Deutschlands Krieger: Helmut Schmidt

Die Bundeswehr und ihre Minister

Dokumentation | ZDFinfo doku - Deutschlands Krieger: Helmut Schmidt

Von den turbulenten Anfängen bis heute haben die deutschen Verteidigungsminister die Truppe entscheidend geprägt. Helmut Schmidt war der erste Sozialdemokrat an der Spitze.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.11.2017, 20:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Er wollte das Amt erst nicht und übernahm es nur nach heftigem Drängen von Bundeskanzler Willy Brandt. Dann aber legte er los. Auffallend waren das unerschütterliche Selbstvertrauen und die ausgeprägte Führungsstärke des neuen Verteidigungsministers.

1971 rebellierten die Wehrpflichtigen – sie wollten sich nicht die Haare schneiden lassen! Und sie bekamen Rückendeckung durch entsprechende Gerichtsurteile. Die erzwungene Kurzhaarfrisur sei ein Verstoß gegen die Menschenwürde, so die Richter. Die Führung der noch jungen, deutschen Armee musste sich mitten im Kalten Krieg mit fettigen Haaren, Hygieneproblemen, und Verletzungsrisiken herumärgern. An der Spitze der Bundeswehr stand zu dieser Zeit ein Mann, der als Macher und Hardliner innerhalb seiner Partei galt: Helmut Schmidt. Er führte die Truppe  in einer Zeit, die von der Ost-West Konfrontation, dem Vietnamkrieg und der Friedensbewegung geprägt war. Helmut Schmidt selbst war im Dritten Reich Oberleutnant der Wehrmacht und im Ostfeldzug dabei. Im Gegensatz zu vielen seiner Genossen lehnt er das Militär nie ab.

Ein "Militarist" aus der "Partei des Widerstands"

Als Schmidt im Oktober 1958 an einer Wehrübung der frisch gegründeten Bundeswehr teilnahm, gab es heftige Proteste in der SPD. Noch während der Übung wurde er von den Genossen aus dem Vorstand der Bundestags-Fraktion ausgeschlossen. Die Begründung: Er sei ein Militarist. Die Sozialdemokraten verstanden sich damals als Partei des Widerstands gegen die Nazis. Und der junge Helmut Schmidt mit seinem offenen Bekenntnis zur Bundeswehr passte da nicht ins Bild.

Das hinderte den Hamburger aber nicht daran, innerhalb kürzester Zeit zum verteidigungspolitischen Fachmann seiner Partei aufzusteigen und sich auch international den Ruf eines herausragenden Strategen zu erarbeiten. Für Helmut Schmidt war die Hardthöhe ein Karrieresprungbrett: Nach einer kurzen, aber bewegten Amtszeit wurde er Superminister für Wirtschaft und Finanzen – und kurz darauf dann Bundeskanzler. Die Bundeswehr und die militärischen Verflechtungen Deutschlands hatte er aber auch da fest im Blick.

Der Film zeichnet ein Bild der Bundeswehr und ihres Verteidigungsminister in einer bewegten Zeit der Jahre 1969 bis 1972. Er zeigt die großen und kleinen Probleme, mit denen sich die Truppe und ihr Minister herumschlagen mussten. Und er gibt seltene Einblicke in historisches Material aus den Filmarchiven der Bundeswehr.

Kriegstreiber oder Pazifist? Reformer oder Verwalter?

Die Doku-Reihe über die Geschichte der Bundeswehr portraitiert sechs Verteidigungsminister und die speziellen Anforderungen ihrer Amtszeit. Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt, Manfred Wörner, Gerhard Stoltenberg, Rudolf Scharping, Karl-Theodor zu Guttenberg - sechs Verteidigungsminister mit einem Auftrag: Deutschland und seine Bürger zu schützen - schützen vor dem Feind im Osten, vor großen Fluten, vor dem internationalen Terrorismus.

So unterschiedlich die Herausforderungen der Minister, so unterschiedlich auch ihr Amtsverständnis. Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Stil haben sie das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr geprägt, manchmal weit über ihre Amtszeit hinaus - andere wiederum sind am Ende grandios gescheitert. Sie mussten ihre Truppe in schweren Zeiten führen, sich immer wieder aufs Neue einer pazifistisch geprägten Gesellschaft stellen, hatten mit zahlreichen Skandalen und Affären zu kämpfen, weisen aber auch beachtliche Erfolge auf. Waren sie Marionette oder Macher? Kriegstreiber oder Pazifist? Reformer oder Verwalter? Anführer oder Drückeberger? Schwergewicht oder Luftikus?

Die Reihe zeigt, welche Spuren die sechs Minister in der Bundeswehr, aber auch in Politik und Gesellschaft hinterlassen haben.

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