Deutschlands Krieger: Manfred Wörner

Die Bundeswehr und ihre Minister

Dokumentation | ZDFinfo doku - Deutschlands Krieger: Manfred Wörner

Manfred Wörner - Minister im Soldatenrock. Er ist Wunschkandidat des Militärs, Verteidigungsminister ist sein Traumjob. Sein zum Schluss angeschlagenes Image kann er nie wieder retten.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.11.2017, 21:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Im Kalten Krieg der 80er Jahre scheint die Bundeswehr Spielball der Supermächte zu sein. Dem entgegen setzt Kanzler Kohl den willensstarken Militärexperten Manfred Wörner als Verteidigungsminister (1982-1988).

Wörner soll die Bundeswehr durch diese kritische Zeit führen und profiliert sich im Amt für den Aufstieg zum bisher einzigen deutschen NATO-Generalsekretär. Friedensdemos und Wehrdienstverweigerung prägen die Zeit.

Zwischen Aufrüstung und Friedensdemonstrationen

Die Dokumentation beleuchtet die Rolle der Bundeswehr unter Führung Manfred Wörners. Wie haben sich seine Erfahrungen als Kriegskind und Bundeswehr-Jet-Pilot auf seine Politik ausgewirkt? Und wie schaffte er den Spagat zwischen Aufrüstung, Friedensdemonstrationen und schließlich dem Tauwetter im Kalten Krieg unter Gorbatschow?

Der Kanzlersturz Helmut Schmidts 1982 war für Manfred Wörner ein Glücksfall. Denn mehr als zehn Jahre hatte er schon im Verteidigungsausschuss auf seinen Traumjob hingearbeitet, bis ihn der neue Kanzler Helmut Kohl schließlich zum Verteidigungsminister berief. Überzeugt vom NATO-Doppelbeschluss wollte er das "Gleichgewicht des Schreckens" wahren und der atomaren Bedrohung im Osten selbst Atomwaffen entgegenstellen. Wörner traute den Sowjets zeitlebens nicht über den Weg. Als sie auf- und nicht abrüsteten, ließ auch der Minister Atomraketen vom Typ Pershing-II in Deutschland stationieren. Dagegen gingen Hundertausende im ganzen Land auf die Straßen – eine heterogene Friedensbewegung, für die Wörner zum Feindbild mutierte. Aus diesen Protesten wuchs eine neue politische Kraft heran: die Grünen.

Frauen in der Bundeswehr

Die Bundeswehr war in diesen Zeiten "out" – damals verweigerten den Dienst an der Waffe so viele junge Männer wie nie zuvor. Das stürzte die Truppe in eine personelle Krise. Wörner versuchte, diese unkonventionell zu lösen: Wenn Not am Mann sei, sollten Frauen ran! Obwohl ein Großteil der Öffentlichkeit und Wörners eigene Fraktion Frauen in der Truppe ablehnten, ebnete der Minister mit diesem Vorstoß den Weg für Frauen in die Bundeswehr. Das Etikett "konservativer Hardliner", das dem standfesten Schwaben zeitlebens anhaftete, wurde er so allerdings nicht los. Im Gegenteil – er bestätigte es mit seinem größten Fehltritt: der Kießling-Affäre.

Als das Gerücht die Runde machte, Deutschlands oberster Vier-Sterne-General Günter Kießling sei homosexuell, entließ ihn der Minister. Der düpierte Kießling wendete sich an die Presse und trat einen Skandal los. Minister und Republik rätselten und recherchierten fortan im Kölner Homosexuellen-Milieu und fanden doch keine Beweise für den Verdacht. Alles deutete auf eine Intrige hin, die nicht nur Kießling, sondern auch Wörner zu stürzen drohte. Nur mit Mühe und schwer beschädigt überstand der Minister diesen Skandal.

In exklusiven Interviews, etwa mit Wörners damaligem Adjutanten, dem Vier-Sterne-General Klaus Reinhardt, und mit Wörners ehemaliger Pressereferentin und heutigen Managerin von Stefan Raab, Gaby Allendorf, sowie mit Filmmaterial, überwiegend aus dem Archiv der Bundeswehr, illustriert und analysiert diese Dokumentation ein Stück bewegender Zeitgeschichte: die Bundeswehr unter Manfred Wörner.

Reformer oder Verwalter? Anführer oder Drückeberger?

Die Doku-Reihe über die Geschichte der Bundeswehr porträtiert sechs Verteidigungsminister und die speziellen Anforderungen ihrer Amtszeit. Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt, Manfred Wörner, Gerhard Stoltenberg, Rudolf Scharping, Karl-Theodor zu Guttenberg - sechs Verteidigungsminister mit einem Auftrag: Deutschland und seine Bürger zu schützen - schützen vor dem Feind im Osten, vor großen Fluten, vor dem internationalen Terrorismus.

So unterschiedlich die Herausforderungen der Minister, so unterschiedlich auch ihr Amtsverständnis. Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Stil haben sie das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr geprägt, manchmal weit über ihre Amtszeit hinaus - andere wiederum sind am Ende grandios gescheitert. Sie mussten ihre Truppe in schweren Zeiten führen, sich immer wieder aufs Neue einer pazifistisch geprägten Gesellschaft stellen, hatten mit zahlreichen Skandalen und Affären zu kämpfen, weisen aber auch beachtliche Erfolge auf. Waren sie Marionette oder Macher? Kriegstreiber oder Pazifist? Reformer oder Verwalter? Anführer oder Drückeberger? Schwergewicht oder Luftikus?

Die Reihe zeigt, welche Spuren die sechs Minister in der Bundeswehr, aber auch in Politik und Gesellschaft hinterlassen haben.

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