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Die Jahrmarkt-Profis

Zwischen Zuckerwatte und Riesenrad

"ZDF.reportage: Die Jahrmarkt-Profis - Zwischen Zuckerwatte und Riesenrad": Ein Mann sitzt auf einem Metallkonstrukt eines Fahrgeschäfts. Ein zweiter Mann schaut zu ihm hoch.

Noch blinken die Lichter hell auf Deutschlands Volksfesten. Doch der Zauber ist in Gefahr. Hohe Transportkosten, Sicherheitsauflagen, Personalmangel – viele Schausteller haben Sorgen.

Sendetermin:
Im TV-Programm: ZDF, 22.09.2019, 18:00 - 18:30
Datum:
Verfügbarkeit:
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Besucherrekorde, Spaß und Attraktionen auf Deutschlands größten Jahrmärkten, der Münchner Wiesn und dem Cannstatter Wasen. Heile Schaustellerwelt. Doch Jahrmarkt-Profis fragen sich immer häufiger: Lohnt sich der Aufwand noch?

Auch Thomas Meyer, Betreiber einer Wildwasserbahn und Schausteller in sechster Generation, muss ständig kämpfen. 2019 hat er einen Stellplatz auf dem Münchner Oktoberfest ergattert. Hier, auf dem größten Volksfest der Welt, wollen alle Schausteller ihr Geschäft aufbauen. Ein Garant für sicheren Profit ist ein Stellplatz aber noch nicht. Nichts brauchen die Schausteller so dringend wie gutes Wetter. Aber auch mit Sonnenschein-Garantie ist das Jahrmarkt-Geschäft nicht krisensicher. Meyers Wildwasserbahn gehört zu den größten Fahrgeschäften, und Meyer rechnet mit Vorleistungen für Transport und Aufbau in Höhe von fast 200 000 Euro - gigantische Kosten, bevor er den ersten Euro Gewinn macht.

Christian Preuss, der mit Kompagnon Thomas Gründler rund 10- bis 15-mal im Jahr das Karussell Circus-Circus von Kirmes zu Kirmes bewegt, weiß: "Bevor man den ersten Euro verdient hat, muss man schon mal so zwischen 15 000 und 20 000 Euro in Vorleistung treten." Dabei gehört Preuss' Karussell eher zu den kleineren Fahrgeschäften, und die Karussell-Betreiber trotzen dank eines festen Aufbauteams von vier polnischen Arbeitern erfolgreich der größten Gefahr aller Schaustellerbetriebe: dem fehlenden Personal. Viele Jahre arbeitete die Branche mit Arbeitskräften aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern. Doch die wirtschaftliche Lage in Rumänien hat sich deutlich verbessert, und viele frühere Aufbauhelfer arbeiten heute lieber wieder daheim oder werden vom Baugewerbe und der Gastronomie abgeworben.

Der Aufbau der Fahrbetriebe, meist unter Zeitdruck, wird immer mehr zur logistischen Herausforderung. Geno Distel, Thomas Meyers Platznachbar auf der Münchner Wiesn, träumt von den Zeiten, als er noch mit festem Personal über die Jahrmärkte zog. Der Schausteller, der schon mit 18 einen eigenen Autoskooter betrieb und heute mit einem kleinen Amüsiergeschäft herumreist, erinnert sich an früher. Damals waren seine Mitarbeiter "so fünf, sechs oder sieben Jahre immer dabei und wussten blind jeden Handgriff". Doch Arbeitskräfte aus Deutschland findet der Schausteller schon lange nicht mehr: "Das ist harte körperliche Arbeit, die will heute doch keiner mehr machen!"

Hart gearbeitet wird auch im Göckelesmaier-Festzelt auf dem Cannstatter Wasen. Bier und halbe Hähnchen schleppen, Teller abräumen, den Überblick im Feier-Chaos behalten. 90 Kellnerinnen und Kellner schuften für 17 Tage auf dem Wasen, Oberkellnerin Arijana ist eine von ihnen. Mit Mann, Geschwistern und Freunden reist sie seit drei Jahren aus Kroatien an, um in der Volksfest-Saison viel Geld zu verdienen. Für ein teures Auto wird es nicht reichen, aber Arijana weiß: "Es sind lange und harte Arbeitstage, dennoch könnte ich daheim so viel in 2,5 Monaten nicht verdienen." Und sobald die erste Maß Bier "O'zapft is" und es auf den Fahrgeschäften heißt "Los geht's - ab in die nächste Runde!", scheint die Welt auf den Jahrmärkten doch noch in Ordnung zu sein. Dass kein Besucher ihre Probleme sieht, dafür sorgen die Jahrmarkt-Profis, die immer weitermachen. Solange es noch geht.

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