Lust und Lüge

Die Deutschen und der Sex

Dokumentation | ZDFzeit - Lust und Lüge

Wie oft haben Sie Sex? Was bedeutet Ihnen Treue? Schauen Sie manchmal Pornos? Umfragen zum Sexleben der Deutschen gibt es viele. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter den dabei gemachten Angaben?

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.03.2017, 08:10
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Viermal Sex pro Woche, multiple Orgasmen und ewige Treue: Beim Sex wird gelogen, dass sich die Bettpfosten biegen. Wo schummeln wir am meisten – und warum?

Regelmäßig wird das Sexleben der Deutschen in Umfragen durchleuchtet. Aber wie ehrlich ist das, was wir über unser Liebesleben offenbaren? In einem außergewöhnlichen Experiment entlarvt "ZDFzeit" die Sexlügen der Deutschen.

Ehrlichkeit und Treue – für die meisten Deutschen sind das die wichtigsten Eigenschaften eines potenziellen Partners. Doch in kaum einer anderen Beziehung steckt so viel Potenzial für Täuschung wie in der zwischen den Geschlechtern. Wir lügen über unseren Status, über die Tiefe unserer Gefühle oder über unsere Bereitschaft zum Sex.

"Der Mensch ist ein geborener Lügner. Und am meisten lügt er, wenn es um Lust und Liebe geht", sagt der Evolutionsbiologe Bernhard Fink. Aber warum ist das so? Welchen Vorteil bietet uns die Lüge in der Liebe? Und wo stehen wir uns damit vielleicht selbst im Weg?

Mit verblüffenden Experimenten, entlarvenden Tests und auf Grundlage aktueller Forschungsergebnisse macht sich "ZDFzeit" auf die Suche nach der nackten Wahrheit über unseren Sex.

    Interview mit Filmautorin Caroline Reiher

    Sie geben in Ihrer Doku nicht die neuesten Tipps, wie man sein Sexleben optimiert, sondern hinterfragen vielmehr das Gerede über Sex. Was ist Ihr Ausgangspunkt?

    Genau dieser: zu schauen, was an dem Gerede über Sex wirklich dran ist. Zumindest gefühlt werden wir ja dauernd mit den Ergebnissen von irgendwelchen anonymen Sex-Umfragen konfrontiert. Wie oft geht der durchschnittliche Deutsche fremd? Wie viel Sex haben wir? Wie oft schauen wir Pornos? Da drängt sich doch die Frage auf: Stimmt das alles überhaupt? Oder wird da im großen Stil geschwindelt? Das wollten wir herausfinden.

    Wie haben Sie das angestellt? Einfach nachzufragen würde wohl kaum reichen.

    Vermutlich nicht. Wir haben einen Trick benutzt und den Befragten vorgespiegelt, sie seien an einen Lügendetektor angeschlossen. In Wahrheit ist das Gerät aber gar nicht funktionstüchtig. Das ist in der Sozialforschung eine bewährte Methode, um verlässlichere Antworten auf intime Fragen zu bekommen.

    Wie lief das genau ab?

    Wir haben einen Online-Fragebogen mit typischen Sexfragen an 100 Probanden verschickt. Ein paar Wochen später haben wir die Teilnehmer unter einem Vorwand eingeladen und die gleichen Fragen noch einmal gestellt. Nur diesmal eben unter der Kontrolle unseres vorgeblichen Lügendetektors.

    Lassen die gewonnenen Antworten darauf schließen, dass diese Methode funktioniert?

    Ja, wir haben tatsächlich signifikante Unterschiede bei vier von 15 Fragen festgestellt. Offenbar neigen wir dazu, unsere persönliche Sexstatistik nach unten zu frisieren, wenn es um Pornos oder Seitensprünge geht. Wenn es darum geht, wie oft wir Sex haben, legen wir dagegen eher eine Schippe drauf. Wir stellen uns als treuer und gleichzeitig sexuell aktiver dar als wir sind.

    Welches Ergebnis hat Sie am meisten überrascht?

    Ganz klar die vorgespielten Orgasmen – und zwar die der Männer! Schon in unserer Erstbefragung haben wir hier recht hohe Werte erreicht. Aber in unserem Lügentest gaben noch einmal 30 Prozent mehr Männer zu, dass sie schon mal einen Orgasmus simuliert haben. Natürlich schummeln auch die Frauen was das Zeug hält. Aber sie geben es eher zu als die Männer.

    Ermöglicht dieses Lügendetektor-Experiment wirklich Aussagen über "Die Deutschen und der Sex"? Wäre das Ergebnis in einem anderen Land anders ausgefallen?

    Unsere Lügen können eine ganze Menge über uns verraten. Denn wir lügen ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir uns davon etwas versprechen – oft geht es darum, einen potenziellen Makel zu verbergen. Was als Makel empfunden wird, hängt wiederum stark mit der Gesellschaft zusammen, in der wir leben. In den USA zum Beispiel hat eine Psychologin mit Lügendetektor-Experimenten festgestellt, dass Frauen über ihr Alter beim ersten Geschlechtsverkehr schummeln. Sie waren beim "ersten Mal" oft jünger als sie behauptet hatten. Die Männer dagegen waren älter als sie behauptet hatten. Offenbar empfinden die Frauen in den USA frühen Sex als unschicklich und die Männer wollen frühreifer erscheinen als sie sind. Unsere 100 Probanden waren in dieser Frage weitestgehend ehrlich. Es scheint also tatsächlich kulturelle Unterschiede zu geben. Man könnte vielleicht sagen: Je konservativer eine Gesellschaft, desto höher der Druck, einem klassischen Rollenbild zu entsprechen.

    Und wie setzen Sie nun die ganzen ermittelten Befragungs-Ergebnisse in eine kurzweilige Dokumentation um?

    Dass wir Fragen zu unserem Sexleben nicht ehrlich beantworten, ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Nirgendwo wird so viel gelogen wie beim Sex. Ohne Täuschung und Irreführung wäre unser komplexes Beziehungsleben vermutlich gar nicht möglich. Wir lügen über unseren Status, über die Tiefe unserer Gefühle oder über unsere Bereitschaft zum Sex. Mit Hilfe von weiteren Experimenten finden wir heraus, was uns das Schwindeln in Sachen Lust und Liebe eigentlich bringt, welchen Einfluss die Biologie auf unser Seitensprungverhalten hat und ob wir Sex-Lügen so gut erkennen wie wir häufig glauben. Von Seiten der Wissenschaft haben uns dabei der Evolutionsbiologe Bernhard Fink geholfen, die Sexualwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld und der Medienwissenschaftler Matthias Uhl.

    Zusammengefasst: Was nehmen die Zuschauer aus Ihrer Doku am Ende mit?

    Ein hoffentlich entspannteres Verhältnis zu den vielen Zahlen und Angaben, die über Sexualität kursieren: was gesund ist, was man im Bett leisten muss, wie oft man es macht, etc. Sie können dann vielleicht darüber schmunzeln, dass wir alle bei dem Thema ein bisschen lügen – und solange wir niemanden damit schaden, ist das auch okay.

Datum:

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