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Auf der Spur des rechten Terrors

Die sieben Geheimnisse des NSU

Doku | ZDFinfo Doku - Auf der Spur des rechten Terrors

ZDFinfo interviewte über Monate Nebenkläger im NSU-Prozess. Entgegen den Ermittlungsergebnissen der Bundesanwaltschaft sehen sie Belege für ein engmaschiges Täternetzwerk rund um das NSU Kerntrio.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.11.2019, 23:59

„Alles was für ein Netzwerk sprach wurde systematisch ausgeblendet.“ So das Resümee des Nebenklageanwalts Sebastian Scharmer, der die Tochter eines Mordopfers im Prozess vertritt. Ähnlich hört sich die Bewertung seines Kollegen Yavus Narin an. Er sieht „die These der Bundesanwaltschaft, dass der NSU völlig losgelöst von Helfern gemordet habe, als widerlegt" an. Die beiden Rechtsanwälte stehen mit ihren Einschätzungen längst nicht alleine da.

Doch ein engmaschiges Täternetzwerk?

ZDFinfo interviewte über Monate Nebenkläger. Entgegen den Ermittlungsergebnissen der Bundesanwaltschaft sehen sie Belege für ein engmaschiges Täternetzwerk rund um das NSU Kerntrio. Beispielhaft hierfür steht eine nachhaltige Analyse der Tatorte die nach ihrer Auffassung belegen, dass die Opfer keineswegs willkürlich ausgesucht wurden, ohne eine Zuordnung zu den Tätern, wie es in der Anklageerhebung heißt.

Beleg hierfür ist unter anderem der Tatort in Rostock. Hier wurde bereits vor dem NSU-Mord ein Brandanschlag auf den Döner-Imbiss verübt. Dazu wohnten Rechtsextremisten die mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos befreundet waren in unmittelbarer Tatortnähe. Der Name des Rechtsextremisten befand sich auf der Freundesliste des Uwe Mundlos, die 1998 von der Polizei sichergestellt wurde.

Ein weiterer Beleg findet sich beim Mord des NSU 2005 in Nürnberg. Hier war das Mordopfer kurz vor der Tat auch Betroffener einer Sachbeschädigung durch einen Neonazi, der daraufhin verurteilt wurde. Und auch das erste Mordopfer des NSU, der Blumenhändler Enver Simsik war der rechtsextremen Szene bekannt. So bestätigte ein Ex-Freund der Unterstützerin des Trios Mandy S., an seinem Blumenstand eingekauft zu haben.

Ein ernüchterndes Resümee

Gegen Ende des Prozesses ist auch für den Berliner Nebenklageanwalt Hardy Langer unstrittig, "dass Mundlos und Böhnhardt zu allen Tatorten irgendeinen konkreteren Bezug vorher hatten." Auch die Vorsitzende des Thüringer NSU-Ausschuss Dorothea Marx (SPD) bekräftigt im ZDFinfo-Interview sie sei sich "ziemlich sicher", dass die NSU Mordopfer "zielgerichtet ausgewählt" wurden.

Ebenso offen blieb nach Ansicht zahlreicher Nebenkläger die Rolle von sogenannten Verfassungsschutz-Informanten und Mitarbeitern im NSU-Komplex. Der Rechtsanwalt des Kasseler Mordopfers Thomas Bliwier klagt gegen Ende des Verfahrens, dass "Strukturen eben wirklich nicht aufgeklärt werden sollen." Sein Anwaltskollege Yavus Narin resümiert bitter: "Wir haben eigentlich die Besonderheit, dass im Umfeld des NSU Personen aktiv waren, von denen kaum einer nicht V-Mann, nicht Informant irgendeiner Sicherheitsbehörde war." Warum trotzdem entscheidende Hinweise zur Ergreifung von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe ausblieben, konnte im Münchner NSU-Prozess nicht geklärt werden.
ZDF-Info mit einem ernüchternden Resümee zum Prozessende.

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