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Erst frei, dann pleite

Selbstständige in Not

von Felix Krüger

Ob Schneiderin, Lottoladen-Besitzerin oder Kleinbauer: Viele Selbstständige machen zu wenig Gewinn, um sich etwas zurücklegen zu können. Erst frei, dann pleite – leider keine Ausnahme.

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30 min
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05.04.2020
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UT
Video verfügbar bis 04.04.2021

Die Kleinunternehmer arbeiten oft unter Mindestlohn und müssen dennoch hohe Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge zahlen. Sie fallen durch das soziale Netz.

Dass dies in äußerst prekäre Lebenslagen führt, erkennen viele Selbstständige zu spät. Laut einer DIW-Studie zahlt nur etwa die Hälfte aller Kleinunternehmer in die Rentenversicherung ein. Da die Beiträge für sie freiwillig sind, sparen sie sich diese Kosten oft und hoffen, später genug Gewinn fürs Alter zu machen. Doch das klappt nicht immer.

Dabei wurde der Alleingang in die Selbstständigkeit lange Zeit von der Politik beworben und staatlich gefördert: Über 100 000 "Ich-AGs" entstanden in den Nullerjahren. Viele von ihnen wirtschaften am Existenzminimum.

"Ich trinke nur Leitungswasser. Kleidung - nichts über zehn Euro. Das Auto rostet vor sich hin." Petra K. hat sich vor Jahren mit einer Nähstube selbstständig gemacht. Ihre Auftragsbücher sind voll, trotzdem reicht es am Monatsende oft nicht. So kommt es, dass manchmal mehr als drei Viertel ihrer Einnahmen allein an die Krankenversicherung gehen. Für Rentenbeiträge - keine Chance.

"Dass mir einmal so wenig bleiben würde, das habe ich nie für möglich gehalten, nein." So bilanziert Wera H. ihr Berufsleben als selbstständige Lottoladen-Inhaberin. Sie lebt mit 700 Euro Rente aktuell etwa 300 Euro unter der Armutsgrenze. Ihr Antrag auf Grundsicherung wurde abgelehnt, weil sie ein Haus bewohnt, für das die Raten noch nicht abbezahlt sind.

Besonders drastisch sind die Notlagen von Selbstständigen bei denen, die ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht mehr stemmen können. Eine halbe Million Menschen sind bei ihrer Krankenkasse verschuldet und bekommen, bis auf lebensrettende Maßnahmen, keine Leistungen mehr. "Besonders erschüttert hat mich, dass 80 Prozent dieser Fälle aus der deutschen Mittelschicht kommen", sagt Dr. Uwe Denker, ein Arzt, der als Pensionär Menschen kostenlos behandelt.

Er sieht die Entwicklung erst an ihrem Beginn: "Wir werden noch eine Flutwelle an Armut erleben." Mit Blick auf die Politik sagt er: "Was wir brauchen, ist ein Rettungsschirm für in Not geratene Selbstständige."

Der Film erzählt von Selbstständigen, die ihr Rentenalter schon erreicht haben, und jenen, die noch auf dem Weg dahin sind. Die Realität der Älteren ist die Perspektive der Jüngeren. Sie lautet leider zu oft: Armut.

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