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Endlich wieder Kreuzfahrt!

Mit Volldampf aus der Krise?

von Sören Folkens

Leinen los für Kreuzfahrten! Nach monatelanger Pause sind die XXL-Schiffe wieder unterwegs. Corona habe man im Griff, heißt es an Bord. Aber wie steht's um Umwelt und Massentourismus?

Videolänge:
43 min
Datum:
03.08.2021
:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.09.2022

Nach Corona: Kurswechsel in der Kreuzfahrtbranche?

Mit dem Neustart der Kreuzfahrten tauchen die alten Probleme wieder auf: Viele Dampfer gelten als klimaschädlich, überfüllte Hafenstädte leiden unter dem Andrang großer Urlauberscharen. Hat Corona zu einem Umdenken bei den Reedereien geführt?

Die Kreuzfahrtindustrie boomte die vergangenen beiden Jahrzehnte wie keine andere Tourismusbranche. Ganze 900 Prozent ist die Branche seit den 90er-Jahren gewachsen. Doch mit Corona kam der Stillstand. Über ein Jahr durfte kaum ein Schiff ablegen, sie lagen ungenutzt vor Anker. Die Umsätze der Reedereien tendierten gegen null. Krisenmodus auch in den Werften: Der Schiffsbau in Deutschland mit rund 20 000 Jobs funkte SOS. Inzwischen ist klar: Die Nachfrage nach neuen Schiffen zieht wieder an. Also volle Kraft voraus? "ZDFzeit" zeigt, dass die Perspektiven auf eine rasche Erholung nicht überall gut sind.

Schiffsfahrt im Korsett

Dabei ist die Stimmung an Bord der Schiffe, die inzwischen wieder in See stechen, fast so gut wie vor Corona. Die Passagiere drängt es nach monatelanger Zwangspause in Scharen wieder auf die Urlaubsdampfer. "ZDFzeit" geht bei einer der ersten Kreuzfahrten im Mittelmeer mit an Bord und begleitet die Passagiere bei den Landgängen. Überall auf der Reise gibt es allerdings Einschränkungen: Die Hygienestandards sind streng, nur rund jede zweite Kabine ist belegt, Abstand ist auch auf See oberstes Gebot. Zu groß ist die Furcht vor Negativschlagzeilen.

Ein Corona-Ausbruch könnte der Branche schnell einen Rückschlag verpassen. Deshalb haben die Veranstalter ein sogenanntes Bubble-Konzept erarbeitet. Also eine Art "Sicherheits-Blase", in die sich jeder begeben muss, der mitfahren will. Die Idee: Alle Mitreisenden bleiben unter sich, Kontakte nach außen sind streng verboten. Da bleiben etwa eigene Erkundungstouren bei Landausflügen auf der Strecke. Aber das hält viele nicht von einer Buchung ab, ebenso wenig andere Vorwürfe, mit denen sich die Kreuzfahrtbranche seit Langem konfrontiert sieht.

Wo Sonne ist, gibt es auch Schatten

Kreuzfahrtschiffe gelten als Dreckschleudern, die Arbeitsbedingungen an Bord seien häufig schlecht, bemängeln Experten, und die Tausenden Menschen an Bord überschwemmten bei jedem Landgang die Hafenstädte. Die Krise hat gezeigt, wie es ohne Kreuzfahrt sein kann. Im Guten wie im Schlechten. Geplagte Einwohner der Touristenhotspots konnten seit Jahren wieder mal durchatmen. Doch auf die Erleichterung folgte schnell Ernüchterung. In Venedig sieht Kreuzfahrtexperte Thomas P. Illes das ganze Dilemma der Kreuzfahrthäfen: "Der Tourismus in den Zielgebieten liegt am Boden. Viele Menschen müssen um ihre Existenz fürchten. Auf der anderen Seite bringen die Schiffe auch viele Probleme, die andere Teile der Bevölkerung nicht mehr bereit sind, zu ertragen."

Die Lagunenstadt ist besonders von den Ozeanriesen geplagt. Bis zu 16 Schiffe am Tag landeten vor Corona in der Altstadt an. An den jahrhundertealten Fassaden klebt der Ruß, den die Schornsteine der schwimmenden Hotels Tag und Nacht ausspucken. Außerdem beklagen die Bürgerbewegungen, dass die Schiffe die Substanz der Stadt zerstörten. "Die Wasserverdrängung der Schiffe ist so enorm, dass die Wellen so stark gegen die Mauern drücken, dass jedes Jahr mehr Schäden sichtbar werden", erklärt die Sprecherin des Vereins "We Are Here Venice", Jane da Mosto, im "ZDFzeit"-Interview.

„Hier ist die Politik gefragt.“

Dabei unternehmen die Reedereien nach eigenen Angaben inzwischen sehr viel, um das schlechte Image loszuwerden. Zuletzt nutzten weltweit die Schiffseigner die Coronakrise, um sich von alten Schiffen mit schmutzigen Antrieben zu trennen. Die Bilder von einstigen Urlaubsriesen in den Abwrackwerften gingen um die Welt. Doch fraglich ist, ob sich die Branche tatsächlich nachhaltig und klimafreundlicher aufstellen will. Tourismusexperte Prof. Torsten Kirstges ist überzeugt: "Damit sich die Lage wirklich verbessert, muss die Politik klare Regeln vorgeben. Von allein wird sich die Branche nicht so bewegen, wie es nötig wäre. Hier ist die Politik gefragt."

Wie das aussehen kann, zeigt Norwegen. In den weltberühmten Fjorden stand der Smog der Kreuzfahrtschiffe oft tagelang. Die Touristen kommen eigentlich, um unberührte Natur zu sehen. Die Schiffe, auf denen sie reisen, hinterlassen aber stinkende Abgaswolken in den tiefen Schluchten der norwegischen Küsten. Auch die Norweger wollen nicht auf die Kreuzfahrttouristen verzichten. Die Regierung hat daher erlassen, dass in Zukunft nur noch emissionsfreie Schiffe in die beliebtesten Fjorde fahren dürfen. So ist das Land heute schon dabei, seine Flotte nach und nach auf umweltfreundliche Antriebe umzustellen.

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