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Dauerbaustelle Handwerk

Fachleute dringend gesucht

von David Gern

Ob Elektriker, Maler oder Dachdecker: Wer einen Handwerker braucht, muss sich in Geduld üben. Kunden werden wochen-, ja monatelang vertröstet. Denn die Betriebe finden einfach keine Leute.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.09.2020

Neun Monate dauern die Dach-Arbeiten an der Berliner Villa schon an: Die Besitzer sind genervt von Lärm und Dreck der Dauerbaustelle. Normalerweise arbeiten vier Fachleute an so einem Großauftrag, doch Dachdecker-Meisterin Caroline P. hat nur noch einen Mitarbeiter.

Dabei sind die Auftragsbücher von Caroline P. voll. Was die Dachdecker-Meisterin erlebt, macht Handwerksbetrieben deutschlandweit zu schaffen. Nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit gab es Ende 2017 im Handwerk 150 000 gemeldete offene Stellen. Experten gehen sogar von bis zu 250 000 fehlenden Fachkräften im Handwerk aus. Darunter leiden alle: die Betriebe, die überlastet sind, aber gleichzeitig nicht mehr wachsen können, und die Kunden, die häufig bis zu elf Wochen warten müssen, bis es auf ihren Baustellen weitergeht.

Dem Betrieb von Karosseriebauer Sitgi Özdemir in Oberursel geht es gut: Die Stadt liegt im Schatten Frankfurts, seine Kunden sind wohlhabend, bringen eben mal einen Oldtimer vorbei. An Autos schrauben war mal ein "Jungstraum", erzählt Özdemir. "Früher kamen auf eine Ausbildungsstelle 40 Bewerbungen, heute kann ich froh sein, wenn es drei sind. Handy statt Handwerk", fasst er die neuen Träume Jugendlicher zusammen, und er weiß, dass er dabei wie ein alter Mann klingt.

Mit 16 Jahren kam er Ende der 70er aus der Türkei nach Deutschland. 22 Jahre später, mit Facharbeiter-Abschluss und zwei deutschen Meistertiteln, gründete der Fahrzeugbauer seinen eigenen Handwerksbetrieb. Mit zwei Gesellen "schrubbt" er derzeit seine Aufträge ab - ein stressiges Zu-viel-arbeiten-Szenario. Deshalb ist Sitgi Özdemir auch glücklich über seinen afghanischen Azubi. Und doch löst dieser die Probleme des Unternehmens nicht. Denn Özdemir macht sich Sorgen um seine Nachfolge.

Etwa ein Fünftel aller deutschen Handwerksbetriebe, circa 200 000 Unternehmen, steht in den nächsten Jahren vor der Übergabe. Für viele dieser Betriebe gibt es niemanden, der das Unternehmen fortführen kann. Früher übernahmen im Handwerk meist die Kinder den Betrieb der Eltern.

So war die Tradition, und so war es auch bei Schmied Raymund K. aus Teltow. Sein Sohn sollte alles übernehmen. Doch dann machte ein schrecklicher Unfall alle Pläne zunichte. Heute ist der 76-jährige Raymund K. meist allein in seiner Werkstatt und erledigt die Arbeiten, die er sich noch zutraut. Einen Nachfolger konnte er bisher nicht finden. Er kann kaum begreifen, dass mit ihm wohl auch das Schmiedehandwerk in der Region sterben wird.

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