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Die sieben größten Irrtümer des Euro

Spätestens seit der Finanzkrise gilt der Euro als Problemwährung. Zwar hat er die Turbulenzen überstanden, dabei aber bei vielen Bürgern und Anlegern an Vertrauen verloren.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.05.2021

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Doch ist der Euro wirklich so schwach? Welche Konstruktionsfehler hat es bei seiner Gründung gegeben? Und welche Weichen wurden seitdem falsch gestellt? Der Film benennt sieben Irrtümer, die der Gemeinschaftswährung das Leben schwer machen.

Diese sind: der Verzicht auf eine politische Union, die mangelnde Währungsdisziplin und die gegensätzlichen Wirtschaftskulturen der Mitgliedsländer, der Einsatz von Schulden als politisches Druckmittel, der permanente Braindrain der wirtschaftlich schwachen Euro-Staaten, der rigide Sparzwang als Mittel der Krisenbekämpfung und nicht zuletzt das schlechte Image des Euro in weiten Bevölkerungsteilen.

Weniger nationalstaatlicher Einfluss und mehr Macht?

Von all diesen Probleme ahnten die Gründungsväter des Euro nichts. Sie wollten mit der Gemeinschaftswährung die europäische Identität befördern und den Frieden sichern. Es ging ihnen um weniger nationalstaatlichen Einfluss und mehr Macht für Europa – doch bis heute gibt es keine weiterführende politische Union der EU. Vor diesem Mangel warnten Ökonomen schon bei Einführung des Euro.

Denn in einem gemeinsamen Währungsraum können sich wirtschaftlich schwache Staaten gegen starke Volkswirtschaften nicht behaupten. Früher hatten sie zumindest die Möglichkeit, ihre nationale Währung abzuwerten, um ihre Produkte billiger anzubieten. Das aber ist nach Einführung des Euro unmöglich geworden. Die Folge sind Exportprobleme, Wirtschaftskrisen und nicht zuletzt politische Spannungen. Es scheint, dass der Euro Europa langfristig eher spaltet, statt es zusammenzuführen.

Wer bestimmt über den Euro?

Doch auch zwischen den wirtschaftlich starken Mitgliedsländern gibt es Dissens. Deutschland und Frankreich, die zusammen 50 Prozent der Wirtschaftskraft der Eurozone stellen, sprechen keine gemeinsame Sprache, wenn es um den Euro geht. Rechts und links des Rheins prallen verschiedene Wirtschaftskulturen aufeinander. Das geht so weit, dass es immer wieder Streit darüber gibt, wer eigentlich über den Euro bestimmt – die unabhängige Europäische Zentralbank oder doch die Staats- und Regierungschefs.

Ein weiteres großes Problem der Euro-Zone ist die mangelnde Währungsdisziplin fast aller Mitgliedsländer. Von Anfang an wurde geschummelt. Das zeigte sich schon beim Beitritt Griechenlands zum Euro. Obwohl das Land die wirtschaftlichen Kriterien nicht erfüllte, drückten die anderen Mitgliedsländer aus geostrategischen Gründen ein Auge zu. Doch nicht nur Griechenland, auch andere Euro-Staaten verstießen immer wieder gegen die Defizit-Kriterien, darunter auch Deutschland und Frankreich. 2018 konnten gar nur zehn von 19 Mitgliedsländern die Kriterien erfüllen, die man zur Sicherung des Euro beschlossen hatte.

Wohin die mangelnde Währungsdisziplin der Mitgliedsstaaten führen kann, zeigte sich auf dramatische Weise während der Eurokrise: Griechenland musste korrigierte Zahlen zu seiner Staatsverschuldung vorlegen. Athen stand vor dem Staatsbankrott. Im Gegenzug für Finanzhilfen zwangen die reichen Euro-Mitglieder – allen voran Deutschland – Griechenland zum Sparen. Bis heute wird darüber diskutiert, ob dies das richtige Mittel war. Mehr und mehr bildet sich ein Konsens unter Ökonomen heraus, dass die rigide Austeritätspolitik ihr Ziel verfehlt hat. Hätte man stattdessen den Krisenländern einen Teil der geforderten Einschnitte erspart, ständen sie heute wirtschaftlich besser da – und könnten beginnen, ihre Schulden zurückzuzahlen.

Welches Image hat der Euro?

So aber wurde der Euro für viele Menschen in Europas Süden zum Symbol der Gängelung und Unterdrückung. Imageprobleme hat die Gemeinschaftswährung aber nicht nur dort. In Deutschland haftet ihr bis heute der Ruf des "Teuro" an. Lange bevor der Euro 2002 eingeführt wurde, galt er bereits als Preistreiber. Dies entwickelte sich zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Bis heute glauben viele Deutschen daran, dass mit dem Euro tatsächlich alles teurer geworden sei – auch wenn dies den wirtschaftlichen Fakten widerspricht. Denn die Inflation hat seit Einführung des Euro nicht zugenommen.

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