, wird nicht vom Militär bestraft, sondern kommt vor ein Zivilgericht. Die Höchststrafe von fünf Jahren Haft wurde bisher nie verhängt.

Held oder Verräter?

Wie man die Entscheidung von Kriegsdienstverweigerern bewertet, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Dabei spielt die eigene Einstellung nicht nur zur Armee, sondern auch zum Staat eine wichtige Rolle und vor allem, ob Krieg oder Frieden herrscht.

ZDF-History zeigt Hintergründe und Folgen militärischen Ungehorsams - mit Beispielen aus Hitlers Wehrmacht, der sowjetischen Armee im Kalten Krieg bis hin zur US-Armee im jüngsten Irak-Krieg.

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