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Das Erbe der Treuhand

Wut und Wirklichkeit

Das Bild zeigt das Gebäude des Bundesfinanzministeriums, in dem bis 1994 auch die Treuhand ansässig war.

Hat die Treuhand die ostdeutsche Industrie plattgemacht und ein kollektives Trauma ausgelöst? Oder war sie ein willkommener Blitzableiter für die Wut im Osten?

26.04.2020
26.04.2020
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Auch 30 Jahre nach der Wende wird darüber gestritten, wie gut oder schlecht die Anstalt ihren Job gemacht hat. Der zweite Teil der Bestandsaufnahme widmet sich den Jahren 1991 bis 1994 unter Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel.

Erfolgreich und trotzdem gescheitert

Dass in den 1990er-Jahren nicht nur Ostdeutsche schlechte Erfahrungen mit der Treuhand machen, zeigt das Beispiel von Christopher Schwarzer aus München. Er analysiert für die Treuhand Ostbetriebe. Von dem Unterwäsche-Hersteller VEB Elastic Mieder ist er so begeistert, dass er seinen Job an den Nagel hängt und als Investor einsteigt.

Der Umsatz verdreifacht sich, die Firma gilt als Vorzeigeobjekt. Dann fordert die Treuhand die Darlehen ein: drei Millionen D-Mark. Die finanzielle Situation des Unternehmens wird kritisch. Schwarzer hofft auf Entgegenkommen, es geht immerhin um die Arbeitsplätze von 200 Angestellten. Doch die Treuhand bleibt hart. Am Ende steht die Insolvenz.

Hat die Treuhand genug Einsatz gezeigt?

VEB Elastic Mieder ist einer von vielen DDR-Betrieben, der trotz des großen Einsatzes von Geschäftsführung und Belegschaft nicht überlebt hat. Die einen nehmen das als Beleg für die marode DDR-Wirtschaft. Die anderen sind der Meinung, dass so manche Firma zu retten gewesen wäre, hätte die Treuhand wirklich Interesse daran gehabt. Viele bekannte DDR-Betriebe und ihre Produkte verschwinden in diesen Jahren.

Das Bild zeigt die Ruine einer Fabrik mit zerschlagenen Fensterscheiben.

Bis heute hat die Treuhand ihren miesen Ruf weg. Selbst 30 Jahre nach der Wende ist bei vielen die Wut nicht verflogen. Die sächsische Staatsministerin Petra Köpping fordert eine "Wahrheitskommission", die Bilanz ziehen soll. Wie hat die Treuhand eigentlich gearbeitet? Welche Kriterien waren entscheidend für die Bewertung von Firmen?

Druck auf Treuhand

Der Druck, unter dem die Behörde damals steht, ist in der Öffentlichkeit kein Thema. Hier spielt die Konfrontation die Hauptrolle. Bis zum Schluss. In Bischofferode protestieren die Kumpel des Kalibergwerks mit einem Hungerstreik gegen die Schließung. Sie vermuten Konkurrenz-Ausschaltung als wahren Beweggrund und sehen die Treuhand als Steigbügelhalter des Turbo-Kapitalismus.

Trotz der massiven Kritik bewerten viele Ex-Treuhand-Mitarbeiter ihre Arbeit noch heute positiv. Auch die langjährige Chefin Birgit Breuel wehrt sich gegen Pauschalurteile: "Dass wir mal Fehler machen, ist völlig unbestritten, aber wir haben ein Tempo vorgelegt, das uns keiner zugetraut hätte."

Bilanz: Die Treuhand in Zahlen

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