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Deutschland, das kannst Du besser: Zukunftschancen

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Marode Schulen und ramponierte Universitäten, Fachkräftemangel in vielen Branchen und eine digitale Infrastruktur, die Bürger und Unternehmer verzweifeln lässt. Deutschland 2021.

30 min
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30.05.2021
30.05.2021
UT
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.05.2022

Bildungsweltmeister und Forschungschampion – das war einmal. Längst sind andere Länder weiter, ob bei der Internetgeschwindigkeit oder darin, neue Produkte und Ideen für die Zukunft zu entwickeln und sie erfolgreich zu vermarkten.

Und nicht nur Hightech-Unternehmen klagen. Installateur- und Heizungsbauermeister Christian Klemm in Düsseldorf macht sich Sorgen. "Uns fehlen Leute, ausbildungsfähige Schüler. Die Schulen entwickeln sich in die falsche Richtung, gleichzeitig werden die Berufe immer anspruchsvoller." Statt nur Muskeln, um die Badewanne in den dritten Stock zu tragen, brauchen die Azubis heute viel mehr technisches Verständnis, zum Beispiel um ein vernetztes Haus zu programmieren.

Klempner, Sanitärinstallateure sowie Heizungs- und Klimatechniker sind schon jetzt die begehrtesten Arbeitskräfte in Deutschland. In keiner anderen Branche dauert es so lange, freie Stellen zu besetzen. Aber auch viele andere Branchen sind betroffen. 56 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen den Fachkräftemangel als das größte Geschäftsrisiko.

Zukunftsfähig sein, das ist auch für die Firmen im südhessischen Rimbach an der Bergstraße seit Jahren ein Thema. Hier hat unter anderem das Schwertransportunternehmen von Volker Bäuml seinen Sitz. Der ländliche Standort wird mehr und mehr zum Nachteil für den Unternehmer, denn Internet gibt es hier bislang nur im Schneckentempo. "Oft müssen wir Dateien über Nacht verschicken oder mit nach Hause nehmen, wenn wir dort eine bessere Verbindung haben! Die Politik hat jahrelang verschlafen und verkannt, wie wichtig das Thema ist!" Unternehmer Bäuml ist darauf angewiesen, große Datenmengen fristgerecht zu verschicken. "Wenn das nicht klappt, verliere ich im schlimmsten Fall Aufträge."

Auch in Sachen Bildung spielt Deutschland längst nicht mehr überall oben mit. Die "ZDF.reportage" besucht Schulen und lernt die Sorgen von Eltern, Schülern und Lehrern kennen. Die größten Probleme neben der Digitalisierung: Lehrermangel, marode Gebäude und schlechte Ausstattung.

Diese Sorgen kennt auch Volker Epping. Der Präsident der Leibniz Universität in Hannover beklagt den massiven Sanierungsstau in Niedersachsen. Er zeigt bröckelnde Fassaden, eine abgenutzte Mensa und Labore, die so baufällig sind, dass sie aus Sicherheitsgründen geschlossen werden mussten. "Das größte Problem ist, dass wir unseren Wissenschaftlern und den Studierenden nicht die notwendigen Einrichtungen zur Verfügung stellen können", so Epping. Allein der Leibniz Universität fehlen laut Epping rund 420 Millionen Euro, um alle Gebäude zu sanieren.

Lange galt Deutschland als ein weltweit angesehener Innovationsstandort, immer öfter hört man aber inzwischen kritische Stimmen: In der Werft Hermann Barthel in Derben entsteht derzeit unter der Leitung von Gerd Holbach, Professor am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin, ein weltweit einzigartiger Prototyp: ein Wasserstoff-Schubboot. Zukunftstechnologie pur: "Wir sind weltweit die Ersten, die ein solches Schiff bauen." Technisch eine riesige Herausforderung für Schiffsbauer und Ingenieure.

Mindestens genauso steinig aber ist der Weg bis zum Projektstart. Anderthalb Jahre lang versuchen Prof. Gerd Holbach und sein Team, eine Zulassung zu bekommen. "Versuchen sie mal, in Deutschland etwas zuzulassen, was es nicht gibt. Das ist quasi unmöglich! Alle fanden die Idee super, aber zulassen wollte das Schiff niemand. Typisch deutsches, regulatives Denken, was uns immer wieder behindert."

Die Folge der deutschen Fortschrittsfeindlichkeit: Top-Leute aus den Naturwissenschaften, der Medizin oder aus Ingenieurberufen kehren dem Land den Rücken und suchen ihr Glück im Ausland, wo bessere Arbeitsbedingungen herrschen oder die Löhne höher sind. Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben im Durchschnitt pro Jahr rund 180 000 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ihre Heimat verlassen. Laufen Deutschland die schlauen Köpfe davon? Klar ist: Dreiviertel der Auswanderer sind Akademiker. Beliebtestes Land bei den Auswanderern ist die Schweiz. Für Experten wie Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, ist das ein großes Problem: Für eine Volkswirtschaft wie die deutsche, die stark auf gut ausgebildete Menschen angewiesen ist, sei das keine gute Nachricht.

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