Alltag Armut - Leben in Bremerhaven-Lehe

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Bremerhaven-Lehe hat Schlagzeilen gemacht als ärmster deutscher Stadtteil. Vor allem in Lehe Mitte sind viele verschuldet. Wie wurde das Viertel zum Schlusslicht und wie lebt es sich hier?

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.09.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

In Lehe wohnen laut Schuldneratlas die meisten überschuldeten Menschen in Deutschland. Viele leben von Hartz IV, Häuser stehen leer, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Hier ist Armut Alltag. Gibt es einen Ausweg?

Globalisierung, Werftenkrise, Strukturwandel

Bremerhaven war einst das Tor zur Welt: Werften siedelten sich an und die Hochseefischerei gab Tausenden Arbeit. Der Stadtteil Lehe grenzt an das Hafengebiet und profitierte von der boomenden Wirtschaft. In den 1960er Jahren ging es in Bremerhaven bergab. Globalisierung, Werftenkrise, ein grundlegender Strukturwandel in der Fischerei und der Abzug der Amerikaner haben Tausende Menschen arbeitslos gemacht und die Stadt in eine Krise gestürzt. Im Goetheviertel in Lehe, dem ehemaligen Arbeiter-Viertel, waren die Auswirkungen besonders dramatisch. Heute ist das Leben hier von Armut geprägt.

ZDFinfo porträtiert einen Stadtteil und seine Bewohner. Wie leben sie mit der Armut? Wie konnte es zum Abstieg kommen? Gibt es einen Ausweg aus der Abwärtsspirale?

Nicht aufgeben, sich nicht unterkriegen lassen

Mann mit grüner Obstkiste
Frank engagiert sich bei der Tafel in Lehe. Hier gibt es Lebensmittel fast umsonst. Quelle: ZDF

Frank (51) ist Hartz-IV-Empfänger, war lange Zeit arbeitslos. Bei der Tafel hat er nun eine Beschäftigung für 1,30 Euro gefunden. Zuhause fiel ihm die Decke auf den Kopf, nun wird er gebraucht. Seine Frau Davina arbeitet auf Minijob-Basis bei einem Discounter. Eine regelmäßige, besser bezahlte Arbeit in Lehe zu finden, ist aussichtslos. Den beiden Kindern Maximilian und Kimberly soll es einmal besser gehen. Dazu gehört eine gute Ausbildung und ein fester Job. Doch Sohn Maximilian verweigert zurzeit die Schule.

Andrea lebt seit acht Jahren in Lehe. Die gelernte Einzelhandelskauffrau schlägt sich heute mit wechselnden Minijobs und Sozialhilfe durch. Andrea wohnt zwar billig in einer WG, doch sie wünscht sich mit 44 Jahren endlich eine eigene Wohnung. Seit einem Jahr sucht sie verzweifelt, doch alle Sozialwohnungen sind belegt. Im Kern von Lehe stehen ganze Häuserreihen leer und verfallen, weil kaum investiert wird. Hinzu kommt, dass Andrea Schulden hat. Das erschwert die Wohnungssuche. Hat sie dennoch eine Chance, dass sich ihr Traum erfüllt?

Rentnerin Heidi (76) hilft ehrenamtlich bei der Tafel in Lehe. Einmal die Woche kann sie von dort Lebensmittel mitnehmen. Heidi hatte einmal ein besseres Leben. Sie war mit einem Kapitän verheiratet, reiste um die Welt, liebte elegante Mode und kümmerte sich um Haus und Kinder. Geld war kein Thema. Nach der Scheidung war sie alleinerziehend und musste ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Sie übernahm einen Imbiss, doch der ging nach acht Jahren Pleite. Heidi hat 20 Jahre lang gearbeitet. Mit ihrer Rente könnte sie nicht überleben, deshalb bekommt sie zusätzlich Grundsicherung vom Staat. Nun wurde ihr die Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt. Muss Heidi ihr Zuhause verlassen?

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