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Deutschland, Deine Ämter

Die Betreuer vom Sozialamt

von Bernd Reufels

Der Gang zum Sozialamt ist für viele ein Albtraum. Staatliche Hilfe zu brauchen, wird oft als persönliches Versagen empfunden. Die "ZDF.reportage" porträtiert ein Amt im Osten Deutschlands.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.09.2020

Die Mitarbeiter des Sozialamts Neubrandenburg haben einen schwierigen Job: Sie müssen entscheiden, wem Hilfe zusteht und wem nicht. Die Region hat die höchste Arbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern.

Die "ZDF.reportage" forscht nach: Mit welchen Schicksalen werden die Mitarbeiter konfrontiert? Wer hat wirklich Anspruch auf Unterstützung? Und wer versucht, die staatlichen Hilfen zu erschleichen?

Das Bild vom Sozialamt ist bei vielen Menschen noch geprägt aus der Zeit vor den Hartz-Reformen. Doch 2005 wurde die deutsche Sozialhilfe grundlegend neu strukturiert. Wer im Prinzip arbeiten kann, wird vom Jobcenter betreut - nach der Devise "fordern und fördern". Wer jedoch dauerhaft nicht arbeiten kann und kein Vermögen oder keine Einkünfte hat, der wird vom Sozialamt mit einer Grundsicherung unterstützt, die sich am Hartz-IV-Satz orientiert.

Im Zentrum der "ZDF.reportage" steht das Sozialamt "Mecklenburgische Seenplatte" mit Sitz in Neubrandenburg. Die Mitarbeiter betreuen den größten Landkreis Deutschlands. Mit über 5000 Quadratkilometern ist das Einzugsgebiet größer als das Saarland. Zudem hat diese Region mit 9,6 Prozent die höchste Arbeitslosenquote im ohnehin schon gebeutelten Mecklenburg-Vorpommern.

Die "ZDF.reportage" begleitet engagierte Mitarbeiter des Sozialamts bei ihrer Arbeit: Anja S. ist zuständig für die Eingliederungshilfe, und die 36-Jährige betreut ein breites Spektrum von Hilfsbedürftigen: vom behinderten Kleinkind bis zum pflegebedürftigen Senior. Manche ihrer Fälle machen selbst die erfahrene Sachbearbeiterin betroffen: wie der Fall der 79-jährigen Ingrid L. Sie hat 30 Jahre in der DDR bei der Post gearbeitet, anschließend auf einem Bauernhof. Ihre Rente liegt knapp über der Grundsicherung - zu wenig, um die Kosten für die Pflege zu zahlen, die sie zunehmend braucht. Anja S. versucht zu helfen.

Viele Menschen wenden sich in ihrer Not an das Sozialamt - doch die Aufgabe der Mitarbeiter ist es auch, sorgsam mit Steuergeldern umzugehen. Sie müssen die Anträge sehr genau prüfen. Ralf D. arbeitet seit 26 Jahren im Amt - in der Außenstelle Neustrelitz. Er ist es gewohnt, auf Wut und Unverständnis zu stoßen, wenn Geld verweigert wird. Dann muss er sich anhören, dass das Sozialamt nur für "die Ausländer" da sei. Dabei hat er klare Richtlinien. Eine Antragstellerin: Brigitte N. Die 67-Jährige erhält Wohngeld, hat aber trotzdem nicht viel zum Leben. Nach der Wende wurde sie arbeitslos. Sie kellnerte, machte Umschulungen und arbeitete lang in Ein-Euro-Jobs. Ralf D. versteht ihre schwierige Lage - trotzdem. Das Gesetz sieht vor: Wohngeld oder Grundsicherung - beides geht nicht. Frau N. muss sich entscheiden.

Sachbearbeiter in Deutschlands Sozialämtern haben keinen guten Ruf. Zu Unrecht - wie die "ZDF.reportage" zeigt. Engagierte Mitarbeiter sind täglich im Einsatz, um zu helfen. Der 37-jährige Maik G. macht jährlich über 130 Hausbesuche. Er kümmert sich vor allem um die physisch und psychisch eingeschränkten Menschen im Landkreis. Und dann ist da noch Bärbel J. Sie arbeitet seit 35 Jahren im Amt und betreut Menschen, deren Einkünfte im Alter oder bei Erwerbsminderung nicht fürs Leben reichen. In dieser Region keine Seltenheit - haben doch fast alle Rentner eine gebrochene Erwerbsbiografie hinter sich: Mit der Wende kam für viele die Arbeitslosigkeit, und nicht alle fanden danach ein gutes Auskommen.

Die "ZDF.reportage: Die Betreuer vom Sozialamt" wird innerhalb der Reihe "Deutschland, Deine Ämter" ausgestrahlt und erlaubt seltene Einblicke in den oft konfliktreichen Alltag bei verschiedenen staatlichen Behörden.

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