Deutschlands Krieger: Karl-Theodor zu Guttenberg

Die Bundeswehr und ihre Minister

Dokumentation | ZDFinfo doku - Deutschlands Krieger: Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg bekommt mit dem Verteidigungsministerium die "Zeitbombe" zugespielt: den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Er katapultiert das graue Amt ins Medienzeitalter.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.11.2017, 21:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Zu Guttenberg ist der erste Politiker, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit klarstellte: "Es herrschen kriegsähnliche Zustände in Teilen Afghanistans." Als er mit 38 Jahren 2009 zum jüngsten Verteidigungsminister Deutschlands berufen wurde, war die Bundeswehr schon seit fast acht Jahren im Norden Afghanistans im Kampf gegen die Taliban stationiert. "Krieg" durfte das völkerrechtlich nicht heißen, sondern "Stabilisierungseinsatz", obwohl sich die Bedrohungslage für die Truppen vor Ort seit 2006 dramatisch verschärft hatte.

Das schwere Erbe Franz Josef Jungs

So holte den Minister bei Amtsantritt das schwere Erbe seines Vorgängers Franz Josef Jung ein: die Kundus-Affäre. Als im September 2009 auf Befehl des deutschen Oberst Klein US-Kampfbomber zwei Tanklastzüge bombardierten, starben nach NATO-Schätzungen über 119 Menschen – darunter viele Zivilisten. Guttenberg stärkte Oberst Klein den Rücken, musste allerdings selbst Fehler in seiner Informationspolitik einräumen. Verantwortlich machte er dafür jedoch Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und suspendierte ihn. Schaden tat ihm das kaum, längst war er ein Polit-Star. Seine Popularität wollte er dafür einsetzen, das angeschlagene Image seiner Truppe und ihres Afghanistan-Einsatzes aufzupolieren. Das machte ihn vor allem bei seinen Soldaten zum Sympathieträger.

Öfter als jeder seiner Amtsvorgänger reiste zu Guttenberg nach Afghanistan, nannte seine Soldaten "Helden" und scheute sich nicht, Verwundete zu besuchen und bei Trauerfeiern für die Gefallenen das Wort zu ergreifen. Eine traurige Zäsur markierte dabei das Karfreitagsgefecht am 2. April 2010, bei dem drei Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf starben. Mit Maik Mutschke, der selbst bei dem Gefecht schwer verwundet wurde, taucht diese Dokumentation auch in die persönliche Situation der Soldaten vor Ort ein.

Angriffsfläche und Durchschlagskraft

Die mediale Omnipräsenz Guttenbergs bot viel Angriffsfläche. Im Interview mit dem TV-Moderator Johannes B. Kerner beleuchtet der Film insbesondere die Kontroverse um die Talk-Sendung "Kerner Spezial" (SAT.1) aus Masar-i-Scharif.

Dennoch: Guttenberg hatte politische Durchschlagskraft, vor allem bei der Bundeswehrreform. Er besiegelte das Ende der Wehrpflicht und den Übergang zu einer Freiwilligenarmee. Die Durchführung musste er allerdings seinen Nachfolgern überlassen. Denn mit seinem Krisenmanagement in einem mysteriösen Todesfall auf der Gorch-Fock und zuletzt in der Plagiats-Affäre rund um seine Doktorarbeit verstrickte sich der Minister in immer neue Widersprüche, die ihn schließlich zum Rücktritt zwingen.

Dokumentation | ZDFinfo doku - Interview mit Karl-Theodor zu Guttenberg

Mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg führten die Filmemacher von "Deutschlands Krieger" ein exklusives Interview – es ist das erste lange TV-Interview nach seinem Rücktritt 2011.

Beitragslänge:
22 min
Datum:

Die Dokumentation präsentiert exklusive Interviews mit Karl-Theodor zu Guttenberg, seinem Nachfolger Thomas de Maizière, dem ehemaligen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und vielen anderen Entscheidungsträgern und Soldaten. Der Film analysiert damit ein wichtiges Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte: die Bundeswehr unter Karl-Theodor zu Guttenberg.

Marionette oder Macher? Kriegstreiber oder Pazifist?

Die Doku-Reihe über die Geschichte der Bundeswehr portraitiert sechs Verteidigungsminister und die speziellen Anforderungen ihrer Amtszeit. Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt, Manfred Wörner, Gerhard Stoltenberg, Rudolf Scharping, Karl-Theodor zu Guttenberg - sechs Verteidigungsminister mit einem Auftrag: Deutschland und seine Bürger zu schützen - schützen vor dem Feind im Osten, vor großen Fluten, vor dem internationalen Terrorismus.

So unterschiedlich die Herausforderungen der Minister, so unterschiedlich auch ihr Amtsverständnis. Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Stil haben sie das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr geprägt, manchmal weit über ihre Amtszeit hinaus - andere wiederum sind am Ende grandios gescheitert. Sie mussten ihre Truppe in schweren Zeiten führen, sich immer wieder aufs Neue einer pazifistisch geprägten Gesellschaft stellen, hatten mit zahlreichen Skandalen und Affären zu kämpfen, weisen aber auch beachtliche Erfolge auf. Waren sie Marionette oder Macher? Kriegstreiber oder Pazifist? Reformer oder Verwalter? Anführer oder Drückeberger? Schwergewicht oder Luftikus?

Die Reihe zeigt, welche Spuren die sechs Minister in der Bundeswehr, aber auch in Politik und Gesellschaft hinterlassen haben.

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