Wahre Helden

Zivilcourage auf dem Prüfstand

Warum zeigen die einen Mut, wenn es darauf ankommt, und andere nicht? Was macht manche zu selbstlosen Helden, während andere zuerst um ihr eigenes Wohlergehen besorgt sind?

Der Fall des Dominik Brunner, der seinen Mut auf einem Münchner S-Bahnhof mit dem Leben bezahlte, hat dem Thema Zivilcourage schmerzliche Aktualität verliehen. ZDF-History zeigt anhand historischer Fälle, wie unterschiedlich die Bedingungen und Voraussetzungen sein können, wenn Menschen sich für andere einsetzen.

Was ist ein Held?

Seit jeher werden Helden und ihre Taten verehrt. Als Helden-Urtyp und Musterbeispiel gilt Achill aus dem "Ilias"-Epos: Der als unbesiegbar geltende Kämpfer ist bereit für seine Ehre und für die gerechte Sache notfalls sein Leben zu opfern. Er ist mutig, aber nicht tollkühn. Im Unterschied zum Abenteurer sucht ein Held nicht das Risiko.
Für das eigene Überleben zu kämpfen oder in einer gefährlichen Situation höchst professionell zu handeln, gelten im klassischen Sinne nicht als heroisch. Pilot Chesley Sullenberger, der im Januar 2009 einen Airbus auf dem Hudson River notwasserte, weist die Heldenverehrung von sich. Ist er zu Recht so bescheiden oder hat er mehr als nur seinen Job getan?

Held aus Juda

Nach klassischem Vorbild gehört zum Heldentum die Bereitschaft, Gewalt anzuwenden. Ein friedfertiger Held scheint unvorstellbar. Doch Jesus ist für Christen ein Held. Anstelle der Heldentat tritt bei ihm das heroische Dulden. Diesem Beispiel eiferten viele Christen nach und erlitten in der Tradition Jesu den Märtyrertod.
Später konnte sich darüber hinaus ein kämpferischer Heldentyp im Christentum entwickeln. Die Kreuzritter waren Glaubenshelden, die im Kampf gegen Ungläubige zu Märtyrern wurden, und damit das göttliche Gericht umgingen und direkt ins Paradies einziehen durften. Die päpstliche Absegnung dafür gab es von Papst Urban II. in seinem Aufruf zum ersten Kreuzzug.

Helden heute

Trauer um Dominik Brunner Quelle: dpa

Heldentum besitzt seit seiner Überhöhung durch die NS-Propaganda in Deutschland einen schlechten Ruf. Die Medien rühmen die Alltagshelden und sprechen lieber von Zivilcourage. Ohne Rücksicht auf persönliches Glück oder persönlichem Nutzen, setzten sich Mahatma Gandhi, Nelson Mandela oder der Münchner Dominik Brunner für eine Sache oder einen Menschen ein.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg werden Helden weiterhin verehrt, denn so ganz wollen die Menschen auch in modernen Zeiten nicht auf sie verzichten. Film- und Westernhelden, Sport- und Popikonen, sie alle galten und gelten als Helden - und wandelten sich zu Stars. Ein Star vollbringt vielleicht keine Heldentat, hat aber ein ähnliches Image: Er ist eine Ausnahmeerscheinung und hebt sich aus der Masse hervor.

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