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Wolf im Fadenkreuz

Zwischen Wut und Gelassenheit

von Felix Krüger

Beim Wolf ist die Nation leidenschaftlich gespalten. Zwar begrüßt eine Mehrheit der Deutschen die Rückkehr des Wolfes. Doch dort, wo er neu auftaucht, herrscht mitunter blanke Angst.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.10.2020

"Wir sind kein Wolfsfutter", steht auf Plakaten bei einem Mahnfeuer im niedersächsischen Rodewald, wo sich mehr als 100 Wolfsgegner zum Protest verabredet haben. Viele hier sagen, dass die Situation völlig außer Kontrolle geraten sei.

Mehr als 1000 Tiere sollen mittlerweile durch Deutschland streifen. Über 5000 Risse an Nutztieren wie Schafen, Ziegen und Ponys zählt die Statistik in den vergangenen zehn Jahren. Und das sind nur die, für die der Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde.

"Ich gehe nur noch mit Pfefferspray aus dem Haus." Solche Sätze hört man häufig in Regionen, in denen sich der Wolf angesiedelt hat. Im brandenburgischen Ziesar berichtet Ulrike H., dass die Wölfe gar auf dem Friedhof waren. Sie hätten dort einen Wassertrog für Gießkannen als Tränke genutzt. Vasilio H. aus Winsen an der Aller schildert eine unheimliche Begegnung mit dem Wolf frühmorgens mitten im Stadtzentrum.

"Schießen", meint ein Schafzüchter von der Nordseeküste auf die Frage, wie man dem wilden Tier begegnen sollte. "Der Wolf gehört hier nicht her, er war noch nie hier, seit neun Generationen züchtet meine Familie Schafe, ich bin der Erste, der mit dem Wolf leben soll." Er will, dass das Land hinterm Deich zur wolfsfreien Zone wird.

"Das ist alles Augenwischerei", sagt Jens Matzen, der als sogenannter Wolfsmanager vom Umweltministerium beauftragt ist, zwischen Tierhaltern und Wolf zu vermitteln. "Mit der Forderung nach wolfsfreien Zonen gaukelt man sich Sicherheiten vor, die gar nicht vorhanden sind. Meine tiefste Überzeugung ist, es hilft nur ein guter Zaun."

Tatsächlich ist der behördlich genehmigte Abschuss von zwei sogenannten "Problemwölfen", die zu häufig hohe Zäune überwunden haben, über Monate hinweg nicht gelungen. Das zeigt, wie schwer es ist, die Tiere in ihren großen Revieren überhaupt aufzuspüren.

In den 20 Jahren seit der Rückkehr des Wolfes hat es noch keinen nachgewiesenen Angriff auf Menschen gegeben. Doch die Angst scheint stärker zu sein als der nüchterne Blick auf die gegenwärtige Lage.

Die Reportage erkundet an verschiedenen Orten zwischen Nordseeküste und Südbrandenburg, wie Menschen den Wolf wahrnehmen. Wie soll man mit dem wilden Tier umgehen?

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