Herrenmenschen im Regenwald

Das Geheimnis der NS-Expedition in den Amazonas

1935 quälten sich deutsche Forscher durch den Dschungel Brasiliens. Wollten sie Fauna und Flora dokumentieren? Oder die Eroberung Amerikas vorbereiten? Geblieben ist einzigartiges Filmmaterial, das ZDF-History jetzt erstmals auswertet.

Die Bilanz der exotischen NS-Expedition blieb ernüchternd: Ein Expeditionsteilnehmer starb an Fieber, ein Eingeborenenmädchen wurde von einem der Deutschen schwanger, und im Krieg spielte die Gegend um den Rio Jary keine Rolle mehr.

Großer Kino-Erfolg

Ende 1935 brach der junge Zoologe Otto Schulz-Kampfhenkel zu einer groß angelegten Expedition in den seinerzeit noch gänzlich unerforschten Urwald am Rio Jary im Nordosten Brasiliens auf. Schulz-Kampfhenkel und seine beiden deutschen Begleiter verbrachten 17 Monate in dem entlegenen Dschungelgebiet unter Ureinwohnern, legten eine umfangreiche zoologische und ethnographische Sammlung an und drehten den Film "Rätsel der Urwaldhölle".


Der Film wurde in Deutschland ein großer Kinoerfolg. Er beschreibt die Reise als großes Abenteuer im Dienste der Wissenschaft und begründete Schulz-Kampfhenkels Ruf als Doyen der deutschen Auslandsforschung.

Die wahren Motive

Regenwald - Brasilien,
Regenwald - Brasilien, Amazonas Quelle: reuters

Die Dokumentation "Ein Herrenmensch im Regenwald" erzählt die Geschichte hinter den Kulissen und enthüllt die wahren Motive der Forschungsreisenden. Denn Schulz-Kampfhenkel war ein überzeugter Nazi, dem es unter dem Deckmantel der Wissenschaft vor allem um die Präsentation des "Neuen Deutschlands" in der Welt und um die eigene Karriere in Staat und Partei ging.


Im Überlegenheitsgefühl eines "Herrenmenschen" hatte er das Abenteuer technisch und inhaltlich mangelhaft vorbereitet und bezahlte dies mehrfach fast mit seinem Leben. Die Expedition geriet zum Horrortrip; ihr wissenschaftlicher Wert bleibt fraglich.

Einzigartiges Filmmaterial

Die Bilanz des Unternehmens ist zwiespältig: Die Reise in die "Urwaldhölle" entpuppt sich bei kritischer Betrachtung zwar als Himmelfahrtskommando, doch die Ergebnisse und ihre geschickte Vermarktung bringen Schulz-Kampfhenkel gleichwohl eine bemerkenswerte Karriere im Nazi-Reich ein.

Und noch eines ist dem Expeditionsleiter nicht zu nehmen: Sein Film ist ein einzigartiges Zeugnis über das Leben der Ureinwohner in dieser Region in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

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