Die C&A-Story

Ein Film von Manfred Oldenburg und Annebeth Jacobsen

Wenn ein Familienunternehmen die Bezeichnung "Clan" verdient, dann ist es C&A: Eine der größten und beliebtesten Kaufhaus-Ketten für Bekleidung ist im Besitz einer weit verzweigten Sippe, der über 500 Mitglieder angehören. Die Brenninkmeyers – so der Name der Großfamilie – zählen mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 25 Milliarden Euro zu den reichsten Familien Europas. Wie die meisten der Superreichen leben auch sie weitgehend zurückgezogen, scheuen die Öffentlichkeit und achten peinlichst genau darauf, dass ihr Name nicht allzu oft in der Presse erscheint.

Die Anfänge des Bekleidungsimperiums liegen weit zurück. Im 19. Jahrhundert machen sich die Brüder Clemens und August Brenninkmeyer  aus dem kleinen Städtchen Mettingen auf, um im benachbarten Holland als wandernde Tuchhändler ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich später mit ihrem ersten Geschäft niederzulassen: C&A – Clemens und August. Statt wie bisher Mode nach Maß anzufertigen, krempeln ihre Nachfahren mit einer revolutionären Idee die gesamte Textil-Welt um: Sie fertigen "Mode von der Stange", bieten  Kleider in Konfektionsgrößen an. "C&A waren Pioniere, weil sie durch die Kleidung, die sie mit geringer Gewinnmarge in großen Mengen verkauft haben, im Grunde eine "Demokratisierung der Mode" bewirkt haben. Das heißt: Es war jetzt nicht nur das Privileg der oberen Schichten, sich auch Alltagskleidung neu leisten zu können, sondern auch in den unteren Schichten war man jetzt in der Lage, sich anständige Kleidung, auch modische Kleidung für nicht allzu viel Geld zu kaufen", erklärt der Historiker Prof. Mark Spoerer.

Grundstein für den Erfolg

Doch Clemens und August legen nicht nur den Grundstein für das erfolgreiche Familienunternehmen, das heute bereits in der sechsten Generation besteht. Bis heute gelten dem Clan feste Wertvorstellungen als Richtschnur für sämtliche Lebensbereiche: in Sachen Geld, Moral und Liebe. "Die Familie hat sehr starke Überzeugungen und das sind natürlich Werte, die sie auch im eigenen Unternehmen den Mitarbeitern und Führungskräften oktroyiert haben", sagt der Journalist Jens Bergmann: "Man hatte katholisch zu sein. Man hatte glücklich verheiratet zu sein, oder jedenfalls so zu tun. Man hatte nicht mit dem Ferrari vorzufahren und das hat auch sehr gut funktioniert über lange Jahrzehnte. Irgendwann war es dann natürlich nicht mehr zeitgemäß." Im 21. Jahrhundert steht der Clan vor der großen Herausforderung, einerseits den Familientraditionen gerecht zu werden, andererseits nicht den Anschluss zu verlieren.

Bisher ist C&A der Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit immer wieder geglückt, zum Beispiel, als der Minirock Ende der 60er Jahre die Generationen spaltete. "Die waren ganz weit vorne mit ihren Designern, die Modetrends entdeckt haben", erklärt die Autorin Bettina Weiguny. "Es war gleich sehr umstritten, dieses kurze Kleidungsstück. Und damals waren es die Brenninkmeyers, dieser katholische Familien-Clan, der gesagt hat: "Der Minirock ist das, was sich durchsetzen wird." Und sie hatten die Miniröcke vor allen anderen in den Geschäften und haben damit dem Minirock im Massenmarkt zum Durchbruch verholfen."

Ähnlich anpassungsfähig verhält sich der Clan auch im sogenannten "Dritten Reich". Als strenggläubige Katholiken mit niederländischem Pass verbindet die Brenninkmeyers zunächst nichts mit den Nazis. Dann jedoch wird die Sippe verdächtigt, jüdische Wurzeln zu haben und muss sich verteidigen. Als auch der Nachweis der "rein arischen Abstammung" nichts hilft, wendet sich der Clan ratsuchend an Reichsmarschall Hermann Göring. Der lässt die Brenninkmeyers seine Gunst freilich etwas kosten. Ein paar erlesene Gemälde zum Geburtstag des hohen NS-Funktionärs und schon können die Großfilialisten ihre Geschäfte weiter ausbauen. Erst vor kurzem öffneten die Brenninkmeyers  ihre Archive dem Historiker Prof. Mark Spoerer, der zu seinen Ergebnissen im Film Stellung bezieht. Die C&A-Story zeichnet ein überraschendes Portrait eines traditionsbewussten Clans. Einst war C&A seiner Zeit weit voraus. Nun muss sich weisen, ob das Unternehmen auch auf der Leitungsebene über den eigenen Schatten springt und für die Zukunft gewappnet ist.

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