Mordfabrik

"Mechanisch, systematisch, gründlich..."

Auschwitz - ein Ortsname steht heute für millionenfaches Sterben, für den "fabrikmäßigen" Mord an Europas Juden. Doch nicht nur in Auschwitz lief die Tötungsmaschinerie - auch in Sobibor, Belzec, Majdanek und Treblinka wurden Menschen vergast und verbrannt.

Einige Kinder, die Auschwitz II-Birkenau überlebt habe, zeigen ihre tätowierten Identifikationsnummern. Quelle: reuters

Systematische Vernichtung des Gegners

Konzentrationslager - für die braunen Machthaber dienten sie von Anfang an einem simplen Zweck. Hier wurden seit Anfang 1933 alle Andersdenkenden und Gegner des Regimes konzentriert: Kommunisten und Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, oppositionelle Priester und Pastoren, politisch unliebsame Juden, Sinti, Roma oder Homosexuelle. Der erste Ort des Schreckens war das KZ Dachau. Nach seinem Vorbild wurden alle anderen Lager aufgebaut.

Orte des Schreckens

Das KZ Auschwitz war ursprünglich ein Lager für polnische Häftlinge; nach dem Überfall auf die Sowjetunion überwiegend für sowjetische Kriegsgefangene. Tod durch Arbeit, durch Kälte oder durch Erschießen - all diese Mordmethoden wurden den Vollstreckern zu mühsam. Deshalb kam es am 5. und 6. September 1941 zu einem makabren Test.


Zum ersten Mal wandte die SS an jenem Tag das Blausäurepräparat "Zyklon B" an Menschen an; "erfolgreich", wie Lagerkommandant Höß zufrieden feststellte und später bemerkte: "Ich muss offen sagen: Auf mich wirkte die Vergasung beruhigend, da ja in absehbarer Zeit mit der Vernichtung der Juden begonnen werden musste. Mir graute immer vor den Erschießungen. Nun war ich doch beruhigt, dass uns allen diese Blutbäder erspart bleiben sollten."

Tod nach 15 bis 20 Minuten

Mit tödlicher Präzision wurde der Beschluss zur "Endlösung der Judenfrage" ab Ende März 1942 in Auschwitz umgesetzt. Im Juli kam der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, zur Inspektion. Auf dem "Besuchsprogramm" standen Selektion und Vernichtung eines holländischen Judentransports.


Bis zuletzt versuchten die Mörder, ihre Opfer in Sicherheit zu wiegen: "Duschraum" und "Zur Desinfektion" stand auf Schildern vor dem Gebäude mit den Gaskammern. "Macht schnell", trieben die SS-Männer die Ahnungslosen an, "Essen und Kaffee werden kalt". "Die Menschen sind rein, sie haben noch gelacht, und wir mussten verschweigen, was mit ihnen passieren wird", erinnert sich Jehoshua Rosenblum, ein Überlebender des Sonderkommandos. Als der letzte in der Gaskammer war, wurde die Tür verschlossen, zwei SS-Männer warfen durch eine Öffnung das Zyklon B ein - fünf Kilogramm, um fünfzehnhundert Menschen zu töten. Nach nur 15 bis 20 Minuten war die Mordaktion vorbei.

"Aber wer kann so etwas glauben?"

Himmler war mit dem Vernichtungswerk hoch zufrieden. Er befahl, die Effektivität des zentralen Menschenschlachthofs Auschwitz ständig zu verbessern. Ab Mitte 1943 konnten täglich zwischen 5.000 und 8.000 Menschen in den 52 Brennstellen der 15 installierten Verbrennungsöfen verbrannt werden. Dicker schwarzer Qualm wurde zum "Wahrzeichen" der Mordfabrik - das letzte, was von Auschwitz' über einer Million Opfer blieb.

Die Menschen in der Umgebung wussten, was es damit auf sich hatte: "Die verbrennen Menschen", erfuhr ein Ingenieur vor Ort und erzählte es bei seinem nächsten Heimaturlaub seiner Schwester. Der Massenmord - als verstohlenes Gerücht kursierte er bereits im "Altreich". Anita Lasker-Walfisch, eine Jüdin, die damals in Breslau lebte, erfuhr schon 1942 von den Gaskammern: "Aber wer kann so etwas glauben? Ich habe es absolut nicht geglaubt." 1943 schließlich bestätigt ihr ein nach Theresienstadt zurückverlegter Häftling aus Auschwitz diese furchtbare Wahrheit: "Da erst habe ich verstanden", so Lasker-Walfisch. "Jung wie ich war, habe ich mich darauf vorbereitet, dass man mich ermorden wird. Ich habe mich darauf vorbereitet: 'So wird es enden.' "

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