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Armes reiches Deutschland

Wenn ein Job nicht reicht

von Enrico Demurray und Saara von Alten

Morgens um halb vier trägt Andrea M. Zeitungen aus, bei Wind und Wetter. Bis sechs ist sie unterwegs. Länger darf sie nicht brauchen, um acht beginnt ihr Hauptjob - in einer Arztpraxis.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.10.2020

Morgens um halb vier trägt Andrea M. Zeitungen aus, bei Wind und Wetter. Bis sechs ist sie unterwegs. Länger darf sie nicht brauchen, um acht beginnt ihr Hauptjob - in einer Arztpraxis.

Der Zustelldienst bringt Andrea ca. 350 Euro im Monat. Geld, das sie dringend braucht, um in München über die Runden zu kommen. Denn für immer mehr Menschen reicht ein Gehalt zum Leben nicht aus. Etwa fünf Prozent aller Erwerbstätigen haben einen angemeldeten Zweitjob.

Das sind rund drei Millionen Multijobber. Viele von ihnen arbeiten im Hauptberuf vor allem in schlechter bezahlten Tätigkeiten von Handel und Service.

Auch Janine Z. aus Duisburg sucht händeringend einen zweiten Job. Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Vater ihres dreijährigen Sohnes Alesandro zu Ende; mit ihrem Sohn lebt sie in Duisburg. Janine arbeitet in Teilzeit als Einzelhandelskauffrau bei Aldi-Süd in Oberhausen. Eine Vollzeitstelle bekommt sie derzeit nicht. Und von der halben Stelle kann sie nicht leben. Sie würde fast alles machen: putzen, als Kurier fahren - egal. Doch die Arbeitssuche gestaltet sich als schwierig, da sie im Schichtdienst arbeitet. Deshalb ist sie nur begrenzt flexibel, was die Arbeitszeiten betrifft. Der Vater des Sohnes unterstützt sie, wo er kann, doch auch er arbeitet im Schichtdienst. Wenn Janine Spätschicht hat, dann holen entweder der Vater oder Oma und Opa den Kleinen ab. Ein zusätzliches Einkommen ist bitter nötig, aber ihren Jungen wird sie dann noch weniger sehen können.

Andrea M. lebt bescheiden, für ihre Wohnung muss sie nur 540 Euro Miete zahlen, dank eines alten Mietvertrages. Aber mit dem Verdienst ihrer Halbtagsstelle in der Arztpraxis reicht es selbst für ein bescheidenes Leben in München nicht. Vor kurzem hat sie eine Aushilfsstelle in einem Obstladen gefunden. Mit diesem Verdienst kann sie es sich leisten, im Winter keine Zeitungen zuzustellen. Andrea kommt klar, sie hat keine großen Ansprüche.

Der Film ist Teil einer vierteiligen Reihe, die sich der sozialen Ungleichheit und der Frage nach sozialer Gerechtigkeit in Deutschland widmet. In den Wochen davor beschäftigte sich die "ZDF.reportage" mit dem Armutsrisiko für Kinder, Altersarmut und den zunehmenden Schwierigkeiten der Mittelschicht.

Der Zustelldienst bringt Andrea rund 350 Euro im Monat. Geld, das sie braucht, um in München über die Runden zu kommen. Denn für immer mehr Menschen reicht ein Gehalt zum Leben nicht aus. Etwa fünf Prozent aller Erwerbstätigen haben einen angemeldeten Zweitjob.

Das sind rund drei Millionen Multijobber. Viele von ihnen arbeiten im Hauptberuf vor allem in schlechter bezahlten Tätigkeiten von Handel und Service.

Auch Janine Z. aus Duisburg sucht händeringend einen zweiten Job. Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Vater ihres dreijährigen Sohnes Alesandro zu Ende; mit ihrem Sohn lebt sie in Duisburg. Janine arbeitet in Teilzeit als Einzelhandelskauffrau bei Aldi-Süd in Oberhausen. Eine Vollzeitstelle bekommt sie derzeit nicht. Und von der halben Stelle kann sie nicht leben. Sie würde fast alles machen: putzen, als Kurier fahren - egal. Doch die Arbeitssuche gestaltet sich als schwierig, da sie im Schichtdienst arbeitet. Deshalb ist sie nur begrenzt flexibel, was die Arbeitszeiten betrifft. Der Vater des Sohnes unterstützt sie, wo er kann, doch auch er arbeitet im Schichtdienst. Wenn Janine Spätschicht hat, dann holen entweder der Vater oder Oma und Opa den Kleinen ab. Ein zusätzliches Einkommen ist bitter nötig, aber ihren Jungen wird sie dann noch weniger sehen können.

Andrea M. lebt bescheiden, für ihre Wohnung muss sie nur 540 Euro Miete zahlen, dank eines alten Mietvertrages. Aber mit dem Verdienst ihrer Halbtagsstelle in der Arztpraxis reicht es selbst für ein bescheidenes Leben in München nicht. Vor Kurzem hat sie eine Aushilfsstelle in einem Obstladen gefunden. Mit diesem Verdienst kann sie es sich leisten, im Winter keine Zeitungen zuzustellen. Andrea kommt klar, sie hat keine großen Ansprüche.

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