Miet-Wahnsinn in Deutschland

Ist Wohnen unbezahlbar?

Dokumentation | ZDF.reportage - Miet-Wahnsinn in Deutschland

Berlin ist hip und boomt. Bis 2030 wird die Berliner Bevölkerung auf fast vier Millionen Bewohner anwachsen. All diese Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf, eine bezahlbare Wohnung.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2017, 09:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016

"Früher war im Prenzlauer Berg alles grau, das will keiner zurück haben. Dass sich aber ein Berliner hier keine Wohnung mehr leisten kann, ist eine Katastrophe." Jörg ist hier geboren und ärgert sich über die rasant steigenden Mieten in seinem Kiez.

Mit Ehefrau Christin und seinen drei Kindern Anton, Mark und Johanna lebt der Buchhalter auf 67 Quadratmetern. Für die Miete zahlen sie 650 Euro warm, ein Schnäppchen im angesagten Bezirk. Ab September geht Anton zur Schule, dann soll er ein eigenes Zimmer haben. Seit mittlerweile vier Jahren suchen sie nach einer größeren Wohnung, wollen unbedingt im Prenzlauer Berg bleiben.

Das Ehepaar hat rund 27 000 Euro Jahreseinkommen plus Kinder- und Pflegegeld. Für eine größere Wohnung können sie maximal 1000 Euro Warmmiete berappen. So viel kostet etwa eine sozialgeförderte Wohnung. Auf dem freien Wohnungsmarkt müssten sie locker nochmals 500 Euro drauflegen - das ist nicht drin.

Im Berliner Innenstadtbereich gibt es für normal verdienende Menschen so gut wie keinen bezahlbaren Wohnraum mehr. Die Durchschnittsmiete liegt mittlerweile bei neun Euro pro Quadratmeter netto kalt. Im angesagten Bezirk Mitte werden bereits Spitzenpreise von 16 Euro erreicht. Doch selbst "Normal-Mieten" um die sieben bis acht Euro können sich viele schlichtweg nicht mehr leisten: Rund eine Million Berliner sind auf Transferleistungen angewiesen.

Hinzu kommen Geringverdiener, die Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben und Tausende von Flüchtlingen. Bis Mai 2016 waren es fast 55 000 Flüchtlinge, die in Berlin geblieben sind. Ist ihr Aufenthaltsstatus mal geklärt, können sie ebenfalls auf Wohnungssuche gehen und werden zu Konkurrenten für Durchschnittsverdiener.

Vor zwei Jahren kam die 22-jährige Shannon aus dem niedersächsischen Melle nach Berlin und sucht noch immer nach einer eigenen kleinen Wohnung. Sie ist Auszubildende und hat mit ihrem geringen Einkommen kaum Chancen, trotz der Bürgschaft ihrer Eltern. Über 100 Bewerbungen hat sie allein in den letzten drei Monaten geschrieben und war selbst auf unzähligen Besichtigungen.

Zurzeit wohnt sie in Kreuzberg bei einer alleinerziehenden Freundin mit Kind, die vorübergehend ihr Schlafzimmer zur Verfügung gestellt hat. Der temporäre Zustand hält nun schon über sieben Monate an. Sie wollte gerne in den hippen Innenstadtbereichen wohnen, das aber kann sie sich wohl abschminken. Bei ihrer letzten Besichtigung einer Einzimmerwohnung in Schöneberg hatte Shannon 99 Mitbewerber.

Kaum ein anderes Thema beschäftigt die Berliner so, wie die Frage nach einer bezahlbaren Wohnung. Über mehrere Wochen begleitet die "ZDF.reportage" Menschen bei der Suche nach einer für sie erschwinglichen Wohnung. Welche bürokratischen Hürden müssen sie nehmen, welche Erfahrungen machen sie bei Wohnungsbesichtigungen und werden sie am Ende Glück haben?

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