Die Haribo-Story

Ein Film von Jörg Müllner

Was 1920 in einer Waschküche in Bonn-Kessenich mit einem Sack Zucker, einer Marmorplatte, einem Kupferkessel und einer Walze begann, ist heute Weltmarktführer für Fruchtgummi und Lakritze, produziert täglich 100 Millionen Goldbären und wirbt damit, Kinder froh zu machen – "und Erwachsene ebenso". Haribo, benannt nach seinem Gründer HAns RIegel aus BOnn, ist ein Familienunternehmen in dritter Generation, und es ist eine  "Erfolgsstory, die natürlich auch viele Neider hervorgerufen hat", meint Firmenbiographin Bettina de Cosnac. "

Um eine Person im Clan hat es jedoch stets viel Wirbel gegeben: Dr. Hans Riegel, von vielen nur "der Doktor" oder "Mr. Haribo" genannt. Der legendäre Haribo-Chef gilt als einer der bedeutendsten Familienunternehmer der Nachkriegszeit und als eines der seltenen Urgesteine, die ihr Unternehmen auch in stürmischen Zeiten auf Kurs halten. Freunde und Weggefährten beschreiben ihn als willensstark und ideenreich, mit einem untrüglichen Gespür für neue Trends. Rekordverdächtige 67 Jahre herrschte Hans Riegel im Reich der Goldbären – gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Paul, der stets den stilleren Part einnimmt, aber am Erfolg des Unternehmens mindestens ebenso viel Anteil hat. Paul kümmert sich um die Produktion und erfindet innovative Maschinen, während Hans als Mann mit der Werbetrommel Haribo in alle Munde bringt – zwei unterschiedliche Brüder, die einander ergänzen.

Bis ins hohe Alter erfindet Dr. Hans Riegel neue Produkte und treibt die Expansion von Haribo, zu dem auch die Marke Maoam gehört, voran. Als 2009 sein Bruder Paul stirbt, wird offensichtlich, dass sich Hans Riegel um vieles in der Firma gekümmert hat, nur nicht um einen Nachfolger. Während Dr. Hans Riegel unverheiratet und kinderlos geblieben ist, hinterlässt sein Bruder Paul vier Kinder aus zwei Ehen und elf Enkel – alles potenzielle Erben. Eine neue Firmenstruktur schafft schließlich Frieden und soll den nächsten Generationen den Weg ebnen. Als 2013 Dr. Hans Riegel stirbt, übernimmt die dritte Generation der Familie Riegel die Regie.

Der neue Mann an der Spitze

Neuer Mann an der Spitze von Haribo ist heute Hans Guido Riegel, Sohn von Paul Riegel und geschäftsführender Gesellschafter der Haribo Holding. Im Gegensatz zu seinem Onkel Hans scheut er die Öffentlichkeit. Es gibt keine Fotos von ihm, keine Auftritte vor der Kamera und bisher hat er nur sehr wenige Interviews mit Printmedien zugelassen. Für den Film "Die Haribo-Story" macht der in der Öffentlichkeit nahezu unbekannte neue Haribo-Chef eine Ausnahme und stellt sich erstmals Fragen vor der Kamera. Hans Guido Riegel äußert sich zur Geschichte und Zukunft des Familienunternehmens, das gerade bei Grafschaft in Rheinland-Pfalz eine neue Firmenzentrale mit angeschlossener Produktion und Logistikzentrum baut. Als Paul und Hans nach dem Krieg den Betrieb ihres 1945 gestorbenen Vaters übernehmen, gehört das Rezept des "Tanzbären", Urahn des heutigen Gummibären, zu den kostbarsten Gütern beim Neustart des Unternehmens.

Das schmackhafte Gummitier ist für Haribo damals zwar nur ein Nischenprodukt, Geld wird vor allem mit Lakritz verdient, aber der Tanzbär fand schon in den 20er Jahren prominente Freunde, etwa Albert Einstein oder Erich Kästner. Und auch der alte Kaiser Wilhelm II schrieb in der für ihn typischen Manier aus dem Exil: "Die Gummibären aus Bonn sind das Beste, was die Weimarer Republik hervorgebracht hat." Doch erst unter Paul und Hans Riegels Führung wird aus dem Mitläufer ein Kassenschlager. Hans und Paul verändern das Rezept und erfinden den Goldbären – ein Erfolgsschlager, mit dem das Unternehmen Milliarden umsetzt.

Die Gegenwart

Heute produziert Haribo an 16 Standorten in Europa und beschäftigt über 7.000 Mitarbeiter, davon die Hälfte in Deutschland. Haribo-Produkte sind weltweit in über 100 Ländern erhältlich. Der Umsatz liegt nach Branchenschätzungen bei mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr, doch Einblicke in die Geschäftszahlen hat die Firma noch nie gewährt. "Das ist einer der großen Unterschiede, dass wir als Familienunternehmen keine Zahlen publizieren müssen oder auch keine Zahlen publizieren wollen", sagt etwa Martin Schlatter, Geschäftsführer der Haribo-Holding.


Für den Film hat das zurückhaltende Familienunternehmen jedoch seine Archive und auch viele private Fotoalben geöffnet. Bilder aus frühen Tagen, wie Hans senior Riegel als Soldat im Ersten Weltkrieg, seiner Frau Gertrud, den Söhnen Hans und Paul in Kriegsgefangenschaft und ihrer Rückkehr nach Bonn, zeichnen ein lebendiges und nahes Bild des Clans, der in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt geblieben ist.

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