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Partydorf Willingen

Ein Urlaubsort kämpft ums Image

von Daniel Koschera und Beatrice Fürer

Am Wochenende spielt die Musik in Willingen: Freitags reisen die Partygäste an. Sportvereine, Kegelclubs - rund 6000 Feierwütige, doppelt so viele, wie der Ort Einwohner hat.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.08.2020

Willingen liegt in schöner Berglandschaft - eine Urlaubsregion für Wanderer und Skifahrer. Aber vor allem der Party-Tourismus bringt Geld in den Ort: Eine Million Übernachtungen im Jahr - das Feiervolk lässt viel Bares zurück, aber auch Ärger, Lärm und Müll.

Viele kommen nach Willingen, um dort in die inzwischen kultigen Kneipen zu gehen - zum Beispiel in "Siggis Hütte" am Ettelsberg auf 838 Metern Höhe. Seit Jahrzehnten ist der inzwischen 77-jährige Siggi eine Institution in Willingen - bekannt für seinen Schnaps "Feuerwasser", seine Schleudertrompete und seine selbst gemachte Erbsensuppe mit Bockwurst im Glas. Jeden Morgen öffnet Siggi seine Hütte um 10.00 Uhr zum Frühschoppen und schließt sie um 16.00 Uhr. Danach geht es für die Leute wieder ins Dorf. Was in dem Dorf nach der Schließung passiert, da hält Siggi sich lieber raus: "Wenn ich den Laden am Nachmittag schließe, dann war es das für mich für den Tag". Doch unten im Ort geht die Party weiter. Besorgte Anwohner haben sich zum Bürgerforum Willingen zusammengeschlossen. Sie stören sich vor allem an der Lärmbelästigung und dem Dreck nach den Party-Wochenenden, fordern mehr Sicherheit im Ort.

Neben den Partygästen besuchen aber auch viele Erholungs-Touristen Willingen - nicht zuletzt wegen der vielen Freizeitmöglichkeiten. Familie D. aus Dortmund verbringt, gemeinsam mit Freunden, schon seit mehr als 20 Jahren jedes Jahr ein Wochenende im Ort. Sie sagen: "Hier kommt jeder auf seine Kosten - wir lieben zum Beispiel die Sommerrodelbahn und das Wandern. Und unser Nachwuchs geht abends feiern."

Ein Mann zwischen den Stühlen ist Willingens Bürgermeister Thomas Trachte. Er steckt mitten im Konflikt zwischen dem Wunsch nach einer friedlichen, familiären Ferienregion und dem Wirtschaftsfaktor Party-Tourismus. Seiner Aussage nach hat Willingen einen leistungsfähigen Tourismus. Am Wochenende aber findet dann Club-Tourismus statt, was immer mal wieder zu Problemen führe - Trachte formuliert es bewusst vorsichtig: "Von Sonntag bis Freitag ist Willingen ein ruhiger Ferienort. An den Freitagnachmittagen und den Samstagen sind in bestimmten Bereichen des Ortes die negativen Begleiterscheinungen des Wochenend-Tourismus verstärkt zu spüren", so Trachte.

Aber genau dieser Party-Tourismus, betont Trachte, erlaube dem kleinen 3000-Seelen-Dorf Investitionen, denn die Gemeinde profitiere durch die Gewerbesteuereinnahmen von den gut laufenden Kneipen und Discos. Andererseits versteht der Bürgermeister seine Anwohner auch und sucht nach Lösungen. So patrouilliert inzwischen eine "Dorf-Security" an vielen Wochenenden durch den Ort, sorgt für Ordnung und gibt den Bürgern ein besseres Gefühl.

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