Fotografien gegen das Vergessen

Lili Jacob und das Auschwitz-Album

Doku | ZDF-History - Fotografien gegen das Vergessen

Als Hitler an die Macht kommt, beginnen die Repressalien und Diffamierungen gegen Juden. Massentötungen in Vernichtungs- und Konzentrationslagern folgen. Über sechs Millionen Juden sterben.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.01.2018, 09:27

Ein Fund von historischer Tragweite: Die ungarische Jüdin Lili Jacob findet 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges ein Fotoalbum mit seltenen Bildern aus Auschwitz. Auf den Fotos entdeckt sie ihre Brüder, ihre Großeltern - und auch sich selbst.

„Umsiedlung der Juden aus Ungarn“ – so lautet der Titel eines Fotoalbums, das die Jüdin Lili Jacob im Lager Mittelbau-Dora nahe des Konzentrationslagers Buchenwald findet. Im Mai 1944 war Lili Jacob nach Auschwitz deportiert worden.

Weil die Rote Armee jedoch immer näher rückte, wurde sie mit anderen Häftlingen im Dezember Richtung Westen getrieben. Bis ins Lager Mittelbau-Dora. Dort findet sie im März 1945 die Fotografien in einem Nachtkästchen, offensichtlich wurde das Album von SS-Männern in einer Baracke vergessen.

Ankunft der ungarischen Juden

Lili Jacob beim Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963
Lili Jacob beim Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963

Als sie das Album aufschlägt, erkennt sie Fotos aus Auschwitz: auf dem ersten Bild den Rabbiner aus ihrer Heimatstadt, auch ihre Großeltern und Brüder. Auf einem Foto findet Lili sogar sich selbst – mit kahl rasiertem Schädel beim Appell.

Die Fotografien zeigen einen Transport ungarischer Juden aus Transkarpatien im Mai 1944 – unter ihnen auch Lili Jacob und ihre Familie. Festgehalten wird der Moment, als sie aus dem Güterwaggon an der Rampe in Auschwitz-Birkenau aussteigen. Sie zeigen den Tumult bei der Ankunft an den Gleisen, begleiten die Selektion: Wer darf leben, wer muss sterben? SS-Ärzte und Lagerfunktionäre begutachten die Neuankömmlinge wie eine Ware.

Die Selektion ist genau dokumentiert: Männer und ältere Jungen in die eine Reihe, Frauen und kleine Kinder in die andere. Blicke in die Kamera, mal ängstlich, mal schüchtern, und manchmal auch ein Lächeln für den Fotografen. Der Massenmord selbst wird auf den Fotos nicht gezeigt, wohl aber das Warten der Juden vor der Gaskammer.

Beweis beim Frankfurter Auschwitz-Prozess

Aufgenommen haben die Fotos Bernhard Walter und Ernst Hoffmann. Das berichtet Walter später im Frankfurter Auschwitz-Prozess. Hier wurde das Auschwitz-Album von Lili Jacob auch als Beweis vorgelegt. Walter war Leiter des „Erkennungsdienstes“ in Auschwitz, Hoffmann Fotograf.

Die Fotos sind der einzige Beweis für die Ankunft dieser ungarischen Juden in Auschwitz. Die meisten Namen tauchen in den Listen gar nicht erst auf - in den Lagerdokumenten werden die als “arbeitsuntauglich“ aussortierten Frauen, Kindern und alten Menschen nicht erwähnt, sie sterben noch am Tag ihrer Ankunft in den Gaskammern.

Die Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 erlebt Lili Jacob nicht. Sie ist zu der Zeit immer noch Häftling in Mittelbau-Dora, wird erst später von den Amerikanern befreit. Das Fotoalbum behält sie als Erinnerung.

Erst 1980 übergibt sie es an die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Hier wird es im Konservierungslabor auf Echtheit geprüft, restauriert und digitalisiert. Die Originalaufnahmen sind im Museum Yad Vashem ausgestellt - als ewige Mahnung an den Holocaust.

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