Die Queen

Ikone der Moderne

Nach dem Tod von Lady Di im August 1997 geriet die britische Monarchie in eine schwere Krise. Im Angesicht der Tragödie wirkte Queen Elizabeth II. zurückhaltend bis gefühlskalt und zog somit viel Skepsis und Kritik der Bürger auf sich.

Hinterkopf mit Krone von Elizabeth II.

Woraus resultierte die gewaltige Sprengkraft, die der Tod Lady Dianas auslöste? Lag es daran, dass Prinzessin Diana zur ersten großen Glamour-Ikone einer globalen, rund um die Uhr präsenten Multimediawelt erhoben worden ist - bis in den Tod? Oder war das Gerangel nach Dianas Tod nur Ausdruck eines gesellschaftlichen Umbruchs, mit dem sich das britische Volk seiner höchsten Autorität und ihrer überkommenen Traditionen entledigen will?

Instrumentalisierte Trauer

Es war von all dem etwas - aber noch mehr: Da gab es etwa den neugewählten Premierminister Tony Blair und seinen gewieften Pressesprecher Alastair Campbell. Sie instrumentalisierten die Trauer um Diana für einen politischen Coup.

Queen Elizabeth II. und Tony Blair (2001) Quelle: ,dpa

Während die Queen schweigsam in ihrem abgeschiedenen Sommerdomizil Balmoral verharrte, ging Blair in die Offensive mit der Formel: "Sie war die Prinzessin des Volkes, und das wird sie immer bleiben." So fiel dem Premier kurzzeitig die Rolle eines "Quasi-Königs von Großbritannien" zu, so der Königshaus-Experte Piers Brendon.

Beerdigung ohne die Queen

Als die Königsfamilie noch um die angemessene Würdigung der Verblichenen stritt, kam es zu einer "stillen Verschwörung". Hinter dem Rücken der Queen beschlossen Prinz Charles, Premierminister Blair und Elizabeth' Oberhaushofmeister Lord Airlee eine volksnahe Beerdigung Dianas ohne jede aktive Beteiligung der Monarchin.

Blumen als Zeichen der Trauer um Lady Diana Quelle: dpa

Die offenkundige Zurückhaltung der Queen und ihre Weigerung, die Flagge über dem Buckingham Palast zu Ehren Dianas auf Halbmast zu senken, schürten den Volkszorn gegen die Krone.

Zweifel an der Monarchin

Ungeachtet ihrer politischen Couleur, begann die britische Presse zum ersten Mal, Legitimation und Autorität der Queen ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Premier Blair zwang die Queen geradezu zur Rückkehr nach London.

Der Moment ihrer Ankunft am 5. September 1997 war voller knisternder Spannung: "Ich fragte mich, was passiert: Würde man die Queen auspfeifen, bewerfen oder würde gar der Aufstand ausbrechen?", erinnert sich ein Vertrauter der Verstorbenen.

Die Revolution unterblieb am Ende. Die Wogen glätteten sich, nicht zuletzt dank der Besonnenheit von Dickie Arbiter, dem damaligen Pressechef der Queen. Wie er zeichnen zahlreiche hochklassige Zeitzeugen den Verlauf einer Schicksalswoche nach, in der die britische Monarchie wie niemals zuvor auf der Kippe stand.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet