Mythos Lili Marleen

Der oft missverstandene Soldatenschlager

Es war das populärste Lied des Zweiten Weltkriegs. Ein Soldatenschlager, der alle Fronten übersprang und in Dutzenden Sprachen gesungen wurde - "Lili Marleen". Deutsche und Briten waren genauso fasziniert wie Amerikaner und Franzosen, Italiener und Russen. Doch was machte gerade dieses Lied zum Ohrwurm? Was steckt hinter dem Mythos "Lili Marleen"?

Lili Marleen Noten blau Quelle: Kulturamt Stadt Bremerhaven

Als das Lied 1941 zum Markenzeichen des deutschen Soldatensenders Belgrad wurde, hatte es bereits eine bewegte Geschichte hinter sich.

Zunächst ein "Flop"

Zunächst war "Lili Marleen" ein Flop. Nur ein paar Hundert Schallplatten gingen über den Ladentisch. Erst als der Zeitgeist und glückliche Zufälle sich miteinander verbanden, wurde es zum Phänomen - zu einem Kriegsschlager, der um die Welt ging. Im Original wurde der Schlager von der deutschen Sängerin und Schauspielerin Lale Andersen gesungen, die mit bürgerlichem Namen Liselotte Brunnenberg hieß. Sie nahm das Lied 1939 auf Schallplatte auf, der Komponist Norbert Schultze schrieb dazu die melancholische und sehnsuchtsvolle Melodie.

Lily Freud

Der Text stammte von dem deutschen Schriftsteller Hans Leip, der im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte. Auf dem Weg zur Ostfront im Jahr 1915 schrieb er das Gedicht "Lili Marleen", welches in der vertonten Fassung zu Weltruhm gelangen sollte. Geschrieben hatte Leip es angeblich für seine Jugendliebe Lilly Freud, die Nichte des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud.

Soldatensender Belgrad

Das Lied in der Fassung von Andersen hatte jedoch zunächst keinen Erfolg. Erst im Sommer 1941 kam es zu seinem Durchbruch. Nach der erfolgreichen Offensive deutscher Soldaten im Osten wurde in Belgrad ein Soldatensender ins Leben gerufen. Schallplatten für das Programm wurden aus Wien beschafft, darunter auch die Aufnahme von "Lili Marleen".

Am Abend des 18. August legte ein Techniker des Senders mehr aus Versehen denn beabsichtigt den Titel nach den Nachrichten auf. Die Soldaten waren begeistert und wollten das Lied wieder hören. Daraufhin wurde "Lili Marleen" jeden Tag zum Abschluss des Programms von Radio Belgrad gespielt. Allabendlich hörten nun etwa sechs Millionen Soldaten auf beiden Seiten der Fronten "Lili Marleen". Das Lied wurde zum Kult und wurde durch seinen hohen Bekanntheitsgrad zur "Brücke zwischen Front und Heimat".

Verbot durch NS-Propaganda

Den Nationalsozialisten und allen voran Joseph Goebbels war "Lili Marleen" jedoch ein Dorn im Auge. Der morbide und sentimentale Text, einem jungen Wachtsposten in den Mund gelegt, entsprach so gar nicht seiner Vorstellung des heroischen deutschen Landsers. Goebbels warnte vor der Gefahr seiner "wehrkraftzersetzenden Wirkung" und nannte es das "Lied mit dem Leichengeruch".

Filmmusik für die Nazis und "Lili Marleen"

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