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Plattgemacht - Ein Stadtteil verschwindet

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Doku | ZDFinfo Doku - Plattgemacht - Ein Stadtteil verschwindet

Suhl-Nord, einst modernes Plattenbauviertel in Südthüringen, heute geprägt von Abwanderung und Überalterung. Der Leerstand breitet sich wie ein Virus aus. Das Wohngebiet wird abgerissen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.05.2019, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2019

Das Wohngebiet wird abgerissen. Nach der Wende ging es bergab. Von 14 000 Bewohnern sind nur noch 3650 übrig. Sanierung lohnt nicht, Platte für Platte wird nun abgerissen. Die Bewohner werden umgesiedelt. Was bedeutet es für sie, ihr Zuhause zu verlieren?

Geschichte der Siedlung bis heute

Suhl liegt etwa 70 Kilometer südlich von Erfurt. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde aus dem kleinen Städtchen eine DDR-Vorzeigestadt und wuchs auf 56 000 Einwohner an. Neue Industrien wurden angesiedelt, der Bedarf an Wohnraum nahm rasant zu. So entstanden moderne Plattenbauviertel, auch Suhl-Nord. Doch nach der Wende begann der Wandel. Die volkseigenen Betriebe schlossen, Arbeitsplätze gingen verloren, die Jungen zogen weg. Der demografische Wandel, der in ganz Deutschland zu verzeichnen ist, macht sich hier mit voller Härte bemerkbar. 40,2 Prozent der Einwohner sind heute über 60 Jahre, der höchste Wert im Vergleich aller kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Das soll sich ändern: In Suhl will man das Schrumpfen als Chance sehen. Bevor sich der Leerstand im Wohngebiet Suhl-Nord ausbreitet, heißt nun die Strategie der Stadt: Abriss - auch weil es wohnungsbaupolitisch keine Alternative gibt. Doch was bedeutet das für die Bewohner, die noch in Suhl-Nord leben?

Menschen-Schicksale

Christine (51) wohnt seit 27 Jahren in Suhl-Nord. Schon zwei Mal musste die Familie mit ansehen, wie Bagger ihr Zuhause plattmachten. Jetzt bekamen sie wieder einen Brief: Abriss! Es ist das dritte Mal, dass Christine und ihr Mann umziehen müssen. Doch sie wollen nicht jede Wohnung akzeptieren. "Sollen die Bagger doch kommen", sagt Christine. Aber nachts, wenn sie nicht schlafen kann, kommen die Sorgen.
Die 75-jährige Helga wohnt auch in Christines Wohnblock. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie geholfen, das Viertel aufzubauen, Anfang der 80er-Jahre. Als Helgas Mann nach 43 Jahren Ehe stirbt und zeitgleich ein Brief kommt mit der Ankündigung, dass ihre Platte abgerissen wird, bricht für Helga eine Welt zusammen.
Der 35-jährige Dragan kam vor fünf Jahren aus Serbien und landete durch Zufall in Suhl-Nord. Dort lebt er mit seiner Frau und den vier Kindern in einer der letzten Plattenbauten, die noch nicht abgerissen wurden. "Andere gehen", sagt er, "ich komme." Doch wie lange kann die Familie bleiben?

Abriss alternativlos?

Ralf Heymel ist Geschäftsführer der GeWo Suhl, der Städtischen Wohnungsgesellschaft. Ihr gehört ein Großteil der Wohnungen in Suhl-Nord. Was bedeutet es ökonomisch, menschlich und logistisch, einen ganzen Stadtteil abzureißen? Suhl-Nord ist ein extremes Beispiel, steht aber für eine Entwicklung in vielen Städten und Regionen Deutschlands. Heike Liebmann von der Uni Cottbus hat die Probleme schrumpfender Städte in Deutschland erforscht. Der Abriss ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten alternativlos, sagt sie.

Der Film lässt anhand von Archivmaterial das Viertel von damals nochmal entstehen. Er dokumentiert die Bedeutung des modernen Plattenbaus für die DDR-Bürger und begleitet drei Protagonisten, die demnächst ihre Platte räumen müssen.

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