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Robben, Schnaps und keine Gäste

Helgoland in der Krise Film von Torsten Mehltretter

Der rote Felsen im Meer – im Sommer ist Helgoland ein echter Urlaubermagnet. Doch seit Corona herrscht auf der Insel ungewohnte Ruhe.

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30 min
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10.08.2020
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UT
Video verfügbar bis 07.06.2021

Denn in der Hochsaison fertigen die gut 1500 Helgoländer normalerweise bis zu 4000 Tages- und 2000 Übernachtungsgäste ab. Zwischenzeitlich aber durften die Gäste gar nicht mehr kommen - wegen der Corona-Beschränkungen.

Eigentlich erledigt Sven Köhn spätestens ab April drei Jobs parallel. Er bringt mit seinem Börteboot die Tagesgäste von den Ausflugsschiffen an Land, versorgt als Hummerfischer einige Restaurants der Insel mit den Schalentieren, und er steuert die kleine Fähre, die Nachbarinsel und Hauptinsel verbindet. "Damit wir die ganzen Urlauber und Tagestouristen bewältigen können, muss jeder hier ein bisschen mehr machen – sonst funktioniert das Ganze nicht", erklärt er.

Zollfreier Einkauf lockt die Tagesgäste schon seit Jahrzehnten im großen Stil auf die Insel, die einzigartige Natur zieht die Übernachtungsgäste an. Doch während der Corona-Pandemie liegt alles auf Eis. Und das, obwohl kein einziger Bewohner Helgolands die Krankheit bisher hatte. Doch weil im Falle eines Falles die Versorgung von COVID-19-Patienten auf der Insel nicht im nötigen Umfang möglich gewesen wäre und die kleine Klinik auf der Insel schnell an ihre Grenzen gekommen wäre, galten Sonderbeschränkungen für Helgoland und viele andere Inseln Deutschlands. Auch ein weitreichendes Anreiseverbot gehörte dazu. Weder Tagesgäste noch Langzeiturlauber oder Zweitwohnungsbesitzer durften auf die Insel. Der Corona-Lockdown hat die Insel hart getroffen.

Heiko Ederleh ist der Transportprofi auf Helgoland. Noch hat er seine Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit geschickt. Auf drei zusätzliche Saisonkräfte aber wird er in diesem Jahr wohl verzichten müssen. Der Transportprofi hat sonst alle Hände voll zu tun, um Nahrungsmittel, Post, neue Möbel, die Waren der zahlreichen Duty-Free-Shops oder die Gepäckstücke der Urlauber von den Schiffen auf der ganzen Insel zu verteilen. Seine Lieferungen halten die Insel am Laufen. Doch statt der täglichen fünf Schiffe kam lange Zeit nur noch eins – und das auch nur noch zweimal die Woche. Mit Waren, die den Eigenverbrauch der Helgoländer abdecken. Die hat Heiko schnell verteilt – meist ohne Hilfe. Sein Glück: Auch die Windkraftbranche nimmt seine Dienste in Anspruch. Und die drei Betreiber von unterschiedlichen Windparks dürfen in der Krise weiterarbeiten. Jetzt halten sie Heiko über Wasser.

Ganz gelassen nimmt Rangerin Ute Pausch die neue Situation. "Für die Natur ist das eine Atempause." Aber auch ohne Corona ist Helgoland ein Naturparadies, findet die 49-Jährige, die vor allem wegen der einzigartigen Tierwelt auf die Insel kam. Pausch sorgt dafür, dass sich die zwei Robben-Arten, die an den Stränden der Insel leben, und die Menschen nicht ins Gehege kommen. Auch wenn das ab April, wenn die Gästezahlen steigen, eigentlich unmöglich ist. Im Frühling 2020 aber können die Kegelrobben ihren Nachwuchs ungestört großziehen. Sie sind die Profiteure der ungewohnten Ruhe.

Für die meisten menschlichen Inselbewohner ist die Pause dagegen existenzbedrohend. Deswegen hat eine Wirtschaftsinitiative der Insel eine Lockerung der Insel-Isolierung gefordert. Man sei bereit, "vieles auf der Insel umzustrukturieren und neue Hygienevorschriften und Abstandsregelungen zu akzeptieren", heißt es in dem Schreiben, das die Verfasser sowohl an die schleswig-holsteinische Landesregierung als auch an die Bundesregierung geschickt haben. Denn vielen steht das Wasser längst bis zum Hals.

So wie Sven, der auch noch Gästezimmer vermietet. In einem Haus, das er über einen Kredit finanziert. Doch da er sowohl seine Vermietungen als auch die Hummerfischerei nur im Nebenberuf ausübt, stehen ihm dafür keine Hilfsgelder zu. Aber der Kredit läuft weiter. Und Hummer nehmen ihm die Helgoländer auch nicht ab. Die leisten sich in erster Linie gut betuchte Übernachtungsgäste – als Urlaubsschmankerl.

Die Reportage verdeutlicht, wie sehr die auf Tagesgäste und Urlauber eingespielten Inselbewohner unter der auferlegten Ruhephase leiden und wie existenzbedrohend die Schutzmaßnahmen für eine ganze Gemeinde sein können. Denn hier können die Einwohner nichts machen außer abwarten.

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