Geheime Welten

Expedition in den Untergrund

In Zusammenarbeit mit Bunkerexperten und Untergrundforschern erkundet ZDF-History versteckte Orte in Deutschland, die mit entscheidenden Kapiteln der Geschichte verbunden sind.

Stollenanlage mit Decknamen "Malachit" in den Thekenbergen bei Halberstadt Quelle: ,ThomasKemnitz.de

In Zusammenarbeit mit Bunkerexperten und Untergrundforschern erkundet ZDF-History versteckte Orte in Deutschland, die mit entscheidenden Kapiteln der Geschichte verbunden sind.

Das Labyrinth von Oppenheim

Die Oppenheimer "Stadt unter der Stadt" ist ein weit verzweigtes Labyrinth. Von fast jedem der 500 Grundstücke innerhalb der einstigen Stadtmauern aus dem 13. Jahrhundert gehen Keller und Gänge ab, die bis zu drei Etagen tief reichen. Die Altstadt ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Warum begannen die Oppenheimer im 13. Jahrhundert damit, ein derartiges Labyrinth in den Hang zu graben? Oppenheim war eine wohlhabende Reichsstadt und sie wurde oft belagert. Versteckten die Bürger in unsicheren Zeiten ihre Kostbarkeiten in den Kellern?


Unter Oppenheim sind 600 unterirdische Einzelanlagen erfasst. Ein Großteil der Anlagen ist noch nicht erforscht. Bis heute gibt der Verbleib von Heiligenfiguren in der Oppenheimer Katharinenkirche ein Rätsel auf. Schmerzhaft vermisst werden kostbare Apostelfiguren aus Silber, die von Oppenheimer Patriziern im 14. Jahrhundert gestiftet wurden. Härtnäckig hält sich die These, dass die Figuren im noch unerforschten Teil der Keller versteckt sind. Mehrere tausend Quadratmeter unter der Stadt warten darauf erforscht zu werden, damit endlich auch geklärt werden kann, warum in Oppenheim immer wieder Autos von der Straße verschwinden.

Deckname "Malachit"

Unter dem Decknamen "Malachit" wurde in Halberstadt im Harz die flächenmäßig größte Bunkeranlage der DDR betrieben. Errichtet wurde sie während des Zweiten Weltkriegs von KZ-Häftlingen. Bis zur Befreiung des Lagers durch US-Soldaten im April 1945 kamen mehr als 4000 Häftlinge ums Leben. Im Kalten Krieg lagerte die NVA 110.000 Tonnen Munition, rund zweihundert Menschen lebten und arbeiteten hier unter strengster Geheimhaltung. 13 Kilometer unterirdische Stollen dienten zur Einlagerung kriegswichtiger Güter.

In der Stollenanlage "Malchit" bei Halberstadt lagerte nach der Wende das gesamte Papiergeld der DDR.

Die Anlage wurde nach der Wiedervereinigung stillgelegt und erlangte Berühmtheit, als dort eingelagerte DDR-Banknoten auftauchten. Diebe waren über einen Lüftungsschacht eingedrungen und entdeckten 376 Tonnen DDR-Geldscheine. Mit Kies und Sand vermischt, sollten sie auf natürlichem Wege verrotten. Von April 2002 an wurden die Geldsäcke wieder aus dem Berg geholt, mühsam vom Kies getrennt und zur Müllverbrennung gebracht. Vermischt mit Hausmüll gingen im Juni 2002 die letzten Scheine in Rauch auf.

Berlins geheimnisvollstes Areal

Als im April 1945 sowjetische Truppen die Hauptstadt Berlin erobern, versteckt sich die Zivilbevölkerung in Kellern und gewaltigen Bunkern der Luftabwehr. Einer dieser Zufluchtsorte war der Flakturm im Humboldthain im Stadtteil Wedding. 25.000 Menschen suchten in den letzten Tagen des Krieges Schutz in diesem Flakturm, unter ihnen auch Leutnant Wolfgang Düntzsch.

Im Innern des Radarturms im Berliner Humboldthain

Am 1. Mai 1945 beobachtet Düntzsch aus einem der Fenster, wie Wehrmachtsoldaten von sowjetischen Truppen gefangen genommen werden. Die Angst packt ihn, doch er kennt einen Ausweg aus der vermeintlichen Falle. Direkt unter dem Flakbunker beginnt ein 300 Meter langer Kabelkanal, der den Flakturm mit einem Radarturm in der Nähe verbindet. Stimmt Düntzschs Geschichte, wie er der Gefangenschaft durch diesen Tunnel entkam? Gab es tatsächlich Fluchtmöglichkeiten unter dem Einschließungsring der sowjetischen Truppen?

Honeckers Bunker

Erich Honeckers Führungsbunker entstand im Zuge der atomaren Aufrüstung während des Kalten Kriegs. 1983 wurde er fertiggestellt und galt als technische Meisterleistung: Der schwere Metallboden hängt wie eine Schaukel mit reichlich Abstand zu den umgebenden Betonmauern und schwankt beim Betreten wie ein Schiffsboden. Die Druckwelle eines Atomschlags hätte selbst einen 85.000 Tonnen schweren Bunker angehoben und dann mit großer Wucht wieder zu Boden fallen lassen. Durch die frei schwingende Aufhängung der Räume im Innern des Baus wäre die ungeheure Beschleunigung gemildert worden.

Honeckers Führungsbunker im Querschnitt (Illustration)

Der Honecker-Bunker funktionierte wie eine Kleinstadt. Neben Wasser, Luft und Stromversorgung waren Klimaanlagen, Sanitärbereiche, ein medizinischer Bereich mit Not-OP, ein Dekontaminationsbereich und eine Großküche vorhanden. Bis zu 400 Personen hätten hier zwei Wochen lang überleben können. Danach allerdings hätten sie einer trostlosen, leeren Welt gegenübergestanden und sich vermutlich gefragt, wie es soweit kommen konnte. Glücklicherweise kam es anders.

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