Macht, Geld, Lügen

Clinton gegen Trump

Dokumentation | ZDFzeit - Macht, Geld, Lügen

Die Jahrhundertwahl: Clinton gegen Trump. Zwei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch viel gemeinsam haben. Was führte sie in den schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten?

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.11.2017, 08:59

Quo vadis Amerika?

Es war ein US-Wahlkampf für die Geschichtsbücher: Ein unkalkulierbarer Egomane gegen eine Frau, die als kühle Machtpolitikerin gilt. Skandale hatten beide im Gepäck. Und sie teilten den Willen zur Macht – von Anfang an. Getrieben von der Überzeugung, für höchste Weihen bestimmt zu sein, haben beide oft schmutzige Kämpfe ausgefochten und rücksichtslos ihre persönlichen Ziele verfolgt.

"Ich fürchte um die ganze Welt, sollte ein Donald Trump Präsident werden", sagte Trump-Biograf Michael D’Antonio. Diese Furcht ist nun real. Aller radikalen Parolen und entlarvten Lügen zum Trotz wird der New Yorker Immobilien-Tycoon der nächste Präsident der USA. Zu verdanken hat er das nicht zuletzt dem verheerenden Image seiner Gegnerin. Trump gegen Clinton – Amerika ist tief gespalten. Auf dem Spiel steht das demokratische Selbstverständnis der mächtigsten Nation der Erde.

Die Marke Trump

Dabei hatte alles als Lachnummer begonnen: "Donald Trump hatte gar nicht ernsthaft vor, Kandidat zu werden", berichtet seine ehemalige Wahlkampfhelferin Stephanie Cegielski. Als Donald Trump vergangenen Sommer seine Kandidatur bekanntgab, ging es ihm vor allem darum, möglichst viel kostenlose Eigen-PR zu bekommen. Eine konsequente Anwendung seiner Geschäftsmethode: längst verdient der mehrfach pleitegegangene Immobilienmogul sein Geld auch damit, dass er seinen Namen als Lizenz vermarktet. Doch bald zeigte sich, dass die Kunstfigur „The Donald“, die sich schon in diversen Filmen und Serien selbst spielte, mit seinen Tiraden unerwartet gut bei breiten Wählerschichten ankam.

Drei Fragen an Filmautor Daniel Pontzen

Gezielte Hetze gegen Minderheiten und Frontalangriffe auf Mitbewerber sicherten ihm von Beginn an die Aufmerksamkeit der Medien sowie – und das mag selbst ihn überrascht haben – eine stetig wachsende Anhängerschar. Dass er damit einer zunehmend vergifteten politischen Atmosphäre im Land weiter Auftrieb gab, nahm Trump in Kauf. Schon als Kind wurde ihm vom Vater eingebläut, dass es im Leben vor allem um eines geht: Erfolg um jeden Preis. Die Dokumentation zeigt, wie dieses Mantra Trumps Handeln bis heute bestimmt: Lügen, üble Geschäftsmethoden, massive Beleidigungen oder Aufrufe zur Gewalt – Skrupel sind ihm fremd. Und doch: Hinter den martialischen Auftritten, so vermuten Biografen, verbirgt sich eine tiefsitzende Empfindlichkeit – die auch im Wahlkampf immer wieder aufblitzt.

Sein Erfolg bei den Wählern erscheint mitunter rätselhaft: In einer Zeit, in der sich der Lebensstandard der amerikanischen Mittelschicht stetig verschlechtert, prahlt Trump damit, schon sein Vater und Großvater hätten öffentliche Gelder für persönliche Zwecke abgezweigt. Er selbst hat angeblich jahrelang keine Steuern gezahlt. Doch ausgerechnet jene, die die größten Abstiegsängste haben – weiße, weniger gebildete Männer – sehen in ihm den Heilsbringer, obwohl ihm das Gemeinwohl stets egal war. Wichtig ist Trump vor allem sein Bild nach außen: Ein Platz auf der Liste der Superreichen und Publicity in der Yellow-Press. Um Journalisten mit saftigen – und oft erfundenen – Geschichten zu füttern, habe er sich am Telefon sogar immer wieder als sein eigener Pressesprecher ausgegeben.

Viele Amerikaner durchschauen all das und sind zudem entsetzt über Trumps blanken Sexismus: Einer Umfrage zufolge ist er der unbeliebteste Kandidat, der jemals in einen Hauptwahlkampf eingezogen ist. Unter normalen Umständen hätte er keine Chance aufs Präsidentenamt gehabt. Doch auf Platz zwei der unbeliebtesten Bewerber folgte ausgerechnet seine Gegnerin: Hillary Clinton, die ihm immer wieder Angriffsfläche bot.

Ein Geschöpf der Politik

Ihr Name gilt vielen als Synonym für Washingtons Polit-Filz: Gewieft soll sie sein bis hin zur Unehrlichkeit. Schon als Studentin verschrieb sie sich der Politik, doch unterwarf sie ihre eigene Karriere dann der ihres Mannes. Als First Lady wurde sie Anfang der 90er Jahre der ganzen Welt bekannt. Doch schon damals prägten Skandale das Ansehen der Familie Clinton. Mal ging es um Kündigungen von altgedienten Mitarbeitern des Weißen Hauses, mal um Bills sexuelle Eskapaden, mal um Vorteilsgewährung und Bereicherung. Die Clintons, so der Vorwurf, wähnten sich oft über dem Gesetz. So auch beim sogenannten E-Mail-Skandal, der Hillary Clinton bis heute verfolgt und sie auf den letzten Metern den Sieg kosten könnte.

Die Vorkämpferin der Mittelschicht nehmen ihr viele Amerikaner nicht mehr ab. Spätestens seit bekannt wurde, dass Clinton von Firmen wie Goldman Sachs mehrere hunderttausend Dollar für halbstündige Reden annahm – und sich bis heute weigert, deren Inhalt zu veröffentlichen.

All das macht sich schlecht in einem Jahr, in dem in Amerika gleich mehrere Entwicklungen ihren bisherigen Höhepunkt erreicht haben: Die Wut der Wähler auf das Polit-Establishment; die grassierende Abstiegsangst; eine durch und durch ökonomisierte Medienlandschaft, die Trump virtuos für seine Zwecke nutzt – und eine Verrohung des öffentlichen Diskurses, der immer stärker von Brachialrhetorik geprägt wird.

Diese Gemengelage und Hillarys Schwäche katapultierten Donald Trump am Ende ins Weiße Haus. Als finale Pointe einer Reality-TV-Show, die längst zur Wirklichkeit geworden ist.

ZDFinfo - Amerika hat die Wahl: Clinton gegen Trump

Hillary Clinton und Donald Trump – kaum zwei Konkurrenten um die US-Präsidentschaft haben je so polarisiert wie diese beiden.

Beitragslänge:
112 min
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