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Funkloch und Schneckennetz: Kunden in der Warteschleife

Ärger mit Telekom, Vodafone & Co.

Bis 2018 sollten alle Haushalte mit schnellem Internet ausgestattet sein. Was ist aus diesem Versprechen der "Digitalen Agenda" der Bundesregierung von 2014 geworden? Die Doku zieht Bilanz.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.06.2020

Es sieht so aus, als ob Deutschland auch 2019 immer noch ein digitales Entwicklungsland sei: Funklöcher allerorten, kaum eine Spur vom Internet mit 50 Megabit pro Sekunde. Viele Bürger und Unternehmen fühlen sich im Stich gelassen und sind sauer.

Eigeninitiative versus System

Sie beantragt Fördergelder, um selbst ein Glasfasernetz zu errichten. Im September 2015 beginnen die Tiefbauarbeiten, die Gemeinde verlegt Leerrohre für das Glasfasernetz. Ende 2017 baut auch die Telekom, jedoch kein reines Glasfasernetz. Das Unternehmen setzt auf das sogenannte Vectoring. Dazu wurden die Straßen wieder geöffnet und die Bürger hatten erneut Baustellen vor ihren Haustüren. Wegen der Vectoring-Anschlüsse der Telekom hat die Gemeinde ihren Glasfaserausbau gestoppt. Bürgermeister Weigt fürchtet, dass sich nicht mehr genügend Kunden für den schnelleren, aber auch teureren Glasfaseranschluss entscheiden.

Doch kaum waren die ersten Tiefbauarbeiten für ein gemeindeeigenes Glasfaserkabelnetz abgeschlossen, riss die Telekom die Straße wieder auf und verlegte ihre eigenen Rohre. Der Netzausbau der Gemeinde musste daraufhin gestoppt werden, weil die Refinanzierung der öffentlichen Gelder durch die unerwartete Konkurrenz nicht mehr gesichert war. Damit ist es erst einmal vorbei mit dem Traum vom schnellen Internet für alle in Karlsdorf-Neuthard.

Glasfasernetz in Eigenregie

Dass es auch anders geht, zeigt die sächsische Gemeinde Amtsberg, die ein Glasfasernetz in Eigenregie aufbaut. Bisher war die Versorgung mit Internet mitten im Erzgebirge äußerst schlecht. Weder der örtliche Netzbetreiber Telekom noch andere Unternehmen erklärten sich bereit, für nur 4000 Haushalte das Netz auszubauen – zu wenig lukrativ.

Deshalb wurden Bürgermeister Sylvio Krause und seine Gemeinde selbst aktiv: Mit Fördergeldern bauten sie ein eigenes Glasfasernetz aus. Das bleibt im Besitz der Kommune und wird an die Telekommunikationsanbieter verpachtet. Inzwischen sind die ersten Amtsberger Bürger und Unternehmen superschnell im Netz.

Wichtig für die Wirtschaft

Wie wichtig Datenübertragung für Unternehmer ist, weiß auch Thorsten Mensching aus Niedersachsen nur zu gut. Für seinen Fuhrpark aus Baumaschinen und Erntefahrzeugen braucht er eine schnelle Verbindung, damit die Maschinenführer auf dem Feld ihre anstehenden Aufträge und Arbeitsanweisungen direkt aufs Tablet herunterladen können. "Die Fahrzeugführer draußen brauchen diese Kommunikationsmöglichkeit mit dem Office. Sonst vertrödeln wir bei unserer Auftragsabwicklung unnötig Zeit - und das kostet Geld", sagt er.

So ärgerlich ein langsames Internet für die Betroffenen auch ist: Es ist immer noch besser als gar kein Internet, ausgelöst durch einen Anbieterwechsel. Genau das passierte Jörg Löhning aus Rheinberg. Stellvertretend für viele berichtet er von einem bizarr anmutenden Gerangel um Kunden und Anschlüsse, von permanenten Terminverschiebungen und endlosen Warteschleifen in der Telefon-Hotline. Ein ehemaliger Callcenter-Mitarbeiter bestätigt Löhnings Aussagen: Es gehe im Callcenter nur um das Abarbeiten von Fallzahlen, nicht um das Lösen von Problemen.

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