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Wie sicher sind unsere Städte?

Zwischen echter und gefühlter Bedrohung

von Jan Gall

Offizielle Statistiken belegen: Deutschland ist so sicher wie lange nicht. Aber es fühlt sich für viele Menschen nicht mehr so an.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.12.2020

Viele haben das Gefühl, das Leben in Deutschland sei gefährlicher geworden. Die Wahrnehmung von Unsicherheit beeinflusst zunehmend das Meinungs- und Stimmungsklima in Deutschland.

Die "ZDF.reportage" ist in drei Städte gereist, um herauszufinden, woher die Angst vieler Menschen vor Kriminalität rührt.

Freiburg, am Rande des Schwarzwalds gelegen, weltoffen, mit vielen Studenten. Zwei Verbrechen haben die Stimmung in der Stadt verändert. Im Oktober 2016 missbraucht und erwürgt der aus Afghanistan stammende Hussein K. die 19-jährige Medizinstudentin Maria L. Seitdem ist in Freiburg nichts mehr, wie es war, und das Thema Sicherheit wird plötzlich anders gesehen.

Im Oktober 2018 gerät Freiburg erneut bundesweit in die Schlagzeilen, als eine 18-Jährige bei einem Diskothekenbesuch zum Opfer einer Gruppenvergewaltigung wird. Die "ZDF.reportage" schildert den spürbaren Stimmungswandel in der Stadt, zeigt die Gefühle der Menschen und die polizeilichen Fakten. Tatsächlich gibt es offenbar schon seit Jahren kriminalitätsbelastete Zonen in der Stadt.

In Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze wollen sich die Geschäftsleute gegen die Kriminalität auch selbst schützen: Sie haben einen Sicherheitsstammtisch ins Leben gerufen und wollen einen privaten Wachschutz organisieren, der nachts Streife laufen soll. Zu den treibenden Kräften gehört der Pensionsbetreiber Sebastian W. Der 64-Jährige kommt eigentlich aus Bayern und ärgert sich darüber, wie dreist immer wieder Diebe in Görlitz ihr Unwesen treiben.
Tischler Andreas P. ist mit seinem Betrieb so oft zum Opfer von Einbrüchen geworden, dass er sogar ans Aufgeben denkt.

Die Polizei jedoch hat für die Forderungen nach mehr Sicherheit wenig Verständnis. "Die belastbaren Fakten der Kriminalstatistik zeigen ein anderes Bild der Lage als das, was ich in Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern häufig zu hören bekomme", sagt der Polizeipräsident. Tatsächlich verbucht Görlitz den tiefsten Stand der Kriminalität seit zehn Jahren. Viele Bürger jedoch sind anderer Meinung, sie misstrauen der Statistik und mittlerweile häufig auch der Polizei.

Die Kluft zwischen Fakten und Gefühlen erforscht Prof. Dietrich Oberwittler vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. "Wir wissen aus der Forschung, dass die Unsicherheitsgefühle relativ schwach verbunden sind mit den tatsächlichen Kriminalitätsgefahren", sagt er.

Allerdings sind gerade Anwohner häufig sehr sensibel, wenn es um ihr direktes Lebensumfeld geht. Wenn an Orten Ordnung und Sauberkeit zu wünschen übrig lassen, die Polizei hier nur wenig Präsenz zeigt, dann ziehen "normale" Bürger sich zurück. Die Entwicklung hin zu einem gefährlichen Schandfleck ist häufig nur eine Frage der Zeit.

Beispiel Köln: Rund um den Neumarkt, einen der zentralsten und belebtesten Plätze der Stadt, hat sich in den vergangenen Jahren eine größer werdende Drogenszene angesiedelt. Auf offener Straße wird konsumiert und gehandelt. Ständig gibt es Überfälle, Prügeleien, Diebstähle zur Finanzierung der Sucht. Anwohner und Geschäftsleute wie Walter S., der am Neumarkt ein Sanitätshaus betreibt, leiden massiv unter den Verhältnissen. "Der Bürger hat doch ein Anrecht auf ein gesichertes Umfeld", so der Unternehmer. Eine Bürgerinitiative kritisiert die Stadt und kämpft gegen Pläne, am Neumarkt einen Drogenkonsumraum einzurichten.

Nicht weit entfernt zeigt der Ebertplatz, wie einfach es manchmal sein kann, aus gefährlichen Orten wieder beliebte Treffpunkte zu machen. Auch hier gab es eine Drogenszene. Die Kölner machten einen weiten Bogen um den als No-go-Area geltenden Platz. Dann wurde ein jahrelang stillgelegter Springbrunnen von der Stadt zu neuem Leben erweckt und lockt seitdem bei schönem Wetter Familien mit ihren Kindern an. Im Winter sorgt eine Schlittschuhbahn für Belebung. Eine starke Polizeipräsenz vertreibt die Dealer. Das Beispiel zeigt: Solche scheinbar kleinen Maßnahmen können den Angsträumen in der Stadt ihren Schrecken nehmen.

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