Sie sind hier:

Das Erbe der Treuhand

Aufbruch und Ausverkauf

Die Treuhand wird bis heute für das Trauma der Wendezeit verantwortlich gemacht. ZDFzeit beschreibt in einer zweiteiligen Dokumentation die schmerzhaften Anpassungsprozesse.

43 min
43 min
04.10.2020
04.10.2020
UT
UT
Video verfügbar bis 25.04.2021

Der Freudentaumel war schnell verflogen: Jobverluste, Firmenpleiten und das Veröden ganzer Landstriche prägen das Nachwende-Empfinden im Osten bis heute. Hat die Treuhand versagt, oder war die schmerzhafte Abwicklung der DDR-Wirtschaft unvermeidlich?

Zerstörte Existenzen

"Uns wurde gesagt, dass unser Betrieb von der Treuhand übernommen wird und dass es sicher eine Möglichkeit gibt, wie der Betrieb weiter existieren kann", erinnert sich Antonia Kahlich. Doch dann erwischt es ihren Betrieb, VEB Elektroporzellan in Großdubrau, gleich am Anfang. Eine Sanierung sei aussichtslos, da das Werk fehldimensioniert und der Umsatz rückläufig sei, so die Bewertung der Treuhand. Die Mitarbeiter werden entlassen. Selbst der technische Direktor, damals 51 Jahre alt, hat - wie so viele - nie mehr eine Stelle bekommen. Bis heute merkt er das an seiner kleinen Rente. So wie ihm ist es vielen ergangen.

Mit der Treuhand kommt das Aus. Ein Eindruck, der sich bis heute bei vielen festgesetzt hat. In einer Umfrage von ZDFzeit sind fast 80 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, dass sich die Treuhand nicht bemüht hat, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Mammutaufgabe der Treuhand

Sie steht für das gnadenlose West-System, in dem eine ostdeutsche Biografie nichts wert ist. Und das sich im schlimmsten Fall gar mit kriminellen Methoden DDR-Vermögen unter den Nagel reißt. So wie bei der Firma Dampfkesselbau Hohenthurm bei Halle. Sie gerät in den Besitz eines Betrügers, der die Firma ausnimmt und in den Ruin treibt. Auch mehrere Treuhand-Mitarbeiter sind involviert.

Fälle wie dieser prägen ein katastrophales Bild der Institution, die eine beispiellose Aufgabe stemmen musste: Ein ganzes Land sollte innerhalb kürzester Zeit von Plan- auf Marktwirtschaft umgestellt werden. Mehr oder weniger über Nacht wird die Treuhand aus dem Boden gestampft. Ihre Ausstattung ist anfangs so dürftig, dass die Behörde nur eingeschränkt arbeitsfähig ist. Trotzdem muss sie schon in den ersten Jahren 8500 Großbetriebe privatisieren, sanieren oder abwickeln.

Das denken Ost- und Westdeutsche heute über die Treuhand

Treuhand-Trauma nützt Populisten

Viele Ostdeutsche fühlen sich auch Jahrzehnte später noch entwertet, abgewickelt und ausgeplündert. Noch heute sind 33 Prozent von ihnen der Meinung, dass vor allem der Westen von der Wiedervereinigung profitiert hat. Das weiß vor allem die AfD für sich zu nutzen und inszeniert sich im Osten als Gegenentwurf zu den westlichen "Altparteien", der das "ungerechte Erbe" zu beseitigen versuchten.

Aber war die Treuhand wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Oder hat sie den Transformationsprozess zur Marktwirtschaft im Großen und Ganzen gut bewerkstelligt?

  • Kamera - Benedict Sicheneder, Thomas Bresinsky
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.