Griff nach der Weltmacht

Koloniale Träume der Deutschen

Für das deutsche Kaiserreich ging es um den Anspruch auf Weltgeltung. Doch die Filetstücke in Asien, Afrika und Südamerika waren längst verteilt. Übrig blieben Länder ohne nennenswerte Bodenschätze. Der Traum vom Kolonialreich - er blieb unerfüllt.

Griff nach der Weltmacht

Im Nationalsozialismus lebten die Kolonialpläne nochmals auf: Ein deutsches Flugzeug warf Hakenkreuzfahnen über der Antarktis ab, um Hitlers Besitzansprüche auf den sechsten Kontinent anzumelden. ZDF-History zeigt anhand bezeichnender Episoden, welche strategische Rolle die Kolonialfrage vor beiden Weltkriegen spielte.

Aufstand der "Boxer"

Am 14. November 1897 besetzten deutsche Kriegsschiffe die Bucht von Kiautschou an Chinas Ostküste. Kaiser Wilhelm II. gab den Befehl, als Vorwand für den Coup dient die Ermordung zweier deutscher Missionare. Ein nachträglicher Pachtvertrag verlieh den Anschein von Legalität. Für den Deutschen Kaiser ging es vor allem ums Prestige - und um einen Stützpunkt für die deutsche Flotte.

Mitglieder des chinesischen Geheimbunds der Boxer, um 1900

Schnell wuchs jedoch der Widerstand gegen die deutschen Besatzer im Reich der Mitte. Es hieß, die fremden Teufel stören die göttliche Ordnung. Sie seien Schuld an Dürren, Missernten und Hunger. Im Sommer 1900 kam es immer wieder zu blutigen Übergriffen auf Ausländer. Unterstützt wurden die jungen Kämpfer, die die Europäer "Boxer" nannten, von prominenter Seite: Kaiserinwitwe Cixi stellt sich auf die Seite ihres Volkes. Der Aufstand misslang: Ein internationales Einsatzheer schlug kaiserliche Soldaten und Aufständische vernichtend. Ihren Sieg feierten die Europäer mit einer Militärparade in der Kaiserstadt. Ein Gesichtsverlust, der bis heute nicht vergessen ist.

"Panthersprung" nach Agadir

Marokko war im Jahr 1911 eines der wenigen afrikanischen Länder, die als unabhängig galten. Wirtschaft und Handel dominierten jedoch die Franzosen und auch die Deutschen verfolgten in Marokko ihre Interessen. Das Eisenerz der Region versorgte die boomende Stahlindustrie in der Heimat.

Entgegen dem Wunsch Kaiser Wilhelms II., dass sich das Deutsche Reich in Marokko militärisch engagiert, wurde das Auswärtige Amt aktiv und erfindet einen Vorwand für einen möglichen Angriff. Angeblich fühlten sich deutsche Unternehmer vor Ort gefährdet. Im Juni 1911 steuerte das deutsche Kanonenboot "Panther" die marokkanische Hafenstadt Agadir an. Kohle für die Weiterfahrt sollte geladen werden, aber die Presse deutete den Zwischenstopp zum "Panthersprung" und zu einer Machtdemonstration gegenüber Frankreich um. Wilhelm suchte die Aussprache mit den Franzosen, in Verhandlungen erhielt er als Ausgleich einige Gebiete in Neukamerun. Drei Jahre später war der politische Wille, die Dinge diplomatisch zu regeln, aufgebraucht.

Traum vom neuen Lebensraum


1919 griff Adolf Hitler in seinen Reden eine Stimmung in der Weimarer Republik auf, die viele bewegte: Deutschland könne seine 62 Millionen Einwohner allein nicht ernähren. Kolonialträumer fanden in der NSDAP ihre politische Heimat, nachdem bereits tausende deutsche Farmer aus den ehemaligen Kolonien ausgewiesen wurden.

Nach der Machtergreifung erhielt die Idee einer Rückkehr in die Kolonien neuen Aufwind. Kolonialromane und -filme begeisterten die Massen, junge Frauen wurden in Kolonialschulen auf die Arbeit auf einer Farm vorbereitet. Mitte 1930 wurde die Forderung nach eigenen Kolonien zum Bestandteil deutscher Außenpolitik. Für Hitler hatten diese Forderungen allerdings vor allem einen strategischen Wert: Sie sollten ihm ein Faustpfand für Verhandlungen mit England sein, um das von ihm ersehnte Arrangement mit dem Empire, einer Teilung der Welt, zu besiegeln. In den Kriegsjahren scheiterte Rommels so vielversprechend gestartetes Afrika-Korps. Mit dem gescheiterten Russlandfeldzug waren die deutschen Kolonialpläne endgültig besiegelt.

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