"Es brennt entsetzlich"

Der Absturz der "Hindenburg"

Bei ihrem Endanflug über Lakehurst hatte die "Hindenburg" Verspätung - stundenlang hatte sich die Landung verzögert, weil das Schiff über dem Atlantik Gegenwinden und Gewitterfronten hatte trotzen müssen. Die geplante Ankunftszeit war 6 Uhr morgens, nun näherte man sich bereits dem frühen Abend. Die Passagiere, denen man für viel Geld eine kurze Reise versprochen hatte, wurden ungeduldig.

Die brennende Hindenburg Quelle: ap

Weder die luxuriösen Einzelkabinen, noch der gediegene Speisesaal oder das raffiniert abgeschottete Raucherzimmer trösteten die Passagiere darüber hinweg, dass der Zeitplan deutlich überschritten worden war. Der Besatzung unter Kapitän Max Pruss war die Verspätung peinlich, zumal am Boden neue Passagiere warteten, die eine Reise in die umgekehrte Richtung gebucht hatten.

Allen Offizieren an Bord - unter ihnen war als Beobachter auch der Luftschiffveteran Kapitän Ernst Lehmann - ging es um den guten Ruf der Luftschiffgesellschaft. Und deshalb wollte Pruss nun so bald wie möglich landen und noch am gleichen Abend nach Deutschland zurückfliegen.

Gewitter und schwerer Regen

Doch das Wetter in Lakehurst machte ihm vorläufig einen Strich durch die Rechnung. Über dem Marine-Stützpunkt, der als einziger Ort in der Nähe von New York spezielle Landevorrichtungen für Luftschiffe bereithielt, zog am Nachmittag eine Gewitterfront auf, noch um 18 Uhr ging ein schwerer Regenguss nieder. Der Kommandant von Lakehurst, Commander Charles Rosendahl, konnte eine Landung vorläufig nicht verantworten.

Erst gegen 19.20 Uhr war es soweit - das Wetter schien eine Landung zuzulassen. Die "Hindenburg" schwebte über dem Flugfeld, einige Manöver schienen noch notwendig, dann liefen die Marinesoldaten der Bodencrew los, um die herabgelassenen Landeseile des Giganten zu ergreifen.

Riese aus Wasserstoff

Nur eine Handvoll Männer reichte, um das Luftschiff zu halten und in Position zu ziehen, denn der Riese war ein ausgesprochenes Leichtgewicht. Bestehend aus einem starren Aluminiumrahmen war er mit großen luftdichten Säcken gefüllt.

Diese Gaszellen enthielten Wasserstoff, ein hoch brennbares Gas, das dem Schiff erst seinen Auftrieb gab. Der riesige silbrige Körper bestand also vorwiegend aus Alu-Streben, Spannseilen und Gaszellen, während der eher kleine Passagier- und Besatzungsbereich an der vorderen Unterseite eingebaut war.

"Oh nein, es ist grauenhaft"

Als das Luftschiff zur Landung ansetzte, herrschte nur noch leichter Nieselregen. Doch um 19.25 Uhr bemerkte ein Marinesoldat der Bodencrew, dass die Außenhülle der "Hindenburg" im hinteren, oberen Bereich flatterte.

"Die Sonne taucht jetzt die Fenster in helles Licht, und die Scheiben glänzen und funkeln wie Juwelen auf schwarzem Samt", sprach Herbert Morrison in sein Mikrofon, um dann fassungslos weiter zu berichten: "Oh, er geht in Flammen auf, oh nein, es ist grauenhaft. Es brennt, es brennt entsetzlich."

Morrisons Radio-Reportage

Morrison kommentierte den Absturz direkt für eine begrenzte Zahl von Zuhörern - solche Sendungen wurden damals nicht aufgezeichnet. Für die Nachwelt erhalten wurde Morrisons Reportage durch eine nachträgliche Plattenaufnahme, für die er einige Stunden nach dem Unglück seinen Text wiederholte.

Diese Aufnahme wurde schon kurz nach dem Ereignis in zahlreichen Radiosendern weiterverbreitet und erlangte so Berühmtheit. So waren Tausende von Amerikanern überzeugt, das Unglück live im Radio miterlebt zu haben.

Vorort der Hölle

Im Moment der Katastrophe hingegen hielten Kameraleute und Fotografen fest, wie sich die Flammen im Körper des Luftschiffes rasend ausbreiteten und der Gigant schließlich nach unten durchsackte, um dann auf dem Boden aufzuschlagen.

Lakehurst verwandelte sich in jenen Minuten in einen Vorort der Hölle - brennende und schreiende Menschen liefen umher, verbrannte Opfer wurden notdürftig versorgt, verzweifelt versuchten die Bodenmannschaften, Überlebende aus dem Flammenmeer zu befreien. 13 Passagiere und 22 Mann der Besatzung starben. Angesichts der Bilder überrascht noch heute, dass 62 Menschen die Katastrophe überlebten.

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