Say Goodbye with a Smile

Abschied vom Space Shuttle

Als Space Shuttle Columbia im Frühjahr 1981 zu seinem Jungfernflug startete, war es der Inbegriff eines modernen, ja geradezu futuristischen Raumschiffs: das erste – und bis heute das einzige -  das wie eine Rakete starten und wie ein Flugzeug landen konnte. Nach dem Wettlauf zum Mond, den die USA für sich entschieden haben, schien es einmal mehr die Überlegenheit der amerikanischen Raumfahrt gegenüber der Kapseltechnologie der Sowjets zu beweisen – ein elegantes und komfortables Raumschiff, mit dem Flüge in die Erdumlaufbahn und zurück Routine werden sollten.

Die Space Shuttles waren ein höchst ehrgeiziges Projekt: Sie sollten wieder verwendbar sein, ganze Gruppen von Menschen und grosse Nutzlasten ins All bringen und jeweils bis zu 100 Mal zum Einsatz kommen. Es war eine Kombination von Frachtraumschiff, Weltraum-Kleinbus und Forschungslabor, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte.

Bei der Entwicklung redeten viele mit, von der Wirtschaft bis zum Militär – zu viele. Das Shuttle wurde die komplexeste Maschine, die Menschen je gebaut haben, unglaublich vielseitig, aber auch hochsensibel, fehleranfällig und teuer. Die Kompromisse, die man aus Kostengründen bei der Entwicklung gemacht hatte, rächten sich in den Folgejahren mit steigendem Wartungsaufwand und kostspieligen Nachbesserungen. Zwei tragische Unglücke, bei denen 14 Astronauten ums Leben kamen, zeigten, wie schwer es war, Flüge mit dieser ‚Wundermaschine’ einigermaßen sicher zu machen.

Faszination Raumfahrt

Das Ende der Shuttle-Ära - jetzt kann man nur noch so wie Hildegard Werth im Shuttle fliegen
Das Ender der Shuttle-Ära - Jetzt kann man nur noch so im Shuttle fliegen

Dennoch gehörten die Space Shuttles der NASA bald zu Amerika wie die Freiheitsstatue und Coca Cola. Das Kennedy Space Center in Florida wurde zum Magneten für Raumfahrtfans. Bis zu zwei Millionen Besucher pilgerten jährlich nach Cape Canaveral, um einen Shuttle-Start zu sehen und die Ikonen der Raumfahrt aus der Nähe zu bestaunen. Doch wer einen Start sehen wollte, musste viel Zeit mitbringen.

So gut wie nie flogen die Raumfähren pünktlich. Und viele, die das Glück hatten, einen Countdown vor Ort zu erleben, waren einerseits begeistert und andererseits enttäuscht: denn unfassbar schnell ist das Shuttle auf und davon. Schon weniger als eine Minute nach dem Abheben ist es außer Sichtweite. Was bleibt ist der gewaltige Schweif aus Wasserdampf und Triebwerkabgasen, der oft noch stundenlang am Himmel über Florida zu sehen ist. Wer die Bilder vom Start im Fernsehen sieht, hat mehr davon – wären da nicht die feierlichen Minuten, wenn die Nationalhymne gesungen wird, wenn beim Countdown die Spannung ins schier Unerträgliche steigt, wenn die Triebwerke mit einem gleißenden Lichtblitz zünden und die Zuschauertribüne von tosendem Donner überrollt wird. Allein der Kontrast zwischen der urwüchsigen Natur auf Merritt Island mit Alligatoren, Gürteltieren und Seeadlern und dem High Tech Ambiente des Weltraumzentrums ist sehenswert.

Dem All ein Stückchen Näher

Bei mehr als einem Dutzend Reisen nach Cape Canaveral ist es mir immerhin gelungen, drei Shuttle-Starts live zu erleben, sogar besonders schöne: den Flug STS-122 im Februar 2008, der das europäische Columbus-Labor zur Internationalen Raumstation brachte - bei strahlender Sonne zwischen spektakulären Wolkentürmen. Zwei Jahre später dann einen atemberaubenden Nachtstart der Endeavour und zu guter Letzt STS-135, den Abschiedsflug der Atlantis, mit dem nach 30 Jahren das Zeitalter der Shuttles zu Ende ging. Dazu kamen die Reisen nach Houston/Texas.

Im Hangar konnte ich ein Shuttle hautnah erleben - vom Probesitzen im Cockpit bis zum Besuch im Mid deck oder in der Ladebucht. Natürlich war das keine echte Raumfähre, sondern ein Trainingsmodell, in dem Astronauten sich auf den Flug vorbereiten. Am eindrucksvollsten aber fand ich, in Cape Canaveral direkt unter dem vielfach geflickten Hitzeschild einer Raumfähre zu stehen, die in wenigen Woche wieder starten wird. Das ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.

Eine Ära geht zu Ende

Raumfahrt ohne die Space Shuttles der NASA? Immer wieder ernte ich ungläubiges Staunen, wenn ich von den Dreharbeiten beim letzten Shuttle-Flug im Juli 2011 erzähle. Es fällt vielen schwer zu glauben, dass die Raumfahrer aller Länder in Zukunft nach ihren Missionen wieder in winzigen Kapseln zur Erde zurückplumpsen werden wie in der Pionierzeit. Mit einem harten Aufprall in der kasachischen Steppe, sofern sie mit russischen Sojus-Kapseln fliegen. Und mit einem gewaltigen Platsch in den Ozean wenn sie in einigen Jahren mit den neuen Orion-Kapseln der NASA aus dem Weltraum zurückkehren. Vielleicht sind irgendwann auch Passagiere privater Unternehmen wie SpaceX oder Orbital Sciences dabei. Aber auch die kommerziellen Firmen, die mit der NASA im Geschäft sind, setzen auf die altbewährte Kapsel-Technologie – ein unbequemer, aber seit mehr als 50 Jahren konkurrenzlos sicherer Weg ins All und zurück.

Letzer Halt "Museum"

Die Kombination von Personen- und Lastentransport wie im Space Shuttle ist nicht zukunftsfähig – sie ist teuer und birgt zu viele Risiken für die Besatzung. Trotzdem haben die Shuttles Großartiges geleistet. Jahrhundertprojekte wie das Hubble-Weltraumteleskop oder der Bau der Internationalen Raumstation wären ohne die Raumfähren der NASA nicht möglich gewesen. Die Space Shuttles, die 30 Jahre lang die Vorstellung der Öffentlichkeit vom Flug ins All geprägt haben,  sind nun Museumsstücke – Ikonen einer Ära, in der die Erschließung des erdnahen Weltraums Routine wurde und der Wettlauf der Supermächte im All in eine Epoche der friedlichen Zusammenarbeit überging. Trotz aller Kinderkrankheiten, die sie nie loswurden – für mich sind die Space Shuttles der Spitzenreiter bei den  ‚Weltwundern’ des 20 Jahrhunderts.

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