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Neues Wirtschaftswunder

Wer gewinnt beim Aufschwung?

Doku | ZDFzeit - Neues Wirtschaftswunder

Vor rund 20 Jahren galt Deutschland als "kranker Mann Europas", heute blickt so mancher Nachbar neidisch auf das "German Jobwunder". Wie kam es zu dem wundersamen Boom? Und zu welchem Preis?

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.09.2018, 22:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Konjunkturerfolge

Sprudelnde Steuereinnahmen, sagenhafte Exportüberschüsse und sinkende Arbeitslosenzahlen - Deutschland geht es so gut wie lange nicht. Gleichzeitig sind viele überzeugt, dass der Wohlstand ungerecht verteilt ist. Denn der Aufschwung kommt nicht bei allen an.

Die Dokumentation rekonstruiert Deutschlands Weg aus den Krisen der vergangenen Jahrzehnte, zeigt Gewinner und Verlierer des „neuen Wirtschaftswunders“ und welche Hypothek für die Zukunft mit dem Aufschwung verbunden ist.

Blickpunkt Arbeitsmarkt

<strong>Agenda 2010</strong>

März 2003: Im Bundestag verkündet der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Grundzüge einer tiefgreifenden Sozial- und Wirtschaftsreform. Die Rede hat es in sich. Der Kanzler hält den Sozialstaat in seiner bisherigen Form für nicht mehr finanzierbar und will ihn abschaffen. Schröder verkündet: „Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern müssen.“

Den politischen Paradigmenwechsel hält Schröder bis heute für gerechtfertigt. In der Dokumentation spricht er von einer Neudefinition des Sozialstaats. Was der damalige Kanzler als „Agenda 2010“ ankündigt, soll Schluss machen mit der lange beklagten Erstarrung der alten Bundesrepublik. Viele Ökonomen sehen heute einen Zusammenhang zwischen Deutschlands wirtschaftlichem Aufschwung und den umstrittenen Hartz-Reformen. Andere dagegen bestreiten das. Fest steht: Die Maßnahmen haben auch weitreichende negative Konsequenzen - seither boomen Billig-Lohn-Sektor und Leiharbeit; Arbeitnehmer müssen damit rechnen, nach ein bis zwei Jahren ohne Job in die Grundsicherung zu rutschen.

Was denken die Deutschen?

<strong>Oben und unten</strong>

Deutschlands Antwort auf die Globalisierung ist die Liberalisierung der Arbeitsverhältnisse. Seit Einführung der Agenda 2010 sind Leiharbeit, Zeitarbeit und Minijobs in großem Umfang möglich geworden. Industrie und Wirtschaft nutzten die Gelegenheit und senkten dadurch massiv die Lohnkosten. Eine Strategie, die viele Gewinner produziert hat, vor allem bei den Besserverdienern. Das Nachsehen haben kleine Arbeiter und Angestellte: die Kindergärtnerin aus Hamburg, die den Reichtum der anderen vor Augen hat und selbst gerade so über die Runden kommt; der Leiharbeiter, der jahrelang Lohneinbußen hingenommen hat und dessen Hoffnung auf eine feste Stelle täglich kleiner wird. „Unten fahren die Rolltreppen falsch herum, man muss sich mühen, um auf der Stelle zu bleiben. Oben geht es aber dagegen anstrengungslos immer weiter hinauf“, sagt der Soziologe Oliver Nachtwey.

Trotz des jahrelangen Aufschwungs haben viele das Gefühl, die Ungerechtigkeit habe zugenommen und von den Gewinnen komme wenig bei denen an, die das neue Wirtschaftswunder hauptsächlich erarbeiten. Und international wird der deutsche Konjunkturerfolg mitunter kritisiert. Exportweltmeister Deutschland hat weltweit Neider, die das deutsche Geschäftsmodell in Frage stellen – allen voran US-Präsident Trump. Das kann zum Problem für die deutsche Wirtschaft werden, die bislang Gewinner der Globalisierung war.

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