"Weiß bleiben in einem schwarzen Land"

Warum deutsche Waisenkinder nach Südafrika geholt wurden

Es war ein langer Weg zur Freiheit Südafrikas. Nelson Mandela hat 27 Jahre hinter Gittern für diesen Traum verbracht. Zur selben Zeit holten die regierenden Buren deutsche Kinder zur "Blutauffrischung" ins Land.

Daniel Malan, Premier der Südafrikanischen Union, mit seiner Familie und Adoptivtochter Marietjie Quelle: getty images


Drei Jahre nach Kriegsende waren die deutschen Heime für Kinder überfüllt. Flucht und Vertreibung hatten viele Familien auseinandergerissen. Eine südafrikanische Organisation bot an, Kinder zur Adoption zu vermitteln. Doch nur unter strengen Auswahlkriterien: "Rein deutsch, Vollwaise und protestantisch" sollten die Schützlinge sein. Selektion wie im Dritten Reich.

Wurzeln verwischen

Mit den Nationalsozialisten hatten die Buren, deren Nationale Partei 1948 die Regierung in Südafrika übernahm, immer sympathisiert. Die südafrikanischen Nationalisten perfektionierten die Rassentrennung am Kap. Mehrere Gesetze schränkten die Freiheiten der Schwarzen im öffentlichen und privaten Leben empfindlich ein. Ihre Diskriminierung wurde zur offiziellen Regierungspolitik.

Peter Michel mit seinen leiblichen Eltern. Er kam 1948 nach Südafrika. Quelle: ZDF

Teil der neuen Staatsräson war es, ein neues, ein weißes Südafrika zu schaffen. Ein Kind aus Hitlers Herrenvolk zu adoptieren, war für die burischen Nationalisten ein Statussymbol. Auch die deutschen Waisenkinder, die ins ferne Afrika gebracht wurden, freuten sich darüber, ein neues Heim gefunden zu haben. Doch auch sie wurden Opfer der rassistischen Politik Südafrikas. Die Mehrzahl der Kinder waren keine Vollwaisen. Bis 1967 verhängte die burische Regierung eine Auskunftssperre, über ihre Eltern sollten die deutschen Waisen nichts erfahren - um den Erfolg des Projektes nicht zu gefährden.

Kinder der Apartheid

Ihre Adoptivfamilien erzogen die Waisenkinder aus Deutschland zu Buren, für die die Rassentrennung zur Selbstverständlichkeit wurde. Nelson Mandelas Versöhnungspolitik nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Februar 1990 überzeugte aber auch sie vom nötigen Wandel im Land.


Anstatt sich für die jahrzehntelange Unterdrückung und 27-jährige Haftstrafe zu rächen, setzte Mandela auf Verständigung statt auf Gewalt. Ihm gelang es, den politischen Druck auf die Buren-Regierung zu erhöhen und den Traum von einem freien, demokratischen Südafrika ohne Rassentrennung der Wirklichkeit einen großen Schritt näher zu bringen. Nach den ersten demokratischen Wahlen 1994 wurde der frühere Anti-Apartheids-Kämpfer zu Südafrikas erstem schwarzen Staatspräsident und setzte seinen Versöhnungskurs fort. 10.000 deutsche Kinder wollten die südafrikanischen Nationalisten ins Land holen, tatsächlich kamen nur 87. Das Projekt scheiterte, auch an den strengen Auslesekritierien der Buren.

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