Deutschlands Krieger: Rudolf Scharping

Die Bundeswehr und ihre Minister

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Doku | ZDFinfo Doku - Deutschlands Krieger: Rudolf Scharping

Rudolf Scharping wollte nie Verteidigungsminister werden. Unter seiner Führung wird die Bundeswehr zu einer Armee der Auslandseinsätze. Das Ende schließlich ist bitter und erniedrigend.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.01.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016

Am 27. Oktober 1998 übernimmt Rudolf Scharping die Führung der Bundeswehr. Er ist der erste sozialdemokratische
Verteidigungsminister, der die Bundeswehr in einen Krieg führen wird. Scharpings Karriere ist im Sinkflug, das Amt könnte für ihn zum Abstellgleis werden.

Deutschland vor seinem ersten Kriegseinsatz seit 1945

1998 braut sich auf dem Balkan ein militärischer Konflikt zusammen. Er birgt das Potential, die ganze Region in einen Krieg zu ziehen. Und Deutschland steht plötzlich als Nato-Mitglied vor seinem ersten Kriegseinsatz seit 1945.

Wie konnte es dazu kommen? Die serbische Provinz Kosovo strebt nach Unabhängigkeit. Die selbsternannte kosovarische Befreiungsarmee, UCK, verübt Anschläge auf serbische Einrichtungen im Kosovo. Serbenführer Slobodan Milosevic hingegen träumt von einem großserbischen Reich. Er beginnt seinerseits mit der systematischen Vertreibung von Albanern aus dem Kosovo. UNO und NATO verurteilen die Gewalt und bereiten sich ihrerseits auf ein militärisches Eingreifen vor. Die deutsche Bundeswehr hat sich bislang aus bewaffneten Konflikten heraus gehalten. Doch allen Beteiligten wird klar, dass das nun nicht mehr länger möglich sein wird.

Mitten in dieser brenzligen Situation wechselt das politische Personal in Berlin. Im September 1998 gewinnen SPD und Grüne mit deutlichem Vorsprung die Bundestagswahl. Die Ära Kohl ist zu Ende. Verteidigungsminister wird der Genosse Rudolf Scharping. Die Feierstimmung überdeckt, dass Scharping politisch stark angeschlagen ist. Das Amt ist seine letzte Chance, in der Partei wieder an Bedeutung zu gewinnen. Denn ihm haftet ein Makel an. Er hat 1994 als SPD-Chef und Spitzenkandidat krachend gegen Helmut Kohl verloren und wurde dafür innerhalb der eigenen Partei von Schröder und Lafontaine entmachtet.

Die Liebe im Krieg und die Folgen

Nun soll Scharping die Bundeswehr in den ersten Kriegseinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg führen. Die Deutschen beteiligen sich mit Tornados an den Luftschlägen gegen Milosevic und später auch mit Bodentruppen an der Kosovo-Schutztruppe KFOR. Scharping arbeitet sich schnell ein und wird von den Soldaten als sensibler Zuhörer geschätzt und geachtet. Doch dann passiert etwas, das sein Leben aus dem Tritt bringt: Er verliebt sich neu. Die Frau an seiner Seite heißt nun Kristina Gräfin Pilati. Eine Illustrierte zeigt die beiden plantschend im Pool. Es ist das Bild des turtelnden Verteidigungsministers, das sich ins kollektive Gedächtnis der Soldaten einbrennt. Der Zeitpunkt ist unglücklich, denn parallel dazu berät der Bundestag über einen weiteren Einsatz der Bundeswehr in Mazedonien. Die Soldaten setzen sich tödlichen Gefahren aus und ihr Minister zeigt sich derweil sorglos mit der Geliebten im Pool – das ist die Kritik, die nun vielfach geäußert wird.

In der Folge werden Scharpings Flüge mit der Flugbereitschaft genauer untersucht. Hinzu kommen seine geschäftlichen Beziehungen zu dem umstrittenen PR-Berater Moritz Hunzinger. Vier Wochen vor der Bundestagswahl 2002 feuert Kanzler Schröder seinen Verteidigungsminister. Es ist das politische Ende Rudolf Scharpings. Der Film zeigt die Bundeswehr im Kriegseinsatz und ihren Minister in turbulenten Zeiten.

Die Bundeswehr und ihre Minister

Die Doku-Reihe über die Geschichte der Bundeswehr porträtiert sechs Verteidigungsminister und die speziellen Anforderungen ihrer Amtszeit. Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt, Manfred Wörner, Gerhard Stoltenberg, Rudolf Scharping, Karl-Theodor zu Guttenberg - alle mit einem Auftrag: Deutschland und seine Bürger zu schützen - schützen vor dem Feind im Osten, vor großen Fluten, vor dem internationalen Terrorismus.

So unterschiedlich die Herausforderungen der Minister, so unterschiedlich auch ihr Amtsverständnis. Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Stil haben sie das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr geprägt, manchmal weit über ihre Amtszeit hinaus - andere wiederum sind am Ende grandios gescheitert. Sie mussten ihre Truppe in schweren Zeiten führen, sich immer wieder aufs Neue einer pazifistisch geprägten Gesellschaft stellen. Sie hatten mit zahlreichen Skandalen und Affären zu kämpfen, weisen aber auch beachtliche Erfolge auf.

Waren sie Marionette oder Macher? Kriegstreiber oder Pazifist? Reformer oder Verwalter? Anführer oder Drückeberger? Schwergewicht oder Luftikus? Die Reihe zeigt, welche Spuren die Minister in der Bundeswehr, aber auch in Politik und Gesellschaft hinterlassen haben.

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